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Prozess gegen Taxifahrer wegen versuchten Mordes

14.09.2020 - Ein Streit um 6,50 Euro, ein wütender Taxifahrer - und ein schwer verletzter Fahrgast. In München ist ein Prozess um versuchten Mord neu aufgerollt worden. Der Fahrgast kann nur wenig zur Aufklärung beitragen. Der Grund: «die berühmte Freiluft-Watschn».

  • Ein Schild mit dem Schriftzug Taxi. Foto: Silas Stein/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Schild mit dem Schriftzug Taxi. Foto: Silas Stein/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der 57-jährige Angeklagte ist erkennbar wütend. Als er auf der Anklagebank Platz nimmt, zeigt er den Fotografen den Stinkefinger. Aussagen will er nicht. «Ich werde nur Deko sein hier.» Die Vorsitzende Richterin sieht das anders: «Deko ist der falsche Ausdruck. Sie sind die Hauptperson hier.»

Am Landgericht München I ist am Montag der Prozess gegen einen ehemaligen Münchner Taxifahrer wegen versuchten Mordes an einem Fahrgast neu aufgerollt worden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, im Jahr 2017 einen betrunkenen Kunden erst an- und dann überfahren zu haben, mit dem er zuvor um den Fahrpreis von 6,50 Euro gestritten hatte. Den Mann soll er auf der Straße liegen gelassen haben. Er wurde von einer Polizeistreife gefunden.

Eine andere Kammer des Landgerichtes hatte den Angeklagten im Oktober 2018 zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Den Vorwurf des versuchten Mordes sah das Gericht damals nicht belegt. Gegen dieses Urteil legte die Staatsanwaltschaft Revision ein, im September 2019 hob der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe das Urteil auf und verwies den Fall zur Neuverhandlung an das Landgericht zurück.

Aus Sicht des BGH hat das Gericht die Frage vernachlässigt, ob möglicherweise auch die Tatsache, dass der Taxifahrer seinen schwer verletzten Kunden auf der Straße liegen ließ, als versuchter Mord gewertet werden könne - selbst wenn das Überfahren ein Versehen gewesen sein sollte.

Der Mann hatte bei dem Vorfall noch Glück im Unglück. Allerdings wurde ihm das halbe linke Ohr abgerissen, er erlitt Platz- und Schürfwunden an Kopf und Beinen und brach sich die Schulter. Was genau an dem Abend im September 2017 geschah, kann er nicht mehr sagen. Der Grund: 10 bis 12 halbe Bier und - wie es die Vorsitzende Richterin ausdrückt - «die berühmte Freiluft-Watschn». Nach einem feucht-fröhlichen Abend mit einem Kumpel setzt seine Erinnerung beim Verlassen der Kneipe aus - und erst in der Notaufnahme wieder ein. Im Krankenhaus erfuhr er, was ihm passiert war. «Meine Freundin hat in der Zeitung gelesen, dass mein Ohr abgerissen ist.»

Der Angeklagte, der inzwischen nicht mehr als Taxifahrer arbeiten darf, schrieb ihm kurz nach der Tat einen Brief. Er wolle versuchen, «mich bei Ihnen aufrecht zu entschuldigen», stand darin. «Die Bilder sind entsetzlich. Ich kämpfe immer noch damit, dass ich das verursacht habe.» Für den neuen Prozess hat das Gericht sieben Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil könnte am 8. Oktober fallen.

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