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Zahl getöteter Pedelecfahrer steigt: ADFC bietet Kurse an

28.02.2020 - Aufsitzen, Knopf drücken, losfahren: Zehntausende Fahrradfahrer sind in Baden-Württemberg Tag für Tag mit einem Elektrofahrrad unterwegs. Die Zahl der verkauften sogenannten Pedelecs steigt, die Zahl der tödlichen Unfälle auch. Die Experten haben aber eine Erklärung dafür.

  • Eine Frau fährt mit einem Pedelec über einen Verkehrsübungsplatz. Foto: Christoph Schmidt/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eine Frau fährt mit einem Pedelec über einen Verkehrsübungsplatz. Foto: Christoph Schmidt/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Stuttgart (dpa/lsw) - In Östringen stürzt ein Rentner mit seinem Pedelec und stirbt, ganz in der Nähe wird eine ältere Frau auf ihrem Elektrorad angefahren und getötet und im Rhein-Neckar-Kreis kommt ein Mann ums Leben, als er bergab vom Rad der gleichen Sorte fällt. Drei von 20 Menschen, die im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg auf ihren Elektrorädern umgekommen sind. Nach der jüngsten Statistik ist jeder dritte getötete Fahrradfahrer im vergangenen Jahr mit einem Pedelec auf baden-württembergischen Straßen unterwegs gewesen.

Insgesamt starben nach den am Freitag veröffentlichten Zahlen des Innenministeriums 62 Menschen mit ihrem Rad bei Unfällen im Südwesten (2018: 68, davon 15 Pedelecfahrer). Die Polizei registrierte 11 440 Verkehrsunfälle, an denen Fahrräder und Pedelecs beteiligt waren. Das ist ungefähr das hohe Niveau des Vorjahres, sagte Innenminister Thomas Strobl (CDU) bei der Vorlage der Statistik. An 2112 dieser Unfälle spielte ein Rad mit Antrieb eine Rolle. Das entspricht einer Steigerung von 28,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahlen seien ein «Anlass zur Sorge», sagte Strobl.

Allerdings besitzen die Menschen in Baden-Württemberg nach Auskunft des Statistischen Landesamts auch mindestens zehn Millionen Fahrräder. In jedem elften Haushalt stand zu Beginn des Jahres 2018 mindestens ein Pedelec. Nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) lag die Zahl bundesweit zum Ende desselben Jahres bei 4,4 Millionen Elektrofahrrädern.

Die oft schweren Folgen von Stürzen und Unfällen mit Elektrofahrrädern erklären Fahrradverbände und auch die Polizei unter anderem mit der ungewohnten Handhabung, dem Alter der Fahrer und dem Gewicht der Räder. «Gibt es Unfälle mit einem Pedelec, gehen die häufig überdurchschnittlich schwer aus für die Fahrer», sagt ZIV-Sprecher David Eisenberger.

Er sieht die höhere Geschwindigkeit der Räder mit Elektroantrieb eher nicht als Ursache für Unfälle: «Nach unseren Berechnungen liegt das Tempo eines Elektrorades nur um drei Prozent über der normalen Geschwindigkeit eines Radfahrers.» Außerdem sei zum einen die Zahl der verkauften Pedelecs deutlich gestiegen, zum anderen lege ein Pedelecfahrer im Durchschnitt eine weitere Entfernung zurück.

«Die Unfallzahl steigt, aber die Zahl der Räder steigt ja auch», argumentiert der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Clubs (ADFC) ähnlich. Wichtig sei vor allem, sich mit dem neuen Fahrrad zu beschäftigen, bevor man am Verkehr teilnehme.

Unter dem Motto «Radspaß - sicher E-Biken» will der Club in vier Pilotkreisen und gemeinsam mit dem Württembergischen Radsportverband (WRSV) Trainer ausbilden und von Juni an zunächst kostenlose Kurse anbieten. Diese sollen im kommenden Jahr auf das ganze Land ausgeweitet werden, sagte die ADFC-Landesvorsitzende Gudrun Zühlke. «Die Nachfrage ist da.»

Bereits am Donnerstag hatte das Statistische Landesamt mitgeteilt, dass die Zahl der Unfalltoten in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr leicht gesunken ist. Demnach nahm sie nach einer vorläufigen Statistik um 0,7 Prozent auf 437 ab, obwohl immer mehr Autos unterwegs sind. Strobl kritisierte vor allem, dass allein 179 Menschen starben, weil einer der Fahrer zu schnell unterwegs war. Die Zahl der Schwerverletzten ging dabei um 5,2 Prozent zurück auf 8094.

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