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Sommer, Sonne, Erste Hilfe: Neue Notrufsäulen an Badeseen

23.07.2019 - Bei einem Ausflug in Stuttgart kentert ein Boot voller Kinder, innerhalb kurzer Zeit sind die Retter am Ort und helfen. Glück gehabt. An einem weniger bewachten See hätte das anders ausgehen können. Nun sollen neue Notrufsäulen auch diese Lücke schließen.

  • Bei einer Pressekonferenz stellt die Björn Steiger Stiftung und die DLRG eine neue Notrufsäule vor. Foto: Christoph Schmidt © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Bei einer Pressekonferenz stellt die Björn Steiger Stiftung und die DLRG eine neue Notrufsäule vor. Foto: Christoph Schmidt © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Stuttgart (dpa/lsw) - Ein sonniges Wochenende treibt den Rettungsschwimmern manchmal auch Sorgenfalten auf die Stirn. Denn mit den Temperaturen steigt auch die Zahl der Notfälle an den Badeseen im ganzen Land. «Sommer ist Hochsaison für Notrufe», sagt der württembergische DLRG-Präsident Armin Flohr. «Aber wir können nicht überall sein.»

Etliche Seen und Flüsse vor allem in entlegeneren Gegenden seien unbewacht. Ohne einen Notruf haben die Schwimmer, Sonnenanbeter, Segler und Surfer allerdings kaum eine Chance. Mit solarbetriebenen Notrufsäulen an den Badestränden könnten die Rettungsdienste künftig schneller alarmiert werden und Leben retten. Prototypen werden nun im Rems-Murr-Kreis und am Bodensee getestet.

Das Strandbad Krauchenwies bei Sigmaringen ist für die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ebenso ein Brennpunkt wie der eine oder andere Platz am Bodensee. Selten gibt es dort eine Kontrolle, nicht immer gibt es ein Handynetz und im schlimmsten Fall dauert es lange, bis der ersehnte Rettungswagen das Ufer erreicht. «Auch haben Ersthelfer am Strand oder Taucher am See oft kein Handy mit dabei, um einen Notruf absetzen zu können», erklärt die Björn Steiger Stiftung, die die neuen Säulen entworfen und finanziert hat. Die neuartigen Notrufsäulen erhöhten die Chance, schneller am Patienten zu sein.

Die strahlend-weißen Erste-Hilfe-Pfeiler sind solarbetrieben und damit im Gegensatz zu den wenigen bereits bekannten Notrufsäulen an den Seen und Flüssen nicht an Erdkabel gebunden. «Wir können sie überall aufstellen und sind flexibel», sagt Flohr. Die Säulen seien zudem wartungsfrei und nachts beleuchtet, sie übermittelten per GPS ihre genaue Position. Außerdem sei im Innern ein sogenannter Laien-Defibrillator untergebracht, der leicht zu handhaben sei.

«In der Pilotphase wollen wir 100 Notrufsäulen an ausgewählten Stränden und Badeseen in Württemberg aufstellen», sagt Andreas Mihm von der Björn Steiger Stiftung, die die Notrufsäulen an den Autobahnen einst vorgestellt hatte. 30 Standorte seien bereits fest eingeplant, 45 reserviert und 25 weitere noch nicht vergeben. «Wir wollen das Projekt Schritt für Schritt ausweiten», sagte Mihm. «Irgendwann soll es die Säulen dann auch bundesweit geben.» Erste Anfragen gebe es bereits, darunter auch aus Achern in Baden.

Bedarf für schnelle Hilfe ist da wie selten zuvor: In Baden-Württemberg sind im vergangenen Jahr deutlich mehr Menschen ertrunken als im Jahr davor. Nach DLRG-Angaben starben 62 Menschen in Gewässern und Schwimmbädern - das sind 24 mehr als im Jahr 2017.

«Schwimmer überschätzen sich, sie rechnen nicht mit den teilweise kalten Wassertemperaturen, bekommen mitten auf dem See Probleme mit dem Herzen - und einige können gar nicht erst schwimmen», bilanziert die DLRG. Zu den Notfällen an den Badestränden zählt DLRG-Präsident Mohr aber auch Brandwunden vom Grillen, schwere Insektenstiche oder Sonnenbrände ebenso wie Schnittverletzungen.

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