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BVG-Bilanz: Keine schnelle Lösung für Verkehrsprobleme

22.01.2019 - Nach Kritik aus der Politik ist die Aufregung bei den Berliner Verkehrsbetrieben groß. Die Chefin gibt Probleme zu, diese seien aber erklärbar und nicht so dramatisch wie oft dargestellt.

  • BVG-Vorstandsvorsitzende Sigrid Nikutta und BVG-Buschef Torsten Mareck im Rahmen einer Testfahrt in einem elektrischen Bus. Foto: Jörg Carstensen © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    BVG-Vorstandsvorsitzende Sigrid Nikutta und BVG-Buschef Torsten Mareck im Rahmen einer Testfahrt in einem elektrischen Bus. Foto: Jörg Carstensen © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Berlin (dpa/bb) - Auf Pendlerstrecken im öffentlichen Nahverkehr Berlins bleibt die Lage vorerst angespannt. Die Vorstandschefin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Sigrid Nikutta, nannte einen Mangel an Fahrzeugen und Personal bei steigender Fahrgastzahl und dichterem Straßenverkehr als Gründe für überfüllte Busse und U-Bahnen auf einigen Linien. Vor Auftritten bei den Abgeordnetenhausfraktionen von SPD und Grünen am Dienstag verteidigte sie sich gegen Kritik auch von Regierungschef Michael Müller (SPD).

Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit seien nicht so schlecht, wie es manchmal dargestellt werde, sagte Nikutta. Die Summe der Fahrten von Passagieren sei 2018 um 3,2 Prozent auf 1,1 Milliarden gestiegen. Bei den Investitionen in neue Busse, Trams und U-Bahnen sei man auf einem guten Weg. Die meisten neuen Fahrzeuge verstärkten die Flotten aber erst in einigen Jahren.

Im vergangenen Jahr waren nach BVG-Angaben 98,4 Prozent der U-Bahnen pünktlich, 0,4 Prozentpunkte weniger als 2017 - noch immer «ein ordentliches Niveau», meinte Nikutta. Auch bei der Straßenbahn (minus 0,9 Punkte auf 90,1 Prozent) und beim Omnibus (minus 0,4 Punkte auf 86,8 Prozent) ging die Quote zurück. Bis zu einer Verspätung von dreieinhalb Minuten gelten Busse und Bahnen bei der BVG noch als pünktlich.

Die Ausfallquote - das heißt der Anteil der planmäßigen Fahrten, die wegfielen - stieg bei den U-Bahnen im Vergleich von 2017 und 2018 von 1,3 auf 2,0 Prozent, bei den Bussen von 0,6 auf 1,5 Prozent und bei den Straßenbahnen von 1,0 auf 3,1 Prozent.

Der Regierende Bürgermeister Müller hatte am Samstag davon gesprochen, die Fahrgäste seien «pappsatt». Es mehrten «sich die Rückmeldungen, dass viele Dinge schlecht organisiert sind». Nikutta entgegnete, sie nehme das nicht persönlich: «Ich freue mich über diese Aufmerksamkeit. Das dient der Sache, das hilft dem ÖPNV.»

Nikutta sagte, die BVG wolle in diesem Jahr 1100 Mitarbeiter einstellen. Ende 2018 habe man 6670 Fahrer beschäftigt, 143 mehr als eigentlich geplant waren. Dies sei nötig gewesen, weil der Krankenstand deutlich über Plan gelegen habe.

Der Personalrat hatte am Montag eine Personalknappheit beklagt. Zwar versuche das Unternehmen gegenzusteuern. Jedoch seien die Einkommen der Beschäftigten vergleichsweise gering, so dass sich viele einen anderen Job suchten, sagte der BVG-Personalrat für den Bereich Straßenbahn, Frank Kulicke.

Im vorigen Jahr mussten nach Angaben der BVG 28 Prozent der Baumaßnahmen bei der Straßenbahn verschoben werden, weil Baufirmen nicht mehr so leicht zu bekommen seien. Das habe dazu geführt, dass Dienstpläne reihenweise geändert werden mussten, mit den entsprechenden Unregelmäßigkeiten im Betrieb.

Als problematisch beschrieb Nikutta auch den gewachsenen Verkehr in der Metropole. Dadurch seien häufiger Straßenbahnschienen durch Autos blockiert. Die Durchschnittsgeschwindigkeit von Bussen und Trams sei gesunken. Um die gleiche Zahl von Passagieren zu befördern, müssten deshalb mehr Fahrzeuge eingesetzt werden.

Die BVG leide derzeit unter «extremen Wachstumsschmerzen». 2018 habe man das geplante Wachstum der Verkehrsleistung nur zu einem Drittel geschafft. «Wir hatten uns im vorigen Jahr zu viel vorgenommen», räumte die BVG-Chefin ein. Dennoch habe die U-Bahn mit dem bestehenden Fuhrpark ihre «Leistung deutlich gesteigert».

Die wachsende Stadt Berlin sei noch nicht sehr lange ein Thema. «Vor wenigen Jahren wurde noch über eine Reduzierung diskutiert», sagte Nikutta. Deshalb werden die Mehrzahl der bestellten Fahrzeuge erste ab Beginn der 2020er Jahre geliefert. Bei der U-Bahn sollen ab 2023 jährlich 136 bis 138 neue Wagen in Dienst gestellt werden. «Wir versuchen, dauerhaft und kontinuierlich zu investieren», ergänzte die BVG-Vorstandschefin.

Die Grünen-Fraktion sprach nach dem Treffen mit Nikutta am Dienstag von einem «sehr positiven Austausch», den man weiterführen wolle. Der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Torsten Schneider, betonte nach dem Gespräch mit BVG-Belegschaftsvertretern und Nikutta: «In unserem Befund sehen wir uns bestätigt.»

Am Wochenende hatte es einen heftigen Schlagabtausch zwischen der SPD und Grünen wegen der Probleme bei der BVG gegeben. Senatorin Regine Günther (parteilos/für die Grünen) ist für das Ressort Verkehr in Berlin zuständig. Die SPD sieht Günther, aber auch die BVG in der Pflicht. Die Grünen halten dagegen, dass die SPD für die Verkehrspolitik in der Vergangenheit verantwortlich gewesen ist und der Zustand des Nahverkehrs eine Folge sei. Müller war als Senator für Stadtentwicklung von 2011 bis 2014 für die Verkehrspolitik zuständig.

Das Ganze wirkte offensichtlich noch nach. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) teilte am Dienstag mit: «Ich erwarte, dass es nicht nur bei markigen Sprüchen bleibt, sondern dass die SPD bereit ist, mit uns gemeinsam den ÖPNV deutlich zu stärken.»

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