Vor Prozess um Angriff bei Corona-Demo: Weitere Ermittlungen

16.04.2021 Vor einem Jahr versammeln sich Tausende in Stuttgart zum Protest gegen die Corona-Auflagen. Friedlich soll er sein, aber auf dem Weg zur Kundgebung werden drei Menschen brutal zusammengeschlagen. Es folgen Razzien, jetzt ist die Justiz an der Reihe.

Polizisten betreuen einen verletzten Mann, der auf dem Weg zu einer Corona-Demo zusammengeschlagen wurde. Foto: Andreas Rosar/Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttg/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Auch ein Jahr nach dem Angriff auf drei Männer am Rande einer Corona-Demonstration in Stuttgart wird gegen mutmaßliche Beteiligte an der Attacke ermittelt. «Es gibt weitere Täter, die identifiziert sind und gegen die Ermittlungen laufen, ebenso wie es Tatverdächtige gibt, die noch unbekannt sind», sagte eine Sprecherin der Stuttgarter Staatsanwaltschaft der Deutschen Presse-Agentur. Zwei mutmaßliche Schläger stehen im ersten Prozess um die Attacke von Montag (19. April) an vor Gericht. Die Ermittler sind überzeugt, dass sie im vergangenen Mai an der Tat beteiligt waren. Die beiden werden der linken Szene zugerechnet.

Einem damals 20-Jährigen wird versuchter Totschlag vorgeworfen. Er soll einem der drei Opfer heftig gegen den Kopf geschlagen und ihn lebensgefährlich verletzt haben. Dabei sei er nicht alleine gewesen, glaubt die Staatsanwaltschaft: «Nachdem der Angegriffene bewusstlos zu Boden gegangen war, sollen zumindest zwei der Täter noch weiter auf ihn eingeschlagen und eingetreten haben.» Ein zur Tatzeit 24 Jahre alter mutmaßlicher Komplize sitzt wegen gefährlicher Körperverletzung auf der Anklagebank des Landgerichts. Er habe gemeinsam mit einem ebenfalls noch nicht identifizierten Mittäter die beiden weiteren Opfer unter anderem mit Reizstoff besprüht.

Die mutmaßlichen Täter sollen sich im Stadtbezirk Bad Cannstatt als Teil einer linksgerichteten Gruppe versammelt haben. Die etwa 20 bis 40 Menschen sollen dann die aus ihrer Sicht rechten Kontrahenten mit Schlagwerkzeugen attackiert und verletzt haben. Der lebensgefährlich verletzte, damals 54-Jährige gehörte der rechtspopulistischen gewerkschaftsähnlichen Organisation «Zentrum Automobil» an. Auch seine beiden Mitstreiter erlitten Verletzungen. Sie waren auf dem Weg zur Kundgebung auf dem Cannstatter Wasen. Mehrere Tausend Menschen hatten damals an der Demonstration gegen die Corona-Beschränkungen teilgenommen.

Im Juli hatten daraufhin Hunderte Polizisten bei Razzien in sieben Städten Zimmer und Wohnungen von Anhängern der linken Szene durchsucht. Dabei war der Jüngere der beiden Angeklagten festgenommen und schließlich verhaftet worden.

Der Angriff hatte auch politisch für Aufregung gesorgt. Allerdings lehnten Grüne, CDU, SPD und FDP im vergangenen Sommer einen von der AfD beantragten Untersuchungsausschuss zum Angriff deutlich ab.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News