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Nach Streit um Kreuz-Erlass: Söder kündigt runden Tisch an

17.05.2018 - Mit seinem Kreuz-Erlass für bayerische Behörden hat Markus Söder bundesweit Schlagzeilen gemacht und Kritik auch aus den Kirchen geerntet. Nun lädt er zu einem runden Tisch ein. «Besser spät als nie», meint ein prominenter Kirchenvertreter.

  • Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern. Foto: Peter Kneffel © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern. Foto: Peter Kneffel © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

München (dpa/lby) - Nach dem Wirbel um die neue Kreuz-Pflicht in bayerischen Behörden plant Ministerpräsident Markus Söder (CSU) einen runden Tisch zu Werten, Kultur und Identität des Landes. «Natürlich haben wir eine klare Haltung, aber wir sind offen für das Gespräch», sagte Söder der Deutschen Presse-Agentur in München. «Das soll mit einem großen runden Tisch erfolgen, der sich über einen längeren Zeitraum austauscht.»

Dazu einladen will Söder Vertreter der beiden großen Kirchen; er denkt aber auch an Vertreter anderer Religionsgemeinschaften, etwa der jüdischen Gemeinden, sowie an Vertreter aus der Wissenschaft, aus Brauchtum und Kultur: «Ausdrücklich soll es auch ein Gesprächsangebot an Kritiker sein.»

Von den beiden großen christlichen Kirchen will Söder möglicherweise mehrere Vertreter einladen. «Denn erkennbarerweise gibt es auch innerhalb der Kirchen unterschiedliche Strömungen», sagte er und erklärte: «Wir wollen die ganze Bandbreite der Kirchen abdecken.»

Die katholische Kirche reagierte überrascht auf die Ankündigung. «Es bleibt zu erwarten, wie sich der runde Tisch konstituieren soll», sagte am Donnerstag ein Sprecher des Münchner Erzbischofs Reinhard Marx. Grundsätzlich sei es gut, wenn man ins Gespräch komme. «Am besten geschieht das immer so früh wie möglich.»

Auch der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick kritisierte indirekt, dass Söders Gesprächsangebot erst jetzt kommt: «Auch hier gilt das Sprichwort: besser spät als nie», sagte Schick der «Augsburger Allgemeinen». Auf die Frage, ob Söders Schritt ausreiche, um das angespannte Verhältnis zwischen der CSU und der Kirche zu befrieden, sagte Schick: «Die Debatte über das Kreuz in der Öffentlichkeit hat viel Gutes. Sie macht nachdenklich, viele Menschen befassen sich mit dem Kreuz. Sie sollte aber sachlich und wohlwollend geführt werden.»

Auf Initiative Söders hatte das bayerische Kabinett kürzlich beschlossen, dass im Eingangsbereich jeder Behörde des Freistaats ein Kreuz aufgehängt werden soll. Dies war zum Teil - auch in Kirchenkreisen - als Instrumentalisierung des Kreuzes für Wahlkampfzwecke kritisiert worden. Kritik aus den Kirchen hatte Söder auch mit der Äußerung ausgelöst, das Kreuz sei «nicht ein Zeichen einer Religion», sondern ein «Bekenntnis zur Identität» und zur «kulturellen Prägung» Bayerns. Erst später hatte er noch einmal klargestellt, für ihn sei das Kreuz «in erster Linie ein religiöses Symbol», es gehöre «aber auch zu den Grundfesten des Staates».

Der runde Tisch soll nach den Pfingstferien, also im Juni, mit ungefähr 20 bis 30 Teilnehmern starten. «Es soll nicht zu groß sein, es soll aber auch nicht zu exklusiv sein», sagte Söder. Anschließend soll es voraussichtlich einzelne Gesprächskreise geben.

Ob dies das angespannte Verhältnis zwischen CSU und den Kirchen befrieden wird, bleibt abzuwarten, wie der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, der «Augsburger Allgemeinen» (Freitag) erklärte: «Vertrauen wächst erst aus dauerhafter Verlässlichkeit - dafür sind die Fristen noch viel zu kurz.»

Laut einer am Donnerstag veröffentlichten GMS-Umfrage im Auftrag von «17:30 Sat.1 Bayern» begrüßen 53 Prozent der Bayern den Kreuz-Erlass. 42 Prozent sind dagegen.