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Einsatzbilanz 2019: 211 Übergriffe gegen Feuerwehrleute

22.06.2020 - Sie kommen um zu helfen. Trotzdem sehen sich Rettungskräfte Pöbeleien oder sogar körperlichen Angriffen ausgesetzt. In Berlin wird das seit dem vergangenen Jahr besser als bisher erfasst.

  • Der Schriftzug «Berliner Feuerwehr» steht an einem Fahrzeug. Foto: Lisa Ducret/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Der Schriftzug «Berliner Feuerwehr» steht an einem Fahrzeug. Foto: Lisa Ducret/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Es passiert in der Hauptstadt häufiger als jeden zweiten Tag. Ein Sanitäter, Notarzt oder Feuerwehrmann wird beleidigt, bedroht, angerempelt oder bespuckt. 211 strafrechtlich relevante Übergriffe meldeten die Betroffenen von der Berliner Feuerwehr im vergangenen Jahr. Das berichtete Feuerwehrchef Karsten Homrighausen am Montag bei der Vorstellung der Einsatzbilanz 2019. Als mögliche Gründe auf der Seite der Täter nannte er eine Enthemmung etwa durch Alkohol und die Anonymität der Großstadt. Zum ersten Mal erstellte die Hauptstadt-Feuerwehr eine derartige Bilanz und ist damit auch in Deutschland ein Vorreiter.

«Uns ist wichtig, dass so ein Verhalten gesellschaftlich geächtet wird», sagte Homrighausen. Mit den offiziell erfassten Zahlen wolle man einen besseren Überblick zu dem Problem, das in den vergangenen Jahren zunahm, bekommen. Allein 23 Übergriffe ereigneten sich an Silvester. Insgesamt wurden 35 Sanitäter und Feuerwehrleute verletzt. Aus den 211 Übergriffen gingen laut der Statistik 100 Strafanzeigen bei der Polizei hervor. Ob daraus auch Verurteilungen folgten, konnte Homrighausen nicht genau sagen. Bislang gebe es dazu 15 bis 20 konkrete juristische Verfahren.

Die Berliner Feuerwehr hatte als eine der ersten Rettungsorganisationen im vergangenen Jahr eine Stelle für eine Anti-Gewaltbeauftragte geschaffen. Man nehme das Thema sehr ernst, auch bei der Prävention und in der Ausbildung werde darauf eingegangen, sagte Homrighausen.

Innensenator Andreas Geisel (SPD) sagte: «Was mich besonders erschüttert hat, war die Vielzahl der Übergriffe.» Das sei «in keiner Weise zu entschuldigen». Diese Übergriffe gebe es leider in allen Bundesländern, wie seine Amtskollegen berichten würden. «Dagegen muss der Staat mit aller Kraft und Härte vorgehen.» Die Gesetze seien aus diesem Grund entsprechend verschärft worden.

Neben den Berliner Polizisten sollen auch Feuerwehrleute demnächst kleine Kameras an der Uniform, sogenannte Bodycams, bei ihren Einsätzen tragen. Damit kann das Geschehen gefilmt werden. Mögliche Angreifer können so abgeschreckt oder nachträglich identifiziert werden. Die zweijährige Testphase dafür soll voraussichtlich 2021 oder 2022 beginnen.

Die Zahl der Krankenwagenfahrten, Rettungs- und Löscheinsätze der Berliner Feuerwehr ist im vergangenen Jahr weiter gestiegen. Insgesamt waren es 478 281 Einsätze, rund 14 000 oder 3 Prozent mehr als im Vorjahr. Die meisten Einsätze geschahen wegen verletzter Menschen durch Unfälle oder sonstiger Krankheitsfälle, zu denen Sanitäter und Notärzte fahren. Nur bei einem Bruchteil der Alarmierungen ging es um Brände (6688). Dazu kamen rund 18 000 sogenannte technische Hilfeleistungen.

Alle 66 Sekunden gibt es einen Einsatz. Alle drei Stunden wird ein Mensch wiederbelebt. Seit 2009 steigen die Einsatzzahlen bei der Feuerwehr Jahr für Jahr an. Vor allem, weil die Stadt wächst und immer häufiger Sanitäter und Notärzte gerufen werden. Viele dieser Notfall-Einsätze wären nach der langjährigen Einschätzung der Feuerwehr nicht nötig, weil es sich um leichte Verletzungen oder Krankheiten handelt.

Inzwischen hat die Feuerwehr 4479 Personalstellen, deutlich mehr als noch vor einigen Jahren. Fast 97 Prozent der Einsatzkräfte sind Männer. Zwar werbe man aktiv um Frauen, aber die Voraussetzungen - vor allem bei der reinen Körperkraft - seien in den Testsituationen nicht einfach zu bewältigen, sagte Innensenator Geisel. So müsse etwa eine 80 Kilogramm schwere Person durch ein Treppenhaus transportiert werden.

Ansonsten bemüht sich die Feuerwehr auch im Bereich Umweltschutz um Modernisierung. In den nächsten Monaten erhalte man das bereits bestellte erste vollelektrische Einsatzfahrzeug, kündigte Feuerwehrchef Homrighausen an.

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