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Corona verschärft Situation in Brandenburger Frauenhäusern

22.11.2020 - Es kommen Frauen in höchster Not. Sie brauchen Hilfe angesichts physischer und psychischer Gewalt des Ehepartners oder des Lebensgefährten. In Frauenhäusern sollen sie zur Ruhe kommen und Kraft für weitere Entscheidungen treffen.

  • Eine Frau sitzt in einem Frauenhaus auf einem Bett. Foto: Maja Hitij/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eine Frau sitzt in einem Frauenhaus auf einem Bett. Foto: Maja Hitij/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Brandenburger Frauenhäuser als Zufluchtsstätten für Gewaltopfer stehen nach Angaben des Netzwerkes Brandenburger Frauenhäuser unter großem finanziellen Druck. «Das vom Land und den Kommunen bereit gestellte Geld reicht nicht für eine bedarfsgerechte und verlässliche Finanzierung», sagte Lina Schwarz von der Koordinierungsstelle auf Anfrage. Der Andrang der Betroffenen ist da - Angaben zur Zahl werden aber nicht veröffentlicht.

Am kommenden Mittwoch ist der Internationale Tag gegen Gewalt gegen Frauen.

«Gewalt gegen Frauen ist wie in Vor-Corona-Zeiten sehr präsent», sagte Schwarz. Anfang des ersten und zweiten Lockdowns sei beobachtet worden, dass eher weniger Frauen kamen. «Das führen wir darauf zurück, dass die Frauen kaum Möglichkeiten hatten, Kontakt aufzunehmen, und allein mit einem gewalttätigen Partner waren», sagte sie. Jetzt nehme der Bedarf wieder zu.

Laut Polizeistatistik wurden von März bis Juli 22 Prozent mehr Delikte häuslicher Gewalt registriert als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Insgesamt 1840 Vorgänge wurden nach Polizeiangaben im Kontext «Häusliche Gewalt» erfasst - 332 Fälle mehr als im Vorjahreszeitraum.

Nach Angaben des Sozialministeriums wurde die Förderung der Frauenhäuser auf rund 2 Millionen Euro Jahr erhöht. Damit konnte in jedem Frauenhaus eine zusätzliche Personalstelle ermöglich werden, so für die Kinderbetreuung, sagte Sprecher Gabriel Hesse. Erstempfänger der Landesförderung seien die Landkreise und kreisfreien Städte. Im kommenden Jahr solle eine Frauenhausförderrichtlinie die bestehenden Fördergrundsätze ablösen, kündigte er an. Sie sei auf regionalspezifische Strukturen und den Bedarf vor Ort ausgerichtet. Zudem sollen Anreize geschaffen werden, langfristig die Platzvorgaben der Istanbul Konvention zur Verhütung von Gewalt gegen Frauen zu erfüllen.

Laut der Konvention seien in Brandenburg entsprechend der Bevölkerungszahl 251 Familienplätze erforderlich, sagte Schwarz. Bislang stünden in 22 Frauenhäusern und zwei Schutzwohnungen erst 127 und damit zu wenige bereit. Aus ihrer Sicht reichen die bereit stehenden Mittel nicht für weitere.

Der Aufenthalt - er könne von einem Tag bis zu einem Jahr dauern - bedeute für die Betroffenen teilweise auch, Schulden zu machen, da sie ein Nutzungsentgelt zahlen müssten, sagte Schwarz. Pro Tag seien es für eine Frau zwischen 6 und 12,50 Euro, für ein Kind 1 bis 4 Euro.

«Frauen, die ein Frauenhaus aufsuchen, haben schwere physische, psychische und sexualisierte Gewalt erlebt», sagte Schwarz. Viele müssten sich neu orientieren. Mitarbeiterinnen der Frauenhäuser unterstützten bei Behördengängen, bei der Suche nach einer neuen Arbeit oder Wohnung.

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