Diese Seite benötigt Javascript! Bitte aktivieren Sie Javascript für eine korrekte Darstellung.

Auffällige Wölfe dürfen künftig abgeschossen werden

17.04.2018 - Vor knapp 20 Jahren wurde die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland noch meist bejubelt. Das hat sich geändert. Auch wenn in Bayern nur wenige Tiere heimisch sind, verfolgt die Regierung einen restriktiven Kurs beim Artenschutz.

  • Ein Wolf in einem Gehege. Foto: Carsten Rehder/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Wolf in einem Gehege. Foto: Carsten Rehder/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

München (dpa/lby) - Verhaltensauffällige Wölfe sollen in Bayern künftig auch abgeschossen werden dürfen. Dies sieht der sogenannte Aktionsplan Wolf vor, den das Kabinett erstmals diskutiert hat. «Wir sind sehr am Erhalt von Arten interessiert, der Schutz von Menschen und Weidetieren ist uns aber genauso wichtig», sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Dienstag in München. Um die Gefahr für die Bevölkerung, aber auch für Tiere auf ein Minimum zu reduzieren, solle die Größe der Wolfspopulation auf das «artenschutzrechtlich Erforderliche» begrenzt werden. «Wir wollen keine Hysterie, aber es ist eine Herausforderung», betonte Söder.

Der Abschuss bleibe aber immer das letzte Mittel, sagte Umweltminister Marcel Huber (CSU). Mit der Regelung werde nicht das EU-Recht eingeschränkt. Zugleich betonte er aber, dass der Freistaat beim Umgang mit Wölfen an die Grenze dessen gehen werde, was das EU-Recht hergebe. «Wir denken nicht lange darüber nach. Wenn ein verhaltensauffälliger Wolf auftaucht, muss er entnommen, getötet werden», sagte Huber.

Zunächst sei aber in jedem Einzelfall zu prüfen, ob alle Präventionsmaßnahmen, etwa Zäune oder spezielle Schutzhunde für Tierherden, und in der Folge auch eine sogenannte Vergrämung beziehungsweise eine lebende Entnahme nicht machbar seien. «Wenn der Wolf sich nicht abschrecken lässt, ist er zu entnehmen.» Huber kündigte zudem finanzielle Unterstützung für Betroffene an. Neben einem Förderprogramm für Präventionsmaßnahmen in Sachen Herdenschutz sollen Schäden durch Wölfe weiter komplett ausgeglichen werden.

Hintergrund der Neuregelung ist, dass zuletzt wieder einzelne Wölfe oder Wolfspaare in Bayern nachgewiesen oder gesichtet worden sind. Aktuell gibt es in Bayern drei standorttreue Wolfspaare: im bayerisch-tschechischen Grenzgebiet, auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr sowie im Bereich des Veldensteiner Forsts in Oberfranken.

Der Wolf genießt in der EU den höchsten Schutzstatus, er darf deshalb ganzjährig nur in Ausnahmefällen und mit einer Sondergenehmigung abgeschossen werden. Seit im Jahr 2000 ein erstes Rudel in Deutschland nachgewiesen wurde, hat die Wolfspopulation stark zugenommen und damit auch eine kontroverse Debatte über den Umgang mit den Wildtieren. Der Deutsche Jagdverband geht von etwa 800 Wölfen in Deutschland aus. Am Mittwoch will auch der Umweltausschuss des Bundestages über den Umgang mit dem Wolf beraten. Es geht unter anderem um die Frage, ob der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen werden soll und wie man Nutztiere am besten gegen die Wölfe schützt.

In diesem Zusammenhang betonte Huber, dass Bayern auch für eine generelle Debatte über den Schutzstatus des Wolfes offen sei. «Der Fortbestand der Art ist ja Ziel, es erscheint mir, dass der Arterhalt gegeben ist, aber nicht in jedem einzelnen Landkreis.»

Im Umgang mit den Wölfen sei der Schutz von Weidetieren auf Almen eine besondere Herausforderung. Hier sei ein Schutz durch Zäune nicht möglich. Bislang wurde im Alpenbereich zwar noch kein Wolf gesichtet, es müsse aber mit «durchziehenden Wölfen gerechnet werden», so das Ministerium.

Weitere News

Das könnte Sie auch interessieren

SessionId: 6c8ce67a-4800-4f11-95f2-60c8cf54d7fd Device-Id: 3149 Authentication: