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Bartgeier in Freiheit: Vom Tierpark nach Südfrankreich

18.06.2020 - Zoo und Tierpark in Berlin sind keine Einbahnstraße. Für internationale Zuchtprogramme werden Jungtiere ausgewildert - durchaus erfolgreich, wie ein aktuelles Beispiel zeigt.

  • Ein Bartgeier sitzt in seiner Anlage im Berliner Zoo. Foto: Monika Skolimowska/zb/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Bartgeier sitzt in seiner Anlage im Berliner Zoo. Foto: Monika Skolimowska/zb/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Berliner Tierpark hat zwei jungen Bartgeiern aus eigener Zucht in den südfranzösischen Cevennen die Freiheit geschenkt. Die Jungtiere Fario und Dolomie, die Mitte März geschlüpft waren, gehören zu einem internationalen Auswilderungsprogramm, das die Vogelart in Europa wieder heimisch werden lassen soll. Der majestätische Greifvogel war hier im vergangenen Jahrhundert vom Menschen ausgerottet worden.

Rund 20 Jungtiere aus eigener Zucht hat Berlin seit 1988 in den Alpen, im spanischen Andalusien und in den Cevennen ausgewildert. «Alle leben noch», sagt Zoo- und Tierparksprecherin Philine Hachmeister. Jeder Berliner Bartgeier habe einen Ring mit einer individuellen Nummer und einen GPS-Transmitter.

Die bis zu sieben Kilo schweren Greifvögel mit einer Flügelspannweite von bis zu drei Metern lieben das Gebirge mit tiefen Schluchten. Ihre Horste legen sie oberhalb der Baumgrenze in Felsnischen an. Früher hießen sie Lämmergeier - und das kostete vielen von ihnen das Leben. Tatsächlich reißen Bartgeier aber keine Lämmer oder andere lebendige Tiere. Sie ernähren sich hauptsächlich von Knochen bereits verendeter Huftiere. Sie sorgen mit dafür, dass Kadaver schnell aus der Landschaft verschwinden. Damit tragen sie als «Hygienepolizei» mit dazu bei, dass sich Krankheiten weniger ausbreiten.

In Zoos können Bartgeier bis zu 50 Jahre alt werden; in freier Wildbahn fehlt damit noch die Erfahrung. Aber Nachwuchs ist kein Kinderspiel: Bei der ersten erfolgreichen Brut sind die Altvögel schon fast zehn Jahre alt - und sie ziehen nur alle ein bis drei Jahre ein Jungtier groß. Im Auswilderungsprogramm hat es bereits erfolgreiche Aufzucht gegeben.

Fast hätte die Corona-Pandemie die Reise der beiden Berliner Bartgeier wegen geschlossener Grenzen verhindert - denn für die Auswilderung gibt es nur ein enges Zeitfenster. «Sie müssen jung genug und noch flugunfähig sein, um diesen Ort als ihr Zuhause anzuerkennen», erklärt Katharina Herrmann, Artenschutzkoordinatorin von Zoo und Tierpark Berlin. «Aber sie müssen auch alt genug sein, um nicht mehr auf das Füttern durch die Eltern angewiesen zu sein.» Die Jungen sind dann meist 90 Tage alt.

Gerade noch rechtzeitig sind die Berliner Greifvögel zusammen mit zwei anderen Artgenossen aus europäischen Einrichtungen zu ihren künftigen Brutstätten in Südfrankreich gebracht worden. «Es wird nun in den nächsten ein bis zwei Wochen der große Moment kommen, in dem Fario und Dolomie zum ersten Mal ihre riesigen Flügel aufspannen und sich von ihren Felsen schwingen werden», schildert Zoo- und Tierpark-Direktor Andreas Knieriem die weiteren Schritte der Auswilderung. Den richtigen Augenblick wählten die Jungvögel selbst.

Innerhalb der vergangenen 30 Jahre wurden mehr als 300 Bartgeier in Europa ausgewildert; allein 20 Brutpaare leben in den europäischen Alpen. Wo die Berliner Tiere gerade sind, wissen Zoo und Tierpark genau. So sei Bartgeier Lucky im Mai aus seiner neuen Heimat in Österreich zu einer Europareise gestartet, berichtet Hachmeister. Sie führte ihn bisher nach Slowenien, Tschechien, Belgien, Frankreich und in die Niederlande - samt Meerblick. Seine nördlichste Station in Deutschland war bisher der Harz.

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