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Boxen nach Neustart uneins: Hinter Mauern oder Open Air?

14.06.2020 - Das Boxen ist nach knapp drei Monaten zurück. Der Berliner Agon-Stall prescht vor - ohne Zuschauer. Erleichterung ist da, Zufriedenheit nicht. Denn es geht auch ums Geschäft. Aber welcher Weg ist der beste?

  • Jack Culcay steht in Ausgangsstellung neben einem Boxsack. Foto: Axel Heimken/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Jack Culcay steht in Ausgangsstellung neben einem Boxsack. Foto: Axel Heimken/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Hinter Mauern und verschlossenen Türen ist Europas Wiedereinstieg im Boxen gelungen, der Neustart machte jedoch ein Problem deutlich. In Hallen, Gyms und Studios sind unter Corona-Beschränkungen auf längere Sicht keine Zuschauer erlaubt. Open Air, so die Spekulationen der deutschen Promoter, wird es in absehbarer Zeit unter Einhaltung der Hygieneregeln vermutlich möglich sein, Publikum einzulassen. Dabei setzen die Boxer große Hoffnungen auf den Fußball als Vorreiter, weil er allmählich seine Stadien füllen will. Deshalb werden Veranstaltungen in Autokinos und Freilichtbühnen geplant.

Der Berliner Agon-Stall machte es zunächst indoor. Nach dem geteilten Europa-Einstieg der Boxer am Freitagabend in den Berliner Havelstudios - zeitgleich veranstaltete auch ein polnischer Promoter in einem niederschlesischen Dorfhotel - erfasst wieder Optimismus das Lager der finanziell gebeutelten Boxer. «Es war wichtig, endlich wieder kämpfen zu können», betonte Ex-Weltmeister Jack Culcay.

Agon hatte vom Gesundheitsamt Charlottenburg-Wilmersdorf grünes Licht für sein Konzept mit sieben Kämpfen erhalten. «Organisatorisch und vom Ablauf war es super», lobte Manager Horst-Peter Strickrodt die Veranstaltung. «Nur dass zwei unserer Boxer verloren haben, war nicht ganz so schön.»

Es gab keine Verstöße gegen das Konzept. Die Boxer waren schon im Vorfeld zweimal auf das Coronavirus getestet worden; Trainer, Betreuer und Ringrichter verzichteten auf einen Mundschutz - was sie durften. Selbst Polizei und LKA, die sich zur Kontrolle einfanden, seien laut Strickrodt zufrieden gewesen.

Auch die Bilanz von Thomas Pütz, Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB), fiel positiv aus: «Das war eine Initialzündung für Europa», resümierte er den ersten Kampfabend nach knapp dreimonatiger Corona-Pause. «Boxen hat wieder eine Duftmarke gesetzt. Darauf haben viele Promoter gewartet.» Auch wenn die Kämpfe via Internet übertragen wurden, so blieb die Atmosphäre im Studio steril. «Ohne Publikum ist Boxen etwas ganz Anderes», sagte Pütz. «Boxfans wollen Teil des Spektakels sein. Ohne Zuschauer ist es nicht das, was Fans befriedigt.»

Culcay verteidigte seinen internationalen WBO-Titel im Halbmittelgewicht erfolgreich, hatte im Kampf gegen den Franzosen Howard Cospolite aber energischen Widerstand zu brechen. Jetzt will der Ex-Weltmeister Sauerland-Boxer Abass Baraou vor die Fäuste bekommen. «Es geht darum, wer die Nummer eins in Deutschland ist», sagte der 34-jährige Culcay. Der neun Jahre jüngere Berliner Baraou ist eines der größten deutschen Talente.

Der Agon-Stall will am 28. August erneut in den Havelstudios veranstalten. Die Organisatoren glauben, dann Publikum unterbringen zu dürfen. «Wir planen mit 300 bis 400 Zuschauern», verriet Strickrodt. Denn auf Dauer können die Boxer, denen schon die TV-Sender verlustig gegangen sind, ohne Ticketeinnahmen nicht leben. Vom Auftritt in den Havelstudios sind nur Rote Zahlen geblieben.

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