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Wirecard hat Bilanzärger in Singapur: 2017 nicht testiert

20.11.2019 - Von Singapur aus lenkt der Dax-Konzern Wirecard seine Expansion in Ostasien. Doch eine Serie nicht abreißender Vorwürfe gegen die dortige Tochtergesellschaft verursacht Turbulenzen.

  • Umhängebändchen mit der Aufschrift «wirecard» liegen in einem Glasbehälter. Foto: Peter Kneffel/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Umhängebändchen mit der Aufschrift «wirecard» liegen in einem Glasbehälter. Foto: Peter Kneffel/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

München (dpa) - Der Zahlungsdienstleister Wirecard hat weiter Ärger mit Bilanzproblemen in Singapur: Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY hat der Tochtergesellschaft in dem südostasiatischen Inselstaat kein Testat für die Richtigkeit der Jahresbilanz 2017 ausgestellt. Das berichtete das «Handelsblatt» (Mittwoch) unter Verweis auf die Unternehmensaufsicht des Finanzministeriums in Singapur. Demnach konnten die Prüfer weder abschätzen, ob der örtliche Jahresabschluss korrekt war, noch, ob dieser korrigiert werden müsste. An der Frankfurter Börse ging die Wirecard-Aktie auf Talfahrt und büßte am Mittwochvormittag fast sechs Prozent ein.

Wirecard machte dafür in einer Stellungnahme die Ermittlungen der Singapurer Finanzaufsicht verantwortlich, die nach Bilanzfälschungsvorwürfen der Londoner «Financial Times» eingeleitet worden waren: «Aufgrund der Einschränkungen durch die Ermittlungen ... in Singapur waren Dokumente teilweise nicht zugänglich, so dass sich der lokale Prüfer auf Basis geltendem lokalen Rechnungslegungsstandard kein abschließendes Prüfungsurteil bilden konnte.»

Der Konzernabschluss ist davon laut Wirecard nicht betroffen. «Für die Wirecard-Gruppe ist der Konzernabschluss nach IFRS maßgebend» - IFRS ist ein internationaler Rechnungslegungsstandard. «Dieser wurde für die Geschäftsjahre 2017 und 2018 von Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geprüft und uneingeschränkt testiert», hieß es weiter. Die Einschränkungen der Einzelprüfung in Singapur seien für die Prüfung des Konzernabschlusses nicht relevant. Sämtliche Veröffentlichungspflichten seien ordnungsgemäß eingehalten worden.

Laut «Handelsblatt» bemängelten die Prüfer in Singapur auch, dass sie «keine ausreichende Erklärung für bestimmte Buchhaltungsunterlagen und Transaktionen erhalten» hätten. Wirecard betonte daraufhin, das fehlende Testat sei nicht auf Unregelmäßigkeiten zurückzuführen, sondern auf die Beschränkungen.

Singapur ist der wichtigste Standort von Wirecard im Fernen Osten. Die «Financial Times» hatte mit dem Vorwurf gravierender Unregelmäßigkeiten mehrfach den Börsenkurs des rasant wachsenden Unternehmens zum Absturz gebracht und Ermittlungen mehrerer Behörden ausgelöst. In Singapur wird ermittelt, ob Wirecard gegen Rechtsvorschriften verstieß. In Deutschland prüfen Staatsanwaltschaft München und die Finanzaufsicht Bafin den Verdacht, dass es sich um organisierte Attacken von Börsenspekulanten handelte.

Wirecard hatte im Frühjahr eingeräumt, dass einige Zahlungsvorgänge in Singapur falsch verbucht worden waren, aber in deutlich geringerem Umfang, als von der «Financial Times» vorgeworfen.

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