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Männer nach Überfall auf Geldtransporter vor Gericht

18.06.2019 - Zwei Männer blockieren eine Straße, bremsen einen Geldtransporter aus und erbeuten Schmuck und Edelmetall. Vor Gericht in Stuttgart schweigen sie. Wollen sie einen Komplizen schützen?

  • Zwei Angeklagte vor Prozessbeginn im Verhandlungssaal des Landgerichts in Stuttgart. Foto: Martin Oversohl © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Zwei Angeklagte vor Prozessbeginn im Verhandlungssaal des Landgerichts in Stuttgart. Foto: Martin Oversohl © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Stuttgart (dpa/lsw) - Ein Raub wie aus einem Hollywood-Streifen: Zwei Männer blockieren mit ihrem Auto eine Straße, zwingen einen Geldtransporter zur Vollbremsung, räumen den Wagen aus und stecken Fluchtfahrzeug und Transporter in Brand. Aber die mehrjährige Flucht der beiden ist erfolglos - seit Dienstag wird ihnen in Stuttgart vor dem Landgericht der Prozess gemacht.

In Handschellen, die Gesichter hinter farbigen Schnellheftern versteckt, nehmen die Männer am Morgen die Plätze ein, auf denen sie während der mehrmonatigen Verhandlung sitzen werden. Dann schweigen sie - und werden dies auch für den Rest des Prozesses tun, wie ihre Verteidiger ankündigen. Dreieinhalb Jahre nach dem Raubüberfall in Kirchheim unter Teck (Kreis Esslingen) listet die Staatsanwaltschaft ihnen die Vorwürfe Punkt für Punkt auf: der gemeinschaftliche räuberische Angriff auf den Fahrer des Transporters, der besonders schwere Raub, die gefährliche Körperverletzung.

Die Staatsanwaltschaft ist sich auch ohne Geständnis der Männer auf der Anklagebank sicher, die Richtigen angeklagt zu haben. Im Dezember 2015 überfallen sie demnach das Kurierfahrzeug, das beladen mit Schmuck und Edelmetallen auf dem Rückweg aus München unterwegs ist. Ihr Auto stellen sie dabei quer auf die Fahrbahn, um den damals 78 Jahre alten Fahrer des Transporters zum Halten zu zwingen. Sie schlagen die Scheibe der Fahrertür mit einer Taschenlampe ein und attackieren den Mann, der schließlich über die Beifahrertür flüchten kann.

Mit dem Transporter und ihrem Wagen ergreifen die Räuber die Flucht, die ausgebrannten Wracks der Autos werden später auf einem Feldweg an der Autobahn 8 gefunden. Dort wartet damals auch der nach wie vor unbekannte Komplize des Duos mit einem Fluchtfahrzeug. Der Fahrer des Transporters wird bei dem Überfall leicht verletzt.

Die Höhe der Beute: rund 113 000 Euro. Nach den Männern wird zunächst erfolglos unter anderem auch in der ZDF-Sendung «Aktenzeichen XY ... ungelöst» gefahndet. Auch der Abgleich der am Tatort gesicherten DNA-Spuren ergibt keinen Treffer. Mitte Januar 2019 schließlich gehen die beiden der Polizei nach einem Hinweis ins Netz, sie werden in Pforzheim und Rastatt festgenommen.

Überfälle auf Geldtransporter wie in Kirchheim sorgen immer wieder für Schlagzeilen, sie gehören aber nach Ansicht des Branchenverbands zu den schlagzeilenträchtigen Ausnahmen. Im vergangenen Jahr wurden laut Kriminalstatistik der Polizei sieben gesicherte Spezialtransporte überfallen, einige davon erfolglos. Zudem wurden 69 Geldboten ausgeraubt - vor zehn Jahren (2008) waren es noch 114.

Geschützt würden die Transporter durch eine Zwei-Mann-Besatzung, durch GPS-Ortung, bewaffnete Mitarbeiter und Transportsicherungssysteme. «Die Fahrzeuge sind extrem sicher», sagte Silke Wollmann von der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste. «Deshalb bleiben die meisten Überfälle auch im Versuchsstadium stecken.»

Eine hundertprozentige Sicherheit gebe es aber auch mit modernen Maßstäben nicht, sagte Wollmann. «Wer sich wie zuletzt in Berlin an schwerem Bergungsgerät bedient, kriegt fast jedes Auto auf.»

Der Überfall auf einen Transporter in der Berliner Innenstadt hatte im vergangenen Oktober für Aufsehen gesorgt. Dabei hatte eine Bande den Transporter mit zwei Autos ausgebremst, gerammt und gestoppt, bevor sie ihn mit Spezialgerät aufbrachen. Es wurden laut Anklage zunächst sieben Millionen Euro Bargeld erbeutet, allerdings misslang der Coup. Auf der Flucht, bei der auch ein Funkstreifenwagen der Polizei beschossen wurde, mussten die Räuber ihre demolierten Fahrzeuge samt Beute zurücklassen.

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