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Oberrabbiner beleidigt: Beauftragter kritisiert Zeugen

12.07.2020 - Erneut wird in München ein Rabbiner auf der Straße beleidigt. Zeugen sollen den Zwischenfall gesehen und nichts unternommen haben. Wird genug für die Sicherheit der Juden getan?

  • Ludwig Spaenle steht im bayerischen Landtag. Foto: Peter Kneffel/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ludwig Spaenle steht im bayerischen Landtag. Foto: Peter Kneffel/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Nach der Beleidigung eines Rabbiners durch vier junge Männer in München hat Bayerns Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle mangelnde Zivilcourage kritisiert. «Was mich besonders betroffen macht, ist die Tatsache, dass auch Bürgerinnen und Bürger, die den Vorfall offensichtlich gesehen haben, dem Rabbiner nicht zur Hilfe geeilt sind oder die Polizei verständigt haben», erklärte der CSU-Politiker am Sonntag.

Der Münchner Gemeinderabbiner war nach Angaben der Polizei am Donnerstagabend von vier jungen Männern verfolgt worden, nachdem er - mit einer Kippa bekleidet - am Isartor aus einer Straßenbahn gestiegen war. Die Männer hätten dabei wiederholt abfällig über den Staat Israel gesprochen, nach Wahrnehmung des Verfolgten hätten sie miteinander arabisch gesprochen. Das Kommissariat für politisch motivierte Kriminalität des Münchner Polizeipräsidiums ermittelt wegen Beleidigung und sucht Zeugen.

Nach Angaben von Spaenle handelte es sich um den Oberrabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. «Wir dürfen nicht zulassen, dass Menschen jüdischen Glaubens zu Opfern von Beleidigung und tätlichen Übergriffen werden», sagte Spaenle. «Ein Übergriff auf Jüdinnen und Juden ist immer auch ein Übergriff auf die bundesdeutsche Gesellschaft.»

Die Orthodoxe Rabbinerkonferenz (ORD) in Deutschland forderte als Reaktion auf den Vorfall, den Dialog zwischen Juden und Muslimen weiter zu verstärken. «Dass ausgerechnet mutmaßlich muslimische Jugendliche einen Rabbiner beleidigen, ist besonders traurig, denn sie sind genauso Opfer einer wachsenden Islamophobie hierzulande», erklärte Rabbiner Avichai Apel aus Frankfurt für den ORD-Vorstand.

«Hier sehen wir die Imame und ihre Jugendarbeit in der Pflicht, um Vorbehalte und Aggressionen gegen die hier in Deutschland lebende jüdische Gemeinde abzubauen.» Die Rabbinerkonferenz betonte, dass nach dem Vorfall auch erneut geprüft werden müsse, «wie in Zukunft Rabbiner und insgesamt jüdische Mitbürger hierzulande besser geschützt werden können».

In den vergangenen Jahren gab es in Deutschland immer wieder Angriffe auf Juden, auch in München. So war im Sommer 2019 in der bayerischen Landeshauptstadt bereits einmal ein Rabbiner attackiert worden. Nach dem Besuch einer Synagoge waren er und seine beiden Söhne nach Angaben der Polizei beleidigt und einer der drei Männer bespuckt worden.

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