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Kriminalitätsbelastung auf niedrigstem Stand seit 40 Jahren

09.03.2020 - Bayern rühmt sich gerne als sicherstes Bundesland. Und tatsächlich stimmt die neue Kriminalstatistik den Innenminister sehr zufrieden. Aus mehreren Gründen.

  • Gestellte Szene einer Festnahme durch die Polizei. Foto: Carsten Rehder/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Gestellte Szene einer Festnahme durch die Polizei. Foto: Carsten Rehder/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

In Bayern gibt es - umgerechnet auf die Einwohnerzahl - so wenig Straftaten wie zuletzt im Jahr 1979. Insgesamt registrierten die Behörden, ausländerrechtliche Delikte ausgenommen, 4343 Straftaten pro 100 000 Einwohner. Das geht aus der neuen polizeilichen Kriminalstatistik für das Jahr 2019 hervor, die Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Montag in München vorlegte. Das ist der geringste Wert seit 40 Jahren.

Im Vergleich zum Jahr 2018 ging die Zahl der registrierten Straftaten um 4,4 Prozent auf 567 961 zurück. Die Aufklärungsquote stieg im gleichen Zeitraum um 0,5 Prozentpunkte auf 65 Prozent - der höchste Wert seit 25 Jahren. Herrmann: «Das ist ein phänomenales Ergebnis.»

Eine Zunahme verzeichnete die Polizei unter anderem im Bereich der Cyberkriminalität und bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung - letzteres unter anderem wegen einem dicken Plus bei der Verbreitung pornografischer Schriften vor allem via Internet und WhatsApp. Rückgänge gab es nach Worten Herrmanns bei Diebstählen, Sachbeschädigungen und sogenannten Rohheitsdelikten. Zentrale Details aus der neuen polizeilichen Kriminalitätsstatistik im Überblick:

TATVERDÄCHTIGE: Die Polizei registrierte im vergangenen Jahr 259 884 Tatverdächtige. Davon waren 92 246 Nichtdeutsche. Deren Anteil blieb mit 35,5 Prozent konstant - obwohl sie lediglich einen Anteil von rund 13,2 Prozent an der bayerischen Bevölkerung haben. Der Anteil tatverdächtiger Zuwanderer sank leicht auf 10,3 Prozent.

GEWALTKRIMINALITÄT: Hier verzeichnete die Polizei einen Rückgang um vier Prozent auf 19 953 Fälle, vor allem gefährliche und schwere Körperverletzungen. Darunter waren 3561 Delikte mit einem Zuwanderer als Tatverdächtigen - wobei bei diesen Taten nach Worten Herrmanns zum Großteil auch Zuwanderer unter den Opfern waren. Insgesamt sind in der Kriminalstatistik 529 Straftaten gegen das Leben erfasst - die Aufklärungsquote lag bei diesen Taten insgesamt bei 90,4 Prozent.

RAUSCHGIFT: 55 888 Rauschgiftdelikte wurden im vergangenen Jahr erfasst, 1,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Herrmann verwies darauf, dass Cannabis nach wie vor die meist konsumierte Droge in Bayern sei. Sorge bereiten den Behörden aber insbesondere hohe Zuwächse bei Delikten mit sogenannten neuen psychoaktiven Stoffen.

DIEBSTAHL: Die Zahl der Diebstahlsdelikte ging um 7,1 Prozent auf 144 886 zurück. Herrmann sagte, besonders erfreulich sei der deutliche Rückgang bei den Wohnungseinbrüchen: Hier ging die Zahl um 17,1 Prozent auf 4342 Wohnungseinbrüche zurück. Das sei der niedrigste Wert seit neun Jahren. Und fast die Hälfte davon sei im Versuchsstadium stecken geblieben, berichtete der Innenminister. Die Aufklärungsquote stieg allerdings nur minimal auf 21,8 Prozent.

BETRUG, VERMÖGENS- UND FÄLSCHUNGSDELIKTE: Mit 110 598 Delikten machten diese rund ein Fünftel aller erfassten Straftaten im Freistaat aus - wobei die Zahl im vergangenen Jahr um 7,2 Prozent zurückging. Beim Betrug mit «falschen Polizeibeamten» und sogenannten «Enkeltrick»-Betrügern stiegen zwar die Fallzahlen, der entstandene Schaden ging allerdings in beiden Bereichen zurück.

SEXUALDELIKTE: Die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung stieg um 4,9 Prozent auf 9050 Fälle. Bei der Verbreitung pornografischer Schriften etwa übers Internet oder WhatsApp verzeichneten die Behörden einen Anstieg um satte 53,2 Prozent. Herrmann erklärte, durch unkontrolliertes Teilen solcher Beiträge in virtuellen Gruppen, auch unter Schülern, würden schnell hohe Zahlen generiert. Das Ganze sei ein ernstzunehmendes Problem. Deshalb habe man hierzu auch eine bayernweite Aufklärungskampagne angestoßen.

INTERNETKRIMINALITÄT: Die Zahl von Straftaten, bei denen das Internet «Tatmittel» war, stieg um 12,4 Prozent auf 29 717. Der Gesamtschaden lag bei 18,9 Millionen Euro - wobei Herrmann sagte, die Dunkelziffer und der tatsächlich entstandene Schaden dürften deutlich höher sein.

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