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Waffenstillstand in Weingarten: Strobl bleibt CDU-Chef

04.05.2019 - Kein Denkzettel, auch kein Durchmarsch: Kurz vor der Kommunalwahl verpasst die CDU ihrem umstrittenen Landeschef Thomas Strobl ein eher mittelprächtiges Ergebnis. Es brodelt im Landesverband.

  • Thomas Strobl (CDU). Foto: Karl-Josef Hildenbrand/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Thomas Strobl (CDU). Foto: Karl-Josef Hildenbrand/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Weingarten (dpa/lsw) - Beim CDU-Parteitag in Weingarten geht Thomas Strobl in die Offensive. Die Diskussionen der letzten Wochen seien nicht spurlos an ihm vorübergegangen, sagt der CDU-Landeschef. «Man überlegt, wägt ab, man zweifelt - manchmal ist man verzweifelt.» Strobl ist umstritten in den eigenen Reihen. Das spürt er, auch wenn sich bislang kaum einer seiner Kritiker aus der Deckung traut. Aber es brodelt in der Partei. Viele trauen Strobl nicht zu, die CDU zu alter Stärke zu führen und 2021 einen Wahlkampf gegen Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) zu gewinnen.

Die gut 300 Delegierten bescheren ihrem Landeschef bei der Wiederwahl ein mäßiges Ergebnis. 83,3 Prozent. Kein Desaster, aber auch kein Durchmarsch. Gegenkandidaten gibt es keine. Strobl schnitt etwas besser ab als bei seiner letzten Wiederwahl 2017 (82 Prozent), aber deutlich schlechter als 2015 (97,86 Prozent) und 2013 (87,3 Prozent). In Weingarten bestätigt sich: Die CDU ist keine Partei der offenen Revolte - schon gar nicht kurz vor der wichtigen Kommunal- und Europawahl am 26. Mai. Der Landesverband will ein Signal der Geschlossenheit senden. Den 20 000 Kandidaten, die sich im Land um ein kommunales Mandat bewerben, soll kein Bein gestellt werden.

Die 83 Prozent werden ganz unterschiedlich interpretiert. Im Strobl-Lager heißt es, dass man sich ja leicht verbessert habe zu 2017 - trotz des Dauerfeuers gegen seine Person. Strobl-Kritiker sagen, dass man mit dem Ergebnis lediglich ein paar Wochen Ruhe bewirken wollte. Danach werde die Personaldebatte sowieso aufbrechen. Und Strobl selbst? Bezeichnet das Ergebnis nüchtern als «stabilisierend». Ob er zufrieden sei, darum gehe es ja nicht. «Ich kann meine Arbeit weitermachen.» Begeisterung klingt anders.

Strobl führt den CDU-Landesverband seit 2011. Er ist der erste Landesvorsitzende, der nicht zugleich auch Ministerpräsident ist oder die direkte Aussicht darauf hat, es zu werden. Viele räumen Kultusministerin Susanne Eisenmann größere Chancen bei einer Spitzenkandidatur 2021 ein. Sie wird in Weingarten mit 83,4 Prozent als Beisitzerin im Präsidium bestätigt - ein Ergebnis auf Höhe von Strobl. Bei Eisenmanns Wahl ins Präsidium 2017 waren es allerdings noch knapp 92 Prozent.

«Wir waren nie gut, wenn wir uns übermäßig mit uns selber beschäftigt haben», sagt Strobl. Die Leute wollten doch gar nicht wissen, wer wen nicht leiden kann. Die Personaldebatten dürften nicht in der Öffentlichkeit geführt werden. «Wenn man in der Familie streitet, dann macht man die Fenster zu.»

Die offene Konfrontation wagt in Weingarten niemand. So mancher stimmt aber mit geballter Faust in der Tasche ab. Und hinter vorgehaltener Hand wird fleißig gelästert. «Ich kann Strobl nicht mehr hören», sagt ein Delegierter. Dem Landeschef wird vorgeworfen, sich zu wenig von Kretschmann abzusetzen, zu viele Kompromisse auf Kosten der CDU einzugehen. Die Grünen liegen in Umfragen derzeit weiter rund vier Prozent vor der CDU.

SPD-Generalsekretär Sascha Binder spricht von einer Gnadenfrist für Strobl. «Um nicht kopflos in die Europa- und Kommunalwahl zu schlittern», betonte er. Strobl habe sich zwar noch einmal über die Hürde gerettet. «Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Bei der Spitzenkandidatur in Baden-Württemberg ticken die Uhren anders.»

Ministerin Eisenmann bringt sich jedenfalls intern in Stellung gegen Strobl. Die beiden kennen sich seit Jahrzehnten, Strobl hievte sie ins Kultusministerium. Von Freundschaft ist nicht mehr viel zu spüren angesichts des sich zuspitzenden Konkurrenzkampfs. Wird Strobl aufgeben? Oder kommt es zur offenen Auseinandersetzung, gar einer Mitgliederbefragung? Wer geht ins Rennen 2021?

«Alles zu seiner Zeit», so lautet Strobls Angebot an seine Kritiker. In Weingarten gehe es nur um den Landesvorsitz - nicht mehr und nicht weniger. Gleichzeitig hört sich Strobls Bewerbungsrede an wie eine Kampfansage. «2021, liebe Freundinnen und Freunde, da jagen wir die Grünen aus der Villa Reitzenstein», ruft er. Er wolle kämpfen für seine Partei. So klingt keiner, der noch zurückziehen will.

«Er hat seinen Führungsanspruch deutlich gemacht», sagt Präsidiumsmitglied Stefanie Bürkle zu Strobls Rede. Die, die der Meinung seien, sie würden ein Angebot darstellen, müssten aus der Deckung kommen. «Was niemand goutiert, sind Nadelstiche aus dem Hinterhalt.»

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