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Corona-Ausbruch: Ermittlungen gegen Ex-Leitung von Klinik

15.06.2020 - Im März häuften sich im Potsdamer Klinikum Ernst von Bergmann Corona-Infektionen bei Patienten und Mitarbeitern. 47 Patienten starben. Nun hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Verantwortliche in der Klinik aufgenommen. Der Verdacht wiegt schwer.

  • Der Eingangsbereich des Ernst von Bergmann Klinikums ist zu sehen. Foto: Fabian Sommer/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Der Eingangsbereich des Ernst von Bergmann Klinikums ist zu sehen. Foto: Fabian Sommer/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Nach dem schweren Corona-Ausbruch im Potsdamer Klinikum Ernst von Bergmann im März hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen drei leitende Ärzte und die damalige Geschäftsführung aufgenommen. Ermittelt werde gegen die fünf Beschuldigten wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung, teilte die Behörde am Montag mit. In den Ermittlungsverfahren werde auch geprüft, ob sich die Mediziner auch wegen eines Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz strafbar gemacht haben.

Die beiden seit April beurlaubten Geschäftsführer stünden im Verdacht, schon im Vorfeld des Corona-Ausbruchs und auch danach entsprechende organisatorische Maßnahmen nicht oder nicht rechtzeitig ergriffen zu haben, erklärte die Staatsanwaltschaft. Zudem hätten sie es versäumt, bei dem Management des Ausbruchs Experten in die Einsatzleitung des städtischen Krankenhauses mit einzubeziehen.

Den drei beschuldigten Ärzten werde vorgeworfen, Covid-19-Erkrankungen oder Verdachtsfälle nicht oder verspätet an das Gesundheitsamt gemeldet zu haben. Dadurch sei es der Behörde nicht möglich gewesen, Rückschlüsse auf die epidemiologische Lage in der Klinik zu ziehen und entsprechende Maßnahmen anzuordnen, «wodurch möglicherweise Infektionen oder gar der Tod von Patienten hätte verhindert werden können», teilte die Staatsanwaltschaft mit.

In dem größten Potsdamer Krankenhaus hatten sich im März Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2 bei Patienten und Mitarbeitern gehäuft. Von Ende Januar bis Ende April waren 140 Patienten und 208 Mitarbeiter positiv auf Covid-19 getestet worden. 47 Corona-Patienten starben in der Klinik. Nach einer Untersuchung hatten Experten des Robert-Koch-Instituts unter anderem kritisiert, dass Umzüge ganzer Stationen die Virusübertragung begünstigt haben könnten. Der Oberbürgermeister hatte daraufhin die bisherigen Geschäftsführer beurlaubt und neue eingesetzt. Anfang Juni hatten diese auch den Ärztlichen Direktor der Klinik ausgetauscht.

«Die Staatsanwaltschaft wird jetzt die Frage der Verantwortung klären und bewerten», betonte Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD). «Es geht nicht um eine pauschale Verurteilung des Krankenhauses und der Mitarbeitenden.» In dem Klinikum sei in den vergangenen Wochen hart daran gearbeitet worden, das Vertrauen der Menschen zurück zu gewinnen. «Die Stadt wird mit ihrem Klinikum weiter daran arbeiten, die medizinische Versorgung in der Region auf hohem Niveau abzusichern.»

In einer Mitteilung erklärte die Klinikumsleitung, sie werde die Staatsanwaltschaft bei der Aufklärung des Sachverhalts umfassend unterstützen. Die Entscheidung über die Aufnahme eines Ermittlungsverfahrens sei jedoch keine Vorentscheidung über die Frage einer Anklageerhebung, hieß es in der Mitteilung. «Insofern sind die Arbeitsverhältnisse von der Aufnahme eines Ermittlungsverfahrens nicht unmittelbar betroffen.»

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz hatte Mitte April Strafanzeige gegen das Klinikum gestellt. Für die Patienten sei die Aufnahme der Ermittlungen «richtig und wichtig», sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch am Montag. «Schließlich können so Schadenersatzforderungen leichter durchgesetzt werden.» Es sei zu vermuten, dass sich Patienten im Klinikum infiziert hätten und einige auch an Covid-19 gestorben seien. «Daher muss strafrechtlich geklärt werden, ob die Dimension des Ausbruchs oder der Tod von Patienten hätte verhindert werden können», sagte Brysch.

Für die Klinik galt wochenlang ein Aufnahmestopp von Patienten mit Ausnahme von Notfällen. Anfang Mai kündigte die neue Geschäftsführung an, dass das Schwerpunktkrankenhaus nach umfangreichen Umbauten und strukturellen Veränderungen bis Juli wieder in den Regelbetrieb zurückgeführt werden soll. Die Zahl der Betten werde allerdings um rund ein Drittel auf etwa 600 sinken. Die Klinik ist für die medizinische Versorgung von etwa einer halben Million Menschen in Potsdam und der umliegenden Region zuständig.

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