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GEW sieht schwarz für den Schulstart nach den Ferien

29.07.2020 - Nach den Sommerferien sollen die Ferien wieder im Normalbetrieb starten - mit gewohnten Klassengrößen und ohne Abstandsregeln. Aber lässt sich das durchhalten? Und gibt es genügend Lehrkräfte?

  • Eine Mund-Nasen-Bedeckung liegt während einer Unterrichtsstunde neben einem Mäppchen und Schulbüchern auf einem Schultisch. Foto: Marijan Murat/dpa/archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eine Mund-Nasen-Bedeckung liegt während einer Unterrichtsstunde neben einem Mäppchen und Schulbüchern auf einem Schultisch. Foto: Marijan Murat/dpa/archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Berliner GEW geht davon aus, dass zum Beginn des neuen Schuljahres in eineinhalb Wochen weiter Lehrermangel herrscht. Das Problem ist nicht neu. In diesem Sommer kommt hinzu, dass Lehrkräfte, die während der Corona-Krise wegen ihrer Vorerkrankungen zur Risikogruppe zählen, nicht vor der Klasse unterrichten werden. «Die fehlen natürlich», sagte Dieter Haase aus dem Vorstand der Berliner GEW am Mittwoch der dpa. «Ich gehe davon aus, dass mindestens 15 Prozent der Lehrkräfte dazu gehören.» Insgesamt sei die Situation so schwierig wie seit Jahren nicht mehr. «Wir haben die Talsohle erreicht», sagte Haase. Zuvor hatte der «Tagesspiegel» über die Personalsituation an den Berliner Schulen berichtet.

Die exakten Daten will die Bildungsverwaltung voraussichtlich kommende Woche vorstellen. Haase zufolge sind für das neue Schuljahr 2500 Stellen zu besetzen. Es seien aber nur rund 2500 Personen eingestellt worden, die nicht alle voll arbeiten. Quereinsteiger etwa seien außerdem in der Ausbildung und unterrichteten deutlich weniger. Sein Fazit: «Es fehlen um die 300 Stellen. Und da sind noch nicht die 15 Prozent eingerechnet, die wegen Risikofaktoren nicht in der Schule sein werden.»

Haase befürchtet, das werde Folgen haben: «Es muss Abstriche geben. Und wie, das müssen dann die Schulen vor Ort regeln. Dann muss zum Beispiel Förderunterricht gestrichen werden, also etwa Sprachförderung für Kinder mit Migrationshintergrund», sagte er. «Das sind die Stunden, die als erste dran glauben müssen. Das ist pädagogisch Unsinn, aber Sie können einem nackten Mann nicht in die Tasche greifen. Wenn nichts mehr da ist, ist nichts mehr da.»

Das Problem verschärft sich nach Haases Einschätzung noch, wenn Kinder aus Risikogruppen nach den Ferien zu Hause bleiben und online unterrichtet werden müssen. Die Berliner Schulen sollen mit Beginn des neuen Schuljahres am 10. August zum Regelbetrieb zurückkehren - trotz Corona-Krise mit Präsenzunterricht ohne Abstandsregeln. Ausnahmen soll es für Kinder mit Vorerkrankungen geben.

«Man kann natürlich versuchen, dass die Kollegen, die zu Hause bleiben, weil sie selbst zur Risikogruppe gehören, das online mit solchen Schülern machen. Aber das wird eine schwierige Aufgabe sein», sagte Haase. «Wie sich das einspielt, müssen wir sehen. Das sind jedenfalls zusätzliche Belastungen für die Lehrer.» Daten, wie viele Kinder das betrifft, seien ihm nicht bekannt. Er gehe von einem einstelligen Prozentbereich aus.

Auch der Sprecher der Senatsverwaltung für Bildung, Martin Klesmann, sagte, dabei gehe es um Ausnahmefälle. Der Präsenzunterricht werde die Regel sein. Zahlen dazu lägen auch der Bildungsverwaltung noch nicht vor. Die Größenordnung einstelliger Prozentbereich sei aber realistisch. Klesmann erklärte, es gehe um die Möglichkeit für Kinder mit Krankheiten wie Asthma, Krebs oder Mukoviszidose, während der Corona-Krise zu Hause online unterrichtet zu werden, wenn eine ärztliche Bescheinigung vorliegt. «In einzelnen Fällen, wenn das der Schulleitung bekannt ist, muss sie nicht vorgelegt werden.»

Haase sieht stressige Monate auf die Berliner Schulen und die Lehrerinnen und Lehrer zukommen: «Die Kollegen waren am Ende des Schuljahres wirklich platt, die waren am Limit», sagte er. Wenn es die ersten neuen Infektionsfälle gebe und die Lehrkräfte dann Präsenzunterricht und Online-Unterricht machen müssten, sei das wieder mit erheblichen Belastungen verbunden.

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