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Bundespräsident ruft zum «gesamtdeutschen Wir» auf

21.01.2020 - Potsdam (dpa/bb) - Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat dazu aufgerufen, die Schicksale nach der deutschen Einheit stärker zu würdigen. «Vielleicht haben wir zu schnell ad acta gelegt, was in den Jahren nach 1990 als fundamentaler sozialer Umbruch in Ostdeutschland, aber eben auch als grundlegender Wandel der alten Bundesrepublik zu verdauen war», sagte Steinmeier bei der Gedenkfeier für den gestorbenen früheren Brandenburger Ministerpräsidenten Manfred Stolpe am Dienstag in Potsdam. «Die ostdeutschen Geschichten sind noch immer kein so selbstverständlicher Teil unseres gesamtdeutschen Wir geworden. Wir können es im 30. Jahr der Einheit als ein Vermächtnis von Manfred Stolpe begreifen, genau dies zu ändern.»

  • Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht in der Kirche St. Nikolai. Foto: Soeren Stache/POOL-dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht in der Kirche St. Nikolai. Foto: Soeren Stache/POOL-dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Stolpe war Ende Dezember im Alter von 83 Jahren nach langer Krankheit gestorben. Der Bundespräsident würdigte ihn als Ostdeutschen, der den Ostdeutschen Mut gemacht und der Westdeutschland verstanden habe. Man habe ihm ab Mitte der 1990er Jahre, als er mit absoluter Mehrheit regierte, halb ironisch, halb respektvoll einen «Präsidenten Ost» genannt. Er sei rasch eine politische Persönlichkeit von überragender Bedeutung für die innere Einheit Deutschlands geworden.

«Wir trauern um einen Brückenbauer, einen Meister des Dialogs, um einen Freund», sagte Steinmeier. Er ging auch auf die Zeit von Stolpe als Jurist in der Evangelischen Kirche in der DDR ein. «Dass Manfred Stolpe geholfen hat, dass er die Zulassung zu Abitur und Studium, die Abwendung von Haft und Repressalien, auch die Erlassung einer Einberufung zur Volksarmee bewirken konnte, das alles ist vielfach bezeugt. Zu welchem Preis er dieses getan hat, darüber wurde gestritten.» Er sagte auch, ein Untersuchungsausschuss, die Auswertung von Akten, Gerichtsurteile und die Kirche selbst seien zu dem Ergebnis gekommen, dass Stolpe ein Mann der Kirche gewesen sei.

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