Berlin erhält Fahrradklima-Sonderpreis

16.03.2021 Pop-up-Radwege, Poller gegen Autos oder verkehrsberuhigte Zonen: Laut einer Umfrage hat der Berliner Senat zuletzt viel für ein besseres Radfahr-Klima getan. Doch wirklich sicher fühlen sich die Menschen in der Hauptstadt auf dem Rad demnach noch nicht.

Eine Fahrradfahrerin fährt auf dem geschützten Radfahrstreifen entlang der Hasenheide. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Berlin hat laut einer Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) seit Beginn der Corona-Pandemie besonders viel für den Radverkehr getan. Das ist ein Ergebnis der Online-Erhebung für den Fahrradklima-Test des ADFC, der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Daraus geht allerdings auch hervor, dass sich ein Großteil der Befragten nach wie vor unsicher beim Radeln im Berliner Großstadtverkehr fühlt.

Die mehr als 5600 Berliner Teilnehmer der Umfrage gaben an, dass es in der Pandemie handfeste Signale für mehr Fahrradfreundlichkeit gegeben habe - etwa durch verkehrsberuhigte Zonen, Poller gegen Autos oder temporäre Radspuren, sogenannte Pop-up-Streifen. Die Bürger und Bürgerinnen in der Hauptstadt nahmen positiv wahr, dass ihrer Meinung nach in den Medien deutlich mehr über das Fahrrad berichtet wurde - und dass sich Politiker verstärkt für das Thema engagierten.

Doch die Bemühungen des Senats reichen aus Sicht des ADFC nicht aus. «Berliner Radfahrende sehen jüngst Verbesserungen für den Radverkehr, fühlen sich im Verkehr jedoch nach wie vor mehrheitlich gefährdet und gestresst», sagte das Berliner ADFC-Vorstandsmitglied, Frank Masurat, am Dienstag. Mehr als 80 Prozent der Befragten fühlten sich im Hauptstadtverkehr auf dem Rad nach wie vor nicht sicher.

Sie bemängeln demnach unter anderem zu schmale Radwege und dass sie sich von Autos auf der gemeinsamen Fahrbahn bedrängt fühlten. Die Befragten kritisierten außerdem, dass gegen auf Radwegen parkende Autofahrer nicht konsequent genug vorgegangen werde.

Im Gesamtranking der Städte des ADFC kletterte Berlin zwar vom zwölften auf den neunten Platz. Doch die Gesamtbewertung sei nach wie vor schlecht, hieß es.

Der Fahrradklima-Test ist nicht repräsentativ, gilt aber als Stimmungsbarometer. 230 000 Teilnehmer haben dafür im Herbst 2020 die Fahrradfreundlichkeit ihrer Stadt bewertet. Bei den Fragen ging es vor allem um das Sicherheitsgefühl der Radler, um Konflikte mit Fußgängern oder Autofahrern oder um die Qualität von Radwegen.

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