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Flüchtling sticht Kind nieder: Siebeneinhalb Jahre Haft

17.06.2019 - Im niederbayerischen Vilshofen unterstützt ein Ehepaar einen Flüchtling aus Eritrea. Dann ersticht der Mann beinahe deren Sohn. Jetzt ist vor dem Landgericht Passau das Urteil gesprochen worden.

  • Der Schriftzug Landgericht steht unter dem bayerischen Wappen an der Fassade vom Landgericht in Passau. Foto: Matthias Balk/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Der Schriftzug Landgericht steht unter dem bayerischen Wappen an der Fassade vom Landgericht in Passau. Foto: Matthias Balk/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Passau (dpa/lby) - Für einen Messerangriff auf einen Elfjährigen muss ein Mann aus Eritrea für siebeneinhalb Jahre ins Gefängnis - das Kind ist der Sohn seiner Flüchtlingshelfer. Der Richter am Landgericht Passau verurteilte den 26-Jährigen am Montag wegen versuchten Mordes. Die Tat im niederbayerischen Vilshofen hat im vergangenen Sommer für Entsetzen gesorgt. «Das Überleben des Buben ist einfach unheimliches Glück», sagte der Richter. Das Motiv für die Tat habe sich nicht zweifelsfrei feststellen lassen.

Zum Abschluss des fünftägigen Prozesses fasste der Richter das dramatische Geschehen so zusammen: Der 26-Jährige klingelt am frühen Abend des Tattages im Juli 2018 bei der Familie, der Elfjährige öffnet die Tür. Der Mann will die Mutter sprechen, die jedoch nicht daheim ist, und geht in die Wohnung. Dort zieht er ein Messer aus der Hosentasche, der Bub versucht zu fliehen, stürzt und wird von dem Mann angegriffen.

Zunächst schneidet und sticht er dem Kind in Arme und Beine, der Bub versucht sich zu befreien. Als er auf dem Rücken liegt, schneidet der 26-Jährige ihm tief in den Hals und sagt mindestens zweimal: «Stirb!». Dem stark blutenden Jungen gelingt die Flucht aus dem Mehrparteienhaus, er rennt auf die Straße, wo ihm Passanten helfen. Die Eltern des Elfjährigen sind während des Angriffs auf ihren Sohn mit anderen Flüchtlingen beim Möbelkauf. Wäre der Schnitt in den Hals nur minimal anders verlaufen, hätte der Junge nicht überlebt, wird der Gutachter später sagen.

Der Richter sieht das Mordmerkmal der Heimtücke als gegeben an. Der Bub habe mit dem Angriff nicht gerechnet. Das Motiv habe nicht eindeutig aufgeklärt werden können. Zum Prozessauftakt hatte der 26-Jährige gesagt, er habe ein Nacktvideo von sich auf seinem Handy gehabt, das die Mutter verbreitet habe. Deswegen habe er es eigentlich auf sie abgesehen gehabt.

Er sagte aber auch, der Junge habe ihn beleidigt. Der Richter ging davon aus, dass es sich um ein sprachliches Missverständnis gehandelt haben könne. Es sei jedoch auch nicht auszuschließen, dass der Mann wegen eines Wahnes vermindert steuerungsfähig gewesen sei.

Die Eltern des Buben verfolgten die Urteilsverkündung mit ernster Miene, der Angeklagte blickte auf den Tisch vor sich. Das heute zwölfjährige Opfer nahm an der Sitzung nicht teil. Der Bub ist seit der Tat in psychologischer Behandlung. Die physischen Wunden habe er überstanden, sagte der Richter. Aber: «Die Seele heilt langsamer.»

Die Staatsanwaltschaft hatte wegen versuchten Mordes neun Jahre Haft gefordert, der Verteidiger auf zweieinhalb Jahre Haft wegen gefährlicher Körperverletzung plädiert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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