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Mikroplastik & Klimawandel: 20 Jahre Forschen auf Zugspitze

08.11.2019 - Wetterextreme, schmelzende Gletscher - in den Alpen zeigt sich der Klimawandel so stark wie kaum anderswo. Auch das macht die Forschung an der Umweltforschungsstation auf der Zugspitze besonders bedeutsam. Sie ist aber nicht nur dafür ein wichtiger Standort.

  • Ein Mann geht über die verschneite Dachterasse von der Zugspitze. Foto: Angelika Warmuth/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Mann geht über die verschneite Dachterasse von der Zugspitze. Foto: Angelika Warmuth/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Grainau (dpa/lby) - Mikroplastik in der Luft, Pollenflug, und ganz vorne der Klimawandel: Die Palette der wissenschaftlichen Untersuchungen an Deutschlands höchster Umweltforschungsstation Schneefernerhaus (UFS) auf der 2962 Meter hohen Zugspitze ist breit. Die Höhenlage mit sauberer Luft und wenigen Wolken bietet auch gute Bedingungen, um die Atmosphäre zu erkunden.

Die Station solle in den nächsten Jahren zu einem «internationalen Klimathermometer» werden, kündigte Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) am Freitag anlässlich eines Besuchs zum 20-jährigen Bestehen der Station an. «Wir müssen den Klimawandel verstehen, um die richtigen Maßnahmen zu ergreifen.»

Die Umweltforschungsstation spiele dabei eine besondere Rolle. In den Alpen sehe man den Klimawandel wie unter einem Brennglas. «Die Alpen sind damit ein Mikro-Labor zur Erforschung des Klimawandels und seiner Auswirkungen auf Mensch und Natur.»

Auf dem Schneefernerhaus untersuchen mehrere Forschungseinrichtungen unter anderem Prozesse, die Wetter und Klima beeinflussen, aber auch umweltmedizinische Fragen. Zehn Institute haben dort feste Plätze, sie arbeiten vernetzt zusammen und tauschen Daten aus. Aber auch andere Einrichtungen können die Station nutzen.

Die Wissenschaftler beobachten etwa den abtauenden Permafrost und messen den Pollenflug in der Höhe. Gerade neu gestartet ist ein Projekt, das Mikroplastik in Schnee und Eis untersucht und der Frage nachgeht, wie viel Mikroplastik über die Luft transportiert wird.

Derzeit wird an der Station Deutschlands höchster Drohnenstartplatz eingerichtet. «Wir wollen mittelfristig Drohnen zu Forschungszwecken einsetzen», sagte Markus Neumann, Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft. Die Drohnen könnten unter anderem Partikel in der Luft messen, etwa wenn Staub aus der Sahara heran weht.

Investiert werden soll auch in den Messstandort «Gipfelkamm». Auf dem Kamm knapp 200 Meter oberhalb des Hauses solle eine Messstation errichtet werden», sagt Neumann. «Der Vorteil ist, dass sie dort eine Beinahe-Rundumsicht von 270-Grad hat. Und wir sind dort weiter von Störeinflüssen entfernt, etwa vom Skibetrieb.» Beispielsweise sollen von dort optische Geräte in den Himmel gerichtet werden, um die Erdatmosphäre zu untersuchen.

Zudem soll die Station selbst energetisch saniert werden. Schon jetzt wird die Abwärme von wissenschaftlichen Geräten als Energiequelle für die zentrale Wärmepumpenanlage genutzt. Die Wissenschaftler arbeiten im Schneefernerhaus auf neun Stockwerken mit 1200 Quadratmetern.

Die Arbeit auf rund 2650 Metern Höhe bedeutet für sie wie auch für das Team der Betriebsgesellschaft eine besondere Herausforderung: Klirrender Frost und Stürme, niedriger Luftdruck, aber auch eine teils hohe UV-Einstrahlung bringen eine besondere Belastung.

Die Staatsregierung hat seit 2005 die Station mit gut zehn Millionen Euro gefördert. Für die Realisierung von Forschungs- und Infrastrukturprojekten seien weitere 3,3 Millionen Euro im Doppelhaushalt 2019/2020 vorgesehen. Das Observatorium sei in Europa einzigartig, deshalb sei auch die EU gefordert. Der Freistaat werde sich in Brüssel für neue Mittel einsetzen.

Das Schneefernerhaus ist Partner des «Virtuellen Alpenobservatoriums (VAO)», einem Verbund von europäischen Höhenforschungsstationen unter anderem in der Schweiz, Österreich, Italien und Frankreich.

Ihren Namen hat die Forschungsstation vom nahen Schneeferner, einem der letzten bayerischen Gletscher. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts reichte er noch bis auf 2400 Meter hinunter. Heute bedeckt das ewige Eis im Zugspitzmassiv nur noch knappe 40 Hektar Fläche.

In den Alpen ist der Klimawandel besonders stark messbar. Die Temperaturen stiegen dort in den vergangenen rund 100 Jahren mit zwei Grad doppelt so stark wie im globalen Durchschnitt.

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