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Eine von drei Corona-Ampeln auf Rot

25.05.2020 - Berlin hat kürzlich ein komplexes Ampelsystem für die Bewertung der Corona-Lage eingeführt. Bisher waren alle drei Ampeln auf Grün. Jetzt hat sich das geändert. Was bedeutet das?

  • Dilek Kalayci (SPD), Gesundheitssenatorin von Berlin, besichtigt mit einem Mundschutz im Gesicht ein Corona-Behandlungszentrum. Foto: Michael Kappeler/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Dilek Kalayci (SPD), Gesundheitssenatorin von Berlin, besichtigt mit einem Mundschutz im Gesicht ein Corona-Behandlungszentrum. Foto: Michael Kappeler/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Eine von drei sogenannten Corona-Ampeln zur Bewertung der Lage in Berlin ist von Grün auf Rot gesprungen. Die Reproduktionszahl (R) sei auf einen «recht hohen Wert» von 1,37 gestiegen und liege damit zum dritten Mal in Folge über dem kritischen Wert von 1,2, sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Montag im Gesundheitsausschuss des Abgeordnetenhauses. «Das kann tatsächlich ein Indiz dafür sein, ob es einen Trendwechsel gibt.» Die beiden weiteren Ampeln - für Neuinfektionen und Intensivbettenkapazität - seien aber derzeit deutlich vom Sprung auf Gelb oder Rot entfernt.

Dem neuen Ampelsystem zufolge besteht bei zwei roten Ampeln Handlungsbedarf, es könnten dann zum Beispiel wieder mehr Maßnahmen zur Eindämmung des neuen Virus verhängt werden. Bei zwei gelben Ampeln sieht die Politik Beratungsbedarf. Für jeden Indikator wurden Werte festgelegt, ab wann die Ampel auf Gelb beziehungsweise Rot springt. Mit einem aktuellen Wert von etwa 5 Corona-Fällen pro 100 000 Einwohner liegt die Neuinfektions-Ampel momentan deutlich unter der Schwelle für Gelb (20 oder mehr) oder Rot (30 oder mehr). Ebenso bei der Auslastung der Intensivbetten mit Covid-19-Patienten: Dieser Wert liegt laut Kalayci bei 4,6 Prozent - für Gelb müssten es mindestens 15 Prozent sein, für Rot mindestens 25 Prozent.

Der vom Robert Koch-Institut (RKI) geschätzte R-Wert müsse in den nächsten Tagen beobachtet werden, um zu klären, ob er sich in dieser Höhe verfestige oder ob es sich um eine statistische Schwankung handele, erläuterte die Senatorin. Der R-Wert zeigt an, wie viele Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Er bezieht sich auf Infektionen vor 8 bis 13 Tagen. Bleibt der Wert länger stabil über 1, besteht die Gefahr eines wieder exponentiellen Anstiegs der Fallzahlen.

Bis Montagmittag gab es in Berlin 6651 bestätigte Corona-Fälle, wie aus der Statistik der Senatsverwaltung für Gesundheit hervorgeht. Innerhalb von 24 Stunden wurden demnach zehn neue Infektionen registriert. Insgesamt 191 Infizierte sind gestorben. Im Krankenhaus werden derzeit 177 Corona-Patienten behandelt, 60 von ihnen intensivmedizinisch.

Berlin dürfe sich auf den derzeit niedrigen Infektionszahlen nicht ausruhen, mahnte Kalayci. Experten rechneten mit einer zweiten Welle. Es sei davon auszugehen, dass mit einer Zunahme der Kontakte - auch durch die Lockerungen - die Infektionszahlen wieder steigen könnten. Kritisch äußerte sich die SPD-Politikerin zu den in Thüringen angekündigten weitreichenden Lockerungen der Corona-Beschränkungen: «Ich kann nur sagen: Vorsicht, die Pandemie ist noch nicht vorbei.» Sie halte nach wie vor einen Mindestabstand von 1,5 Metern, das Masken-Tragen und die Kontaktbeschränkungen für erforderlich.

Besondere Infektions-Hotspots wie in manch anderen Bundesländern seien in Berlin derzeit nicht bekannt, sagte die Senatorin. Bei einer zweiten Welle werde eher die Gefahr gesehen, dass es in der Breite losgehe. Mit Ausnahme eines Flüchtlingsheims, wo vergangene Woche ein Ausbruch bekannt wurde, sei die Lage in diesen Unterkünften ruhig. Sie würden engmaschig überwacht, ebenso Kliniken und Pflegeheime.

Angesichts der Debatten über das neue Reservekrankenhaus auf dem Messegelände forderte der SPD-Abgeordnete Thomas Isenberg den Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf auf, «in die Puschen zu kommen», eine Begehung durchzuführen und die Betriebsgenehmigung zu erteilen.

Für die befürchtete Zunahme häuslicher Gewalt durch die Anti-Corona-Maßnahmen gibt es derweil Anhaltspunkte, aber noch wenig Belege durch Zahlen, wie bei einer Anhörung von Mitarbeitern der Innen- und Justizverwaltung im Gesundheitsausschuss deutlich wurde. Für einen Eingang in die Statistik könnte es noch zu früh sein - ein Teil der Taten bleibt nach Experten-Einschätzung aber auch im Verborgenen.

Ein Mitarbeiter der Justizverwaltung schilderte, dass die Gewaltschutzambulanz der Charité einen erhöhten Anteil schwer verletzter Opfer verzeichne. Er liege nun bei 90 Prozent, normal seien es etwa 60 Prozent. Vermutet werde, dass sich weniger Leichtverletzte aus eigenem Antrieb vorstellen. Absolute Zahlen dazu wurden nicht genannt.

Die Plätze in Frauenhäusern und zwei eigens angemieteten Hotels waren in den vergangenen Wochen zu etwa zwei Dritteln belegt, wie Staatssekretärin Barbara König (SPD) sagte. Die sogenannte Big-Hotline, die Hilfe bei häuslicher Gewalt gegen Frauen und ihre Kinder bietet, verzeichne einen leichten Anstieg, das sei aber noch kein großer Anlass zur Sorge.

Kalayci sagte, die moderaten Zahlen seien keine Beruhigung. Viele Fälle häuslicher Gewalt blieben im Dunkeln, nur ein Teil der Betroffenen komme im Hilfesystem an. Sie verwies auf eine Plakatkampagne mit Hilfe-Telefonnumern, um mehr Frauen zu erreichen.

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