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High-Tech-Initiative: Das fälschungssichere Zeugnis

20.11.2019 - Ein gutes Zeugnis kann der Türöffner zum Traumjob sein - und deswegen werden Zeugnisse häufig gefälscht. Die Staatsregierung will dem einen elektronischen High-Tech-Riegel vorschieben.

  • Kabel in einem Serverschrank. Foto: Peter Endig/ZB/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Kabel in einem Serverschrank. Foto: Peter Endig/ZB/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

München (dpa/lby) - In einem elektronischen Vorzeigeprojekt testen Staatsregierung und Wirtschaft ab kommendem Jahr fälschungssichere Ausbildungszeugnisse. Die Industrie- und Handelskammer München und Oberbayern wird in Kooperation mit dem Digitalministerium im nächsten Frühjahr die ersten digitalen Ausbildungszeugnisse ausstellen. Arbeitgeber können künftig mit Hilfe eines elektronischen Schlüssels herausfinden, ob die Zeugnisse echt sind. Das kündigten Digitalministerin Judith Gerlach (CSU) und IHK-Präsident Eberhard Sasse am Mittwoch in München an.

Der Test hat potenziell große Bedeutung für die Zukunft: Wenn sich die Technologie bewährt, könnte der Freistaat in der Zukunft auch fälschungssichere Schul- und Hochschulzeugnisse ausstellen, wie Gerlach sagte. «Das wäre grundsätzlich die Idee.»

Technische Grundlage ist die Blockchain-Technologie. Blockchains sind große Datenbanken, die dezentral auf viele Rechner verteilt sind, jeder Teilnehmer hat im Prinzip die gleichen Zugriffsrechte. Um Dokumente zu manipulieren, müssten sämtliche Rechner gleichzeitig attackiert werden, was als äußerst schwierig gilt. Die Echtheit der Daten wird mit Hilfe eines elektronischen Schlüssels verifiziert, Hashwert genannt.

Konkret wird das bei der Überprüfung der Ausbildungszeugnisse so funktionieren, dass die Bewerber eine PDF-Datei ihres Zeugnisses samt elektronischem Schlüssel an den Arbeitgeber schicken. Dieser kann dann auf einer Webseite die Echtheit des Schlüssels überprüfen, eigene Software muss dafür nicht installiert werden. «Das ist ein digitaler Beglaubigungsstempel Made in Bavaria», sagte Gerlach dazu.

IHK-Präsident Eberhard Sasse nannte zwei Beispiele, um zu illustrieren, dass das Problem gefälschter Zeugnisse bei gering Qualifizierten ebenso wie bei Akademikern auftritt: Sicherheitsleute auf der Wiesn und hochstapelnde falsche Mediziner. «Münchhausen oder Dr. Eisenbart», sagte Sasse. «Allseitig beliebt bei den Patienten, doch es gibt Kollateralschäden.» Manchmal flögen solche Fälle erst nach Jahren auf. «Das wird in Zukunft alles nicht mehr funktionieren», sagte Sasse.

Bisher liegen die Hauptanwendungen von Blockchain in der Finanz- und Versicherungsbranche, bekanntestes Beispiel ist die Kryptowährung Bitcoin. Eine weitere Anwendung sind automatisierte Verträge, branchenüblich «smart contracts» genannt. Trifft bei einem Händler eine Ware ein, könnte der smarte Vertrag automatisch den vereinbarten Preis überweisen, ohne dass ein Mensch aktiv werden muss. «Wahnsinnig viele reden über Blockchain», sagte Gerlach. «Wir wagen jetzt den Sprung.»

Ein Kritikpunkt bei den auf Blockchain basierenden Kryptowährungen ist der immense Stromverbrauch, da dafür riesige Rechenkapazitäten benötigt werden. Nach Angaben der Fachleute von Ministerium und IHK wird die Zeugnis-Blockchain keinen Strom verschwenden, weil die Verifikation von Dokumenten ohne großes Computernetzwerk möglich ist.

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