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Brandenburg gegen alternative Bestattungen

15.09.2019 - Die Verwendung von Totenasche für Erinnerungsgegenstände wie Diamanten oder die Urnenbeisetzung auf privatem Grund ist in Deutschland verboten. Kirchen und kommunale Friedhofsbetreiber wollen, dass das so bleibt.

  • Eine biologisch abbaubare Urne steht auf einem Mustergrab im Friedwald bei Nuthetal. Foto: Bernd Settnik/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eine biologisch abbaubare Urne steht auf einem Mustergrab im Friedwald bei Nuthetal. Foto: Bernd Settnik/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Potsdam (dpa/bb) - An dem im Vorjahr geänderten Brandenburgischen Bestattungsgesetz lässt Raymund Stelzer kein gutes Haar. «Die Politiker haben nicht verstanden, dass immer mehr Menschen eine Bestattung in ihrer privaten Umgebung wünschen und nicht auf dem Friedhof», sagt der Chef der Märkischen Feuerbestattungen, der als einziger in Brandenburg Baumbestattungen auf eigenem Grund anbietet. Erlaubt sind in der Mark aber nur Erdbestattungen.

Erstmals in Deutschland wollte es die rot-rote Landesregierung Angehörigen ermöglichen, aus Totenasche Erinnerungsstücke fertigen zu lassen. Mit knapper Mehrheit beschloss der Landtag jedoch, dass die gesamte Asche beigesetzt werden muss. Auch wer die Möglichkeit vermittelt, die sterblichen Überreste der Beisetzung ganz oder teilweise zu entziehen, aus ihr Erinnerungsgegenstände herstellt oder dies auch nur vermittelt, begeht laut neuem Bestattungsgesetz eine Ordnungswidrigkeit.

Bei Stelzers Bestattungen wird der Verstorbene in einem tschechischen Krematorium eingeäschert. Die Asche wird in die Erde einer Pflanze eingebracht, die die Angehörigen später erhalten. Ähnliche Bestattungen werden auch in anderen Bundesländern angeboten.

Zwar wird derzeit in den Landtagen von Mecklenburg-Vorpommern und in Bayern über Änderungen des Bestattungsrechts debattiert, eine Abkehr von der Friedhofspflicht ist dabei jedoch nicht in Sicht. Torsten Schmitt vom Verein Aeternitas kann das nicht verstehen. «Die Politiker beugen sich dem Druck von Kirchen, Steinmetzen und Gemeinden, die an den Beisetzungen verdienen.»

Angesichts steigender Gebühren deutet sich nach Ansicht Schmitts, der bei den Landtagsberatungen in Potsdam und Schwerin als Sachverständiger geladen war, an, dass sich eine alternative Bestattungskultur durchsetzen wird und die Urne über kurz oder lang auch im Privatbereich aufbewahrt werden kann. Immerhin gestattet Bremen als bislang einziges Bundesland, dass Totenasche auf privatem Grund verstreut werden kann.

Auch der Obermeister der Bestattungs-Innung in Berlin und Brandenburg, Rüdiger Kußerow, kritisiert die märkische Regelung. «In Berlin dürfen Erinnerungsgegenstände aus Totenasche verkauft werden, in Brandenburg ist das verboten», sagt der Chef einer Bestattungsfirma. «Ich höre jeden zweiten Tag den Wunsch von Kunden, die die Urne mit nach Hause nehmen wollen.»

Er halte zwar an der Beerdigung auf Friedhöfen fest, sagt Kußerow. «In Ausnahmefällen sollte es aber möglich sein, dass die Totenasche geteilt werden kann und Urnen auf privatem Gelände beigesetzt werden können.» Ohnehin wünschten nur ganz wenige Kunden Erinnerungsgegenstände. Er habe in Berlin in 20 Jahren nur zwei Diamanten aus der Asche Verstorbener verkauft.

In einer Anfrage wollte der Grünen-Abgeordnete Axel Vogel kürzlich erfahren, wie die Brandenburger Landesregierung gegen Werbeanzeigen von Bestattern vorgeht, die im Widerspruch zum Bestattungsgesetz stehen. Dabei nannte Vogel auch Stelzers Unternehmen. Das Potsdamer Innenministerium stellte klar, ein Verzicht auf eine Bestattung der gesamten Totenasche oder auch nur Teilen davon außerhalb des Friedhofs sei in Brandenburg eine Ordnungswidrigkeit. Dafür dürfe auch nicht geworben werden.

Stelzer findet es «merkwürdig», dass gerade ein Grünen-Politiker ihn aufs Korn nimmt. Er habe Werbeanzeigen in mehreren Amtsblättern und einer Wochenzeitung geschaltet und werde das auch künftig tun. Mit seinem Unternehmen in Tschechien verhalte er sich gesetzeskonform. «Da soll mir erst mal jemand einen Rechtsverstoß nachweisen.»

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