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Vorwürfe gegen Piusheim: Mehr Betroffene melden sich

06.04.2020 - Der mutmaßliche Missbrauchsskandal um ein ehemaliges katholisches Kinder- und Jugendheim weitet sich womöglich aus. Bei der Opfer-Initiative «Eckiger Tisch» melden sich immer mehr ehemalige Bewohner.

  • Ein Kreuz ist auf einer Kirchturmspitze zu sehen. Foto: Friso Gentsch/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Kreuz ist auf einer Kirchturmspitze zu sehen. Foto: Friso Gentsch/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Nach Bekanntwerden massiver Missbrauchsvorwürfe gegen das ehemalige katholische Piusheim in Baiern bei München melden sich immer mehr Betroffene zu Wort. «Es haben sich beim «Eckigen Tisch» bis jetzt sieben Betroffene und Zeitzeugen gemeldet, offenbar aufgewühlt von der Nennung der Einrichtung kam die Erinnerung wieder. So schnell und in dem Umfang habe ich das nicht erwartet», sagte der Sprecher der Opfer-Initiative «Eckiger Tisch», Matthias Katsch am Montag. «Nach den Schilderungen, die mich erreichen, war das eine höllische Einrichtung.»

Die Vorwürfe gegen das ehemalige Heim, in dem bis 2006 schwer erziehbare Jungen im Alter zwischen sechs und 18 Jahren betreut wurden, waren am Sonntag öffentlich geworden. Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft München II Vorermittlungen eingeleitet, nachdem ein heute 56 Jahre alter Mann, der selbst wegen sexuellen Missbrauchs vor Gericht steht, berichtet hatte, er sei in seiner Zeit im Piusheim von mehreren Männern missbraucht worden. Er sprach auch von Prostitution. Das Erzbistum München und Freising wusste von neun Verdachtsfällen wegen Gewalt oder sexuellen Missbrauchs in der Einrichtung, von denen aber nur einer in die sogenannte MHG-Studie zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs aufgenommen wurde.

Katsch forderte das Bistum auf, den neuen Vorwürfen nachzugehen und sich vor allem um die mutmaßlichen Opfer zu kümmern. «Wir hoffen jetzt auf die baldige Einsetzung einer Untersuchungskommission, die die Vorwürfe untersucht und die Meldungen aufnimmt», sagte er.

Zu diesen Forderungen und der Frage, ob sich auch dort weitere mutmaßliche Betroffene gemeldet hätten, äußerte das Bistum sich auf Anfrage zunächst nicht. Ein Sprecher betonte aber, ehemalige Bewohner und mutmaßliche Opfer sollten sich an die beiden Missbrauchsbeauftragten des Bistums wenden.

Nach Bekanntwerden der neuen Vorwürfe war erneut Kritik an der kircheninternen Aufarbeitung des Missbrauchsskandals laut geworden. «Es ist beschämend, wie immer neue Fälle sexualisierter und auch spiritueller Gewalt gegenüber Kindern, Jugendlichen, Frauen und gar Ordensfrauen an die Öffentlichkeit kommen», sagte der Sprecher der Reformbewegung «Wir sind Kirche», Christian Weisner.

Es stelle sich die Frage, ob die katholische Kirche in Deutschland überhaupt in der Lage sei, ihre eigene Geschichte aufzuarbeiten - «oder ob es nicht notwendig ist, eine wirklich unabhängige Aufarbeitung durch Externe durchführen zu lassen, wie es in anderen Ländern wie Irland oder Australien geschehen ist».

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