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Coronavirus-Ausbruch: Potsdamer Klinikspitze wird beurlaubt

23.04.2020 - Seit März sind Dutzende Menschen am größten Potsdamer Krankenhaus infiziert, fast 40 Corona-Patienten sind bisher gestorben. Potsdam ist der Corona-Hotspot in Brandenburg. Nun greift die Stadt durch.

  • Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert steht mit Mundschutz auf einer Straße. Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert steht mit Mundschutz auf einer Straße. Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Ausbruch des Coronavirus am größten Potsdamer Krankenhaus, dem Klinikum Ernst von Bergmann, hat personelle Konsequenzen. Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) entschied nach eigenen Angaben, die beiden Geschäftsführer Steffen Grebner und Dorothea Fischer vorerst zu beurlauben. Das gelte bis zur abschließenden Bewertung, ob jenseits der vom Robert Koch-Institut benannten Mängel weitere organisatorische und hygienische Defizite den Ausbruch und die Verbreitung des Coronavirus begünstigt hätten, sagte Schubert am Donnerstag. Die Beurlaubung gelte ab kommendem Samstag für ein halbes Jahr. Fischer bleibe aber Chefärztin der Frauenklinik. Eine unabhängige Kommission soll die Krise aufarbeiten.

Seit Mitte März hatten sich Corona-Infektionen in dem Klinikum gehäuft, das rund eine halbe Million Menschen versorgt. Experten des RKI kamen zu Hilfe und kritisierten unter anderem, dass Umzüge ganzer Stationen die Virusübertragung begünstigt haben könnten. Bisher starben 39 Covid-19-Patienten in der Klinik. Seit 1. April gilt ein Aufnahmestopp für neue Patienten außer für Notfälle. Die Staatsanwaltschaft Potsdam prüft, ob sich drei leitende Ärzte und die Geschäftsführer strafbar gemacht haben - dabei geht es um Meldepflichten. Sie untersucht auch eine Strafanzeige der Deutschen Stiftung Patientenschutz gegen die Geschäftsführung und Ärzte des Klinikums zum Verdacht des Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz und der fahrlässigen Tötung.

Alles müsse getan werden, «damit das Klinikum Ernst von Bergmann als Maximalversorger wieder ans Netz gehen kann», sagte der Oberbürgermeister. Die Geschäftsführer hätten zugesagt, einen Zwischenbericht zum Virusausbruch wie von der Landesregierung gefordert bis Freitag vorzulegen. «Dies ist eine Grundlage, um wieder Patienten aufnehmen zu können», sagte Schubert.

Zweite Voraussetzung sei ein Konzept zur Wiederaufnahme, für das die künftigen kommissarischen Geschäftsführer Hans-Ulrich Schmidt und Tim Steckel sowie Berater von Kienbaum bis Ende kommender Woche einen Vorschlag machen wollten. Potsdams Linksfraktionschef Stefan Wollenberg sagte, er habe sich die Beurlaubung schon vergangene Woche gewünscht.

Am vergangenen Wochenende hatte die Geschäftsführung erstmals Fehler eingeräumt. Eine unabhängige Expertenkommission soll nun Hintergründe untersuchen - unter Leitung von Brandenburgs Ex-Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke) als Teil einer Doppelspitze. Der Marburger Bund Berlin/Brandenburg hält eine umfängliche Aufklärung für nötig. «Jetzt gibt es die Chance, durch externe Gutachter aufzuklären, wie es zu dieser Situation kommen konnte und auch mehr Transparenz in das Verfahren zu bringen», sagte Geschäftsführer Reiner Felsberg.

Der künftige kommissarische Geschäftsführer Schmidt sagte: «Wir haben nach wie vor Covid-Befall und -Infektionen überall.» Er leitet das Lausitz Klinikum Forst, das mehrheitlich von der Klinikgruppe Ernst von Bergmann betrieben wird. Steckel, kaufmännischer Direktor des Bergmann-Klinikums, zeigte sich zuversichtlich: «Wir wollen zügig, wenn wir es dürfen, wieder hochfahren.» Die Klinik soll in drei Bereiche aufgeteilt werden: in weiß als coronafreie Stationen, in grau mit Verdachtsfällen und in schwarz für Infizierte.

Die Mitarbeiter des Klinikums sollen nach einem Vorstoß der drei Stadtverordnetenfraktionen SPD, Linke und Grüne besser bezahlt werden. Laut Vorschlag sollen zum 1. Juni die Arbeitsbedingungen des Tarifvertrags des öffentlichen Dienstes gelten - für alle Beschäftigten klinischer Bereiche wie für Tochterunternehmen mit der Stadt als alleiniger Gesellschafterin. Auch eine Einsatzprämie für besondere Arbeitsbedingungen während der Corona-Pandemie von 500 Euro soll gezahlt werden. Der Vorschlag soll von den drei Fraktionen am 6. Mai beschlossen werden, sie haben im Stadtparlament eine Mehrheit. Derzeit bestehen nach Angaben der Gewerkschaft Verdi in der Bergmann-Klinikgruppe Haustarifverträge unterschiedlicher Qualität.

Bei der Klinikgruppe Ernst von Bergmann arbeiten knapp 4500 Beschäftigte, etwa 2300 Mitarbeiter im Klinikbereich, weitere 2200 Beschäftigte in neun Tochtergesellschaften. Das Klinikum erwirtschaftete auf Konzernebene 2018 Umsatzerlöse von rund 295,3 Millionen Euro und einen Konzernjahresüberschuss von 887 000 Euro.

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