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Berlin wartet auf Lockerungen

20.04.2020 - Mehr als 5000 Infizierte und knapp 100 Tote: Dabei wird es in der Corona-Krise nicht bleiben, macht Berlins Gesundheitssenatorin deutlich. Wie viele Lockerungen wird die Hauptstadt angesichts der andauernden Pandemie zulassen?

  • Kalayci (SPD), Gesundheitssenatorin, besichtigt den Baufortschritt des Corona-Behandlungszentrums. Foto: Kay Nietfeld/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Kalayci (SPD), Gesundheitssenatorin, besichtigt den Baufortschritt des Corona-Behandlungszentrums. Foto: Kay Nietfeld/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Strategie zur Corona-Eindämmung ist laut Berlins Gesundheitssenatorin aufgegangen, sie warnt aber eindringlich vor Rückschlägen. Es gebe nach einem «Kraftakt für die gesamte Stadt» noch keinen Grund zur Entwarnung, sagte Dilek Kalayci (SPD) am Montag im Gesundheitsausschuss des Abgeordnetenhauses. Passe man nicht auf, stiegen die Zahlen schneller wieder an als man gucken könne. In der Pandemie sei man «mitnichten über den Berg», Lockerungen würden daher schrittweise angestrebt. Ein Überblick zur Corona-Lage, bevor am Dienstag in der Senatssitzung Beschlüsse gefasst werden sollen:

FALLZAHLEN: Im Vergleich zum Bundesschnitt steht Berlin laut Kalayci bisher in vielen Punkten besser da, das sei aber eine Momentaufnahme. Positiv getestet wurden bisher 5225 Menschen, 94 Infizierte starben. Die Reproduktionszahl liegt Kalayci zufolge in Berlin derzeit bei 0,6 - bundesweit bei 0,8. Das bedeutet, dass ein Infizierter weniger als einen anderen Menschen ansteckt. Wichtig sei, dass diese Zahl langfristig unter 1 bleibe, so die Senatorin.

1,8 Prozent der erfassten Infizierten sind in Berlin bisher gestorben, wie die Senatorin ausführte. Im Bundesschnitt seien es 3,1 Prozent. Dies liege aber auch daran, dass sich in der Hauptstadt zunächst vor allem jüngere Menschen ansteckten. Der Altersschnitt aller Fälle liegt in Berlin bei 42 Jahren, bundesweit bei 50. Es kämen inzwischen aber immer mehr Ältere hinzu, so Kalayci. Erwartet werde eine steigende Verstorbenenquote auch in Berlin. Nachdem das Virus zu Beginn des Ausbruchs etwa häufig in Clubs übertragen wurde, fehlten inzwischen Daten zu Ausbruchsherden.

SCHUTZAUSRÜSTUNG: Diese wird in Berlin in enormen Größenordnungen benötigt, wie Staatssekretär Martin Matz (SPD) auflistete. Man mache zwar Fortschritte, aber Grund zur Entwarnung gebe es auch hier nicht. Von dem Bedarf in Berlin für drei Monate - etwa 21 Millionen OP-Masken, 6,4 Millionen Masken der Schutzstufen FFP2 und FFP3 und 8 Millionen Schutzkittel - wurden bisher zwar schon große Mengen beschafft, aber unter dem Strich doch nur Bruchteile.

TESTEN: In Berlin können derzeit knapp 50 000 Tests pro Woche durchgeführt werden - das reiche momentan aus, so Kalayci. Die acht Untersuchungsstellen an Kliniken hätten bisher 10 000 Tests vorgenommen, davon seien acht Prozent positiv gewesen. Ein Drive-in für Corona-Tests soll laut Kalayci auch im Bezirk Mitte entstehen. Der Festplatz solle zum Testplatz werden. Nach Plänen des Bezirks sollen dort bestimmte Kontaktpersonen von Infizierten - mit Termin - getestet werden. Am Samstag war bekannt geworden, dass das Bezirksamt Neukölln vor dem Estrel-Hotel einen Drive-in aufbauen will.

VORBEUGUNG: Um schwerwiegende Ausbrüche mit vielen Toten in Pflegeheimen und Krankenhäusern wie in manch anderen Bundesländern zu vermeiden, soll in Berlin ein Schwerpunkt auf Tests bei medizinischem Personal und auch in der Pflege liegen, so die Senatorin. Bei Pflegekräften sei ab nächster Woche eine repräsentative Testung geplant. Einbezogen werden sollen Mitarbeiter aus dem stationären und ambulanten Bereich. In Krankenhäusern, Pflegeheimen und beim Rettungsdienst seien bisher 514 Beschäftigte betroffen. 36 Pflegeheim-Bewohner seien gestorben. Im Vergleich zum Bund seien die Berliner Zahlen noch im Rahmen, sagte Kalayci.

KRANKENHÄUSER: Die Kliniken hätten derzeit 500 freie Intensivbetten, teils gebe es «Leerlauf», so Kalayci. Die Kapazitäten würden aber gebraucht: Wenn man nun Maßnahmen lockere, müsse man auch mit einer höheren Inanspruchnahme des Gesundheitssystems rechnen. Wegen der finanziellen Belastungen seien in drei Wochen rund 64 Millionen Euro in Berliner Krankenhäuser geflossen, davon rund elf Millionen für den Aufbau von Intensivbetten, so Kalayci. Trotz dieser Unterstützung durch ein Bundesgesetz sei es aber sehr wahrscheinlich, dass es nicht dabei bleiben könne.

ANDERE KRANKE: Krankenhäuser seien auch für alle nicht an Covid-19 erkrankten Patienten sicher, betonte die Senatorin. Es dürfe nicht sein, dass Menschen aus Furcht vor einer Corona-Ansteckung den Besuch beim Arzt oder in der Notaufnahme scheuten. Mit Blick auf die niedergelassene Versorgung sagte Kalayci, die Kassenärztliche Vereinigung wolle ein Netz aus 18 Schwerpunktpraxen einrichten, die sich Corona-Patienten annähmen. Vier solcher Praxen gebe es bereits.

PFLEGEKRÄFTE: In der Debatte um Verbesserungen der Krankenhausfinanzierung und Bonuszahlungen für Pflegekräfte sprach sich Kalayci für eine bundeseinheitliche Lösung aus. Am Dienstag tage dazu eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe.

KRITIK: Unzufrieden zeigte sich besonders der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Florian Kluckert. Er warf Wirtschaftssenatorin Ramona Pop, Verkehrssenatorin Regine Günther (beide Grüne) und Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) Versäumnisse vor: Der Einzelhandel, der öffentliche Nahverkehr und die Schulen seien unzureichend für die Zeit nach Lockerungen vorbereitet.

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