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Müller würdigt Mut der DDR-Bürger bei Wende und Mauerfall

08.11.2019 - Der Mauerfall jährt sich zum 30. Mal und der Blick zurück löst nicht nur Freude aus. Berlins Regierungschef lobt die Zivilcourage der DDR-Bürger 1989. Gleichzeitig räumt er Fehler ein.

  • Jubelnde Menschen auf der Berliner Mauer am Brandenburger Tor. Foto: Wolfgang Kumm/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Jubelnde Menschen auf der Berliner Mauer am Brandenburger Tor. Foto: Wolfgang Kumm/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Berlin (dpa/bb) - 30 Jahre nach dem Mauerfall hat Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) an den Mut und die Entschlossenheit der DDR-Bürger im Wendeherbst erinnert. Sie hätten 1989 mit ihren Rufen nach Freiheit, Demokratie und freien Wahlen die Mauer immer mehr ins Wanken gebracht und sie schließlich gesprengt, sagte der SPD-Politiker am Freitag bei einer Feierstunde im Abgeordnetenhaus.

«Mit ihrem Mut brach die Macht derer, die sie seit 40 Jahren missbrauchten», so Müller. «Mit ihrem Mut brachten sie die Diktatur zu Fall. Was für eine unglaubliche Leistung und was für ein großes Glück.» All diesen Menschen gebühre Anerkennung und Respekt.

Zum Mauerfall-Jubiläum gehöre aber auch, eine kritische Bilanz der vergangenen 30 Jahre zu ziehen. «Manche Entscheidungen hätten im Rückblick vielleicht auch mit etwas mehr Ruhe getroffen werden können. So allein bei den Zeugnissen unserer Geschichte, bei den Mauerstücken oder auch beim Umgang mit dem Palast der Republik.» Der war zugunsten eines Neubaus des Stadtschlosses abgerissen worden.

Der Präsident des Abgeordnetenhauses, Ralf Wieland, würdigte ebenfalls das Wirken der DDR-Bürgerrechtler. «Diese Menschen strebten nach Reformen in der DDR, wurden von der Stasi verfolgt, landeten nicht selten im Gefängnis», sagte der SPD-Politiker. «Sie haben das Verdorbene der Diktatur veranschaulicht, und mit ihrem Vorbild brachten sie viele Menschen zum Nachdenken und Umdenken.» Deutschland und Berlin hätten diesen Menschen wie auch den Kirchen, die ihnen ein schützendes Dach gaben, viel zu verdanken.

Wieland ging auch auf die Rolle des damaligen sowjetischen Staatschefs Michail Gorbatschow bei der friedlichen Revolution und dem Mauerfall ein. «Dass es am Ende kein Blutvergießen und keine Todesopfer gab, anders als am 17. Juni 1953, hatte vor allem einen Grund, so ehrlich müssen wir sein: Die sowjetischen Panzer blieben in den Kasernen», sagte er. «Michail Gorbatschow hat mit diesem Entschluss nicht nur Deutschland, nein er hat ganz Europa eine neue Zukunftschance gegeben. Wir werden deshalb diesem Mann, wir werden Michail Gorbatschow für immer dankbar sein.»

Müller bedauerte, dass es drei Jahrzehnte nach Öffnung der Grenzen noch immer Vorbehalte zwischen West- und Ostdeutschen gebe. «Es ist an der Zeit, endlich den Blick auf das Gemeinsame zu richten. Auf das, was in den letzten 30 Jahren alles gemeinsam geschaffen wurde, wie wir zusammengewachsen sind und wie wir Solidarität und Gemeinsinn weiter stärken», betonte er. «Wir müssen miteinander sprechen.»

Denn: «Wir dürfen die Erzählungen nicht denen überlassen, die von diesen Trennlinien profitieren und sie für sich nutzen, um den Keil weiter in die Gesellschaft hineinzutreiben - die Spalter und Demagogen von heute, die aus Zerrbildern und Ängsten ihre Kraft schöpfen», so Müller. «Die eine andere Gesellschaft anstreben. Eine Gesellschaft der Unfreiheit, der Ungleichheit und der geistigen Enge. Eine Gesellschaft, die in die Isolation führt und eine der sozialen Kälte.»

Die Präsidentin der ersten und letzten frei gewählten DDR-Volkskammer, Sabine Bergmann-Pohl, sagte in ihrer Festrede, im Einigungsprozess nach dem Mauerfall seien Fehler gemacht worden. «Die Ostdeutschen mussten nach der Wiedervereinigung durch ein tiefes Tal der Tränen gehen. Und ihre vielleicht zu hohen Erwartungen wurden enttäuscht.» Trotzdem sei die große Mehrheit heute mit ihrem Leben zufrieden. «Gegenseitige Vorwürfe bringen uns nicht weiter», so Bergmann-Pohl. Die Menschen in Deutschland müssten gemeinsam neue Herausforderungen wie den Klimawandel angehen.

Berlins CDU-Chef Kai Wegner erklärte zum Mauerfall-Jubiläum: «Der 9. November 1989 ist ein Tag der großen Freude, zugleich aber auch ein Tag der Verpflichtung, Freiheit und Demokratie zu verteidigen.»

Anlässlich des historischen Ereignisses am 9. November 1989 läuft in Berlin eine Festwoche mit unterschiedlichsten Veranstaltungen und Kunstaktionen. Am Jahrestag selbst, dem Samstag, steht unter anderem eine zentrale Gedenkfeier an der Mauergedenkstätte Bernauer Straße mit den Spitzen des deutschen Staates und internationalen Gästen auf dem Programm. Am Abend ist am Brandenburger Tor ein großes Konzert geplant.

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