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Geschwister-Scholl-Preis für Historiker Götz Aly

20.09.2018 - Der Geschwister-Scholl-Preis geht an den Historiker Götz Aly. In seinem Buch «Europa und die Juden. 1880 - 1945» stelle Aly den Antisemitismus erstmals als grenzübergreifendes Phänomen dar.

  • Der Historiker und Politikwissenschaftler Götz Aly. Foto: Sophia Kembowski/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Der Historiker und Politikwissenschaftler Götz Aly. Foto: Sophia Kembowski/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

München (dpa) - Für sein Buch über die Bedingungen und Ursachen des Holocaust erhält Götz Aly den Geschwister-Scholl-Preis. «Die Erforschung der Verbrechen des Nationalsozialismus hat der Historiker Götz Aly mit bedeutenden Büchern vorangetrieben», heißt es in der Begründung der Jury. Der mit 10 000 Euro dotierte Preis wird am 19. November 2018 vom Landesverband Bayern im Börsenverein des Deutschen Buchhandels und der Landeshauptstadt München verliehen.

Götz Aly wurde 1947 in Heidelberg geboren und arbeitete unter anderem als Autor für die «taz», die «Berliner Zeitung» und als Gastprofessor. Aly gilt als Experte für den Nationalsozialismus sowie für Antisemitismus. Seine Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt.

In seinem jüngsten Buch «Europa gegen die Juden. 1880 - 1945» ziehe Aly eine Art von Summe - indem er eine markante These zu den Möglichkeitsbedingungen des Holocaust umfassend belege und begründe, mit ganz Europa im Blick, heißt es in der Begründung der Jury. «Der Antisemitismus war demnach nicht die Sache einer Minderheit von irrationalem Hass getriebener Fanatiker.» Vielmehr habe es für die Verdrängung der Juden aus dem bürgerlichen Leben rationale Gründe gegeben. «Rational im Sinne von: erklärbar, aus den materiellen Interessen derjenigen, die von der Beseitigung der Konkurrenz profitierten», so die Jury.

Demnach sei der Neid auf die als besonders tüchtig wahrgenommenen Juden nach Aly nicht die einzige Ursache dafür, dass Vorurteile im Völkermord endeten. Und so hässlich dieser Neid sei, sei er dennoch mit Werten verknüpft, die auch heute noch hochgehalten werden, schrieb die Jury weiter. Aly setze damit «ein Beispiel für geistige Unabhängigkeit und intellektuellen Mut».

Der Preis erinnert an Sophie und Hans Scholl, die während der Nazi-Zeit der studentischen Widerstandsgruppe «Weiße Rose» in München angehörten. Nach der Verbreitung von Flugblättern gegen die Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten wurden die Geschwister festgenommen und ermordet. Bei dem Prozess, der den Geschwistern Scholl am Volksgerichtshof gemacht wurde, handelte es sich um einen Schauprozess: Die geladenen Zeugen wurden nicht gehört, die Pflichtverteidiger setzten sich nicht für ihre Mandanten ein. Die Richter fungierten rein zur Ausschaltung politischer Gegner.

Der Geschwister-Scholl-Preis soll an den Mut und die Tapferkeit von Hans und Sophie Scholl erinnern. Zu den Preisträgern aus den Vorjahren zählen Hisham Matar, Achille Mbembe und Glenn Greenwald.

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