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Grüne verlangen Reaktivierung von 18 Bahn-Nebenstrecken

05.09.2019 - Im vergangenen Jahrhundert wurden viele kleine Bahnstrecken dichtgemacht, gegen das Auto hatten Regionalbahnen oft keine Chance. Nun wollen etliche Kommunen die Zeit zurückdrehen und wieder Bahnverkehr auf dem Land. Doch die Reaktivierung ist schwierig.

  • Eine S-Bahn fährt in München aus einem Tunnel. Die Grünen verlangen die Reaktivierung von 18 Bahn-Nebenstrecken. Foto: Frank Leonhardt/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eine S-Bahn fährt in München aus einem Tunnel. Die Grünen verlangen die Reaktivierung von 18 Bahn-Nebenstrecken. Foto: Frank Leonhardt/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

München (dpa/lby) - Die Grünen verlangen die schnelle Reaktivierung von 18 Bahn-Nebenstrecken in Bayern. Die Staatsregierung hat bislang aber nur für einzelne dieser Strecken die Wiederinbetriebnahme in die Wege geleitet. Dies geht aus einer Antwort des Verkehrsministeriums in München auf eine Landtagsanfrage des Grünen-Abgeordneten Markus Büchler hervor. Er wirft Minister Hans Reichhart (CSU) vor, die Gelder zum Bahnausbau nur für die zweite S-Bahn-Stammstrecke in München zu verbauen, «auf Kosten der Mobilität auf dem Land». Reichhart wies die Kritik am Donnerstag zurück.

Nach Angaben des Ministeriums gibt es erst für 3 der 18 Strecken konkrete Terminpläne für die Aufnahme des Zugverkehrs. Demnach soll bis Ende 2022 in Schwaben die Verbindung Gessertshausen-Langenneufnach kommen, in Mittelfranken soll bis Ende 2024 die Strecke Gunzenhausen-Wassertrüdingen in Betrieb gehen. Die seit mehreren Jahrzehnten diskutierte Verlängerung der Münchner S-Bahn-Linie 7 von Wolfratshausen bis Geretsried soll in knapp zehn Jahren Wirklichkeit sein.

Darüber hinaus stuft die Staatsregierung derzeit nur noch die Strecken Volkach-Seligenstadt in Unterfranken sowie Dombühl-Wilburgstetten in Mittelfranken als «reaktivierungswürdig» ein. Erst wenn eine Prognose ergibt, dass mindestens 1000 Reisende pro Werktag auf einer Strecke unterwegs sein werden, hält das Verkehrsministerium eine Wiederinbetriebnahme für vertretbar. Auf der niederbayerischen Strecke Gotteszell-Viechtach im Bayerischen Wald gibt es derzeit einen Probebetrieb, der klären soll, ob diese Fahrgastquote erreicht werden würde.

Die Initiativen zur Reaktivierung solcher Strecken, die meist vor etlichen Jahrzehnten geschlossen wurden, gehen regelmäßig von den Kommunen in den betroffenen Regionen aus. Auch der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen spricht von «Fehlentscheidungen der Vergangenheit» und unterstützt die Wiederbelebung der alten Trassen.

Bayern verlangt dann aber, dass die Sanierung von maroden Schienen und ähnliche Bauarbeiten von einem Infrastrukturunternehmen ohne Zuschuss des Freistaats gestemmt werden. Dies sei keine Landesaufgabe, betont das Ministerium. Der Beitrag Bayerns liege anschließend darin, für zwölf Jahre einen regelmäßigen Zugverkehr für die Strecken zu bestellen.

Den Grünen ist dies zu wenig. Sie fordern, dass Bayern selbst Reaktivierungsprozesse startet, fördert und zum Abschluss führt. Dies machten auch Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und andere Bundesländer. Minister Reichhart schiebe «die Bahn auf dem Land aufs Abstellgleis, anstatt klimafreundliche Mobilität auf dem Land zu organisieren», kritisierte Büchler.

Minister Reichhart entgegnete: «Im Gegensatz zu den Grünen achten wir bei Reaktivierungen auf den ökologischen Fußabdruck. Wenn laut Prognose keine 1000 Reisenden pro Werktag den Zug nutzen, das heißt nicht durchschnittlich 25 Fahrgäste im Zug sitzen, ist es wesentlich umweltfreundlicher, einen Bus entlang der Strecke statt eine Diesellock einzusetzen.» Die Emissionen von Bussen lägen nur bei 25 Prozent im Vergleich zu denen von Zügen. «Wenn ein deutlicher ökologischer Nutzen für eine Reaktivierung vorhanden ist und in der kommunalen Familie vor Ort Einigkeit besteht, sind wir, wie in der Vergangenheit, offen für Reaktivierungen», so Reichhart.

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