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Bayern sieht keinen Grund für Abi-Noten-Nachbesserungen

07.06.2019 - Am Ende reichten auch mehr als 75 000 Unterschriften nicht aus: Die Abiturnoten im Freistaat werden nicht nach oben korrigiert. Ganz umsonst soll der Protest aber nicht gewesen sein.

  • Michael Piazolo. Foto: Peter Kneffel/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Michael Piazolo. Foto: Peter Kneffel/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

München (dpa/lby) - Der tausendfache Protest von Bayerns Abiturienten gegen die Matheprüfungen war vergebens: Der Bewertungsschlüssel wird in Bayern nicht nachträglich korrigiert. «Das ist jetzt fix», sagte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Freitag der Deutschen Presse-Agentur in München. Nachdem das Ministerium bereits die Ergebnisse von rund zwei Drittel der bayerischen Gymnasien gesichtet habe, sei klar, dass der Abi-Durchschnitt insgesamt im üblichen Schwankungsbereich der vergangenen fünf Jahre liege. «Deshalb werden wir nicht in den Bewertungsmaßstab eingreifen.»

In den vergangenen Jahren hatte der Abiturschnitt in Bayern bei rund 2,3 gelegen. Wie der Abitur-Schnitt in diesem Jahr ausfalle, könne aber noch nicht gesagt werden, sagte Piazolo. Nach seinen Angaben werden die Erfahrungen und Kritikpunkte der Schüler aus diesem Jahr aber dennoch nicht einfach ungehört verhallen. «Natürlich werden wir das Abitur noch mal nachbereiten, um aus den jetzt gemachten Erfahrungen für die Zukunft zu lernen», sagte der Minister.

Nach der Mathe-Prüfung hatten Schüler in zwölf Bundesländern aus Protest Petitionen im Internet gestartet. Im Freistaat wurden vor allem die Textlastigkeit und Anzahl der Unteraufgaben bemängelt - bis Freitagnachmittag unterzeichneten mehr als 75 000 Unterstützer im Internet eine entsprechende Petition. Das Saarland, Bremen und Hamburg hatten angekündigt, den Bewertungsschlüssel zu verändern. Das bayerische Kultusministerium wies dagegen erneut darauf hin, dass «die Mathematik-Abiturprüfung durchaus ambitioniert, aber insgesamt angemessen» gewesen sei. «Wir halten in Bayern an unserem Niveau des Abiturs fest», betonte auch Piazolo.

Dazu passend haben die Kultusminister der Länder beschlossen, an dem gemeinsamen Aufgabenpool für die Abituraufgaben festhalten zu wollen. Dies sei eine Erfolgsgeschichte auf dem Weg zu mehr Vergleichbarkeit beim Abitur, sagte der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Alexander Lorz (CDU), nach einem Treffen der Ressortchefs am Freitag im hessischen Wiesbaden. Die diesjährigen Probleme beim Matheabitur hätten nichts mit dem Konzept des Pools zu tun gehabt, sondern mit der Zusammenstellung der Klausuren in den verschiedenen Ländern.

Künftig solle es daher noch genauere Richtlinien geben, nach denen die Länder Aufgaben aus dem Pool entnehmen, kündigte Lorz an. Die Länder stellen die Abiturprüfungen etwa in Mathematik selbst zusammen und greifen dafür zum Teil auf Aufgaben aus dem Pool zurück.

Auf dem Weg zur Abiturprüfung könnte sich für Bayerns Gymnasiasten aber künftig dennoch etwas ändern. In der Oberstufe dürften sie sich künftig wieder selbst für Schwerpunktfächer entscheiden können. «Es zeichnet sich (aber) ab, dass wir uns in der Oberstufe ein, zwei Fächer mit vertieftem Niveau leisten wollen», sagte Piazolo im Interview der in Würzburg erscheinenden «Main-Post» (Freitag). Anders als früher solle für die Fächer aber nicht mehr der Begriff «Leistungskurse» verwendet werden; und sie sollten auch inhaltlich anders ausgestaltet werden.

Piazolo kündigte noch für dieses Jahr eine finale Entscheidung über die konkrete Ausgestaltung der neuen gymnasialen Oberstufe an. Derzeit gebe es noch eine «rege Diskussion» - auf der einen Seite mit jenen, die das breite und für alle gleiche Allgemeinwissen stärken wollten; auf der anderen Seite stünden jene, die das Wissen in gewählten Fächern vertiefen wollten.

Auf Druck des ehemaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) hatte Bayern die Rückkehr zum sogenannten neunjährigen Abitur beschlossen. Auf eigenen Wunsch können Schüler aber auch weiterhin nach acht Jahren das Abitur anstreben. Die erste 13. Klasse wird es im Schuljahr 2025/26 geben.

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