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Gastronomen: Gemischte Reaktionen auf Wiedereröffnung

14.05.2020 - Nach etwa zwei Monate Zwangspause freuen sich Brandenburger Gastronomen auf die Wiederöffnung ihrer Restaurants, Gaststätten und Cafés. Viele sind schon ausgebucht. Nicht jeder Gastronom befürwortet allerdings die Art und Weise der Öffnung.

  • Die Inhaberin eines Brauhauses bereitet die Wiedereröffnung ihres Betriebs vor. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Die Inhaberin eines Brauhauses bereitet die Wiedereröffnung ihres Betriebs vor. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

In Brandenburger Restaurants, Kneipen und Cafés herrscht nach Wochen der Corona-Krise die Freude über die Wiedereröffnung an diesem Freitag vor. «Die Inhaber und Mitarbeiter sind super vorbereitet», sagte Olaf Lücke, Hauptgeschäftsführer des Landesverbandes Brandenburg des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, am Donnerstag auf Anfrage. «Die Kollegen wollen mit viel Enthusiasmus, Engagement und Kreativität loslegen», sagte er. Es wäre jedoch hilfreich gewesen, wenn die Öffnungsverordnung an vielen Stellen klarer formuliert gewesen wäre.

Gastronomiebetriebe, die zubereitete Speisen anbieten, dürfen ab dem 15. Mai von 6.00 bis 22.00 Uhr für den Publikumsverkehr öffnen. Voraussetzung ist, dass die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln sichergestellt wird. Möglichkeiten zur Reservierung und zur Kontaktnachverfolgung werden den Betreibern dringend empfohlen.

Von den Restaurantinhabern selbst kommen unterschiedliche Reaktionen. «Ich sehe die Wiederöffnung skeptisch», sagt der Chef des «Kartoffelhauses» in Frankfurt (Oder), Ingolf Rosner. Er freue sich zwar, dass es wieder losgehe, insgesamt kämen die Lockerungen für ihn aber zu früh. Noch zu viele Menschen hielten sich nicht an die Abstandsregeln, findet Rosner. Zudem beklagt auch er, dass die Corona-Regelungen für Restaurants zu schwammig ausgelegt seien. Zu größeren Gruppen - etwa zu Geburtstagsrunden - gebe es keine klaren Aussagen. Er habe bei verschiedenen Ämtern angerufen und keine klaren Informationen erhalten.

«Der Zeitpunkt ist meines Erachtens in Ordnung, wenn wir nur einen klaren Fahrplan an die Hand bekommen hätten», sagt der Betreiber des Potsdamer Cafés «Buena Vida Coffee Club», Patrick Berger. Doch der fehle. «Wir werden in der Luft hängen gelassen, während viele Gastronomiebetriebe nicht nur in Brandenburg ums Überleben kämpfen.» Er wünsche sich einen einheitlichen Plan auf Länderebene, wenn nicht sogar auf Bundesebene. «Der würde für Klarheit sorgen.» Berger wird deshalb nach eigenen Angaben vorerst nur den Verkauf wieder ins Café holen. «Der Verzehr findet dann draußen statt.» So könne er sicherstellen, dass für sein Personal und die Gäste das Ansteckungsrisiko so gering wie möglich sei.

Das brandenburgische Gesundheitsministerium verweist - angesprochen auf konkrete Maßnahmen - auf die Verbände. Es gelten die Abstands- und Hygieneregeln. Detaillierte Handreichungen stelle unter anderem der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) zur Verfügung. Trotz recht detaillierter Empfehlungen könne der Verband jedoch auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, heißt es in dem Dehoga-Katalog. Die betriebliche Vielfalt sei zu groß, als dass alle Fallkonstellationen in der Handlungsempfehlung abgedeckt werden könnten.

Der Inhaber des Restaurants «Altes Kasino» - Hotel am See in Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin), Max Golde, sieht sich bestens über die Regelungen für eine Wiederöffnung unter Corona-Bedingungen informiert. Die Dehoga Brandenburg habe ihm jenen fünfseitigen Maßnahmenkatalog zugeschickt, darin seien aus seiner Sicht alle Regelungen und Empfehlungen strukturiert aufgeführt, sagte er. «Wir haben sogar Mails bekommen, wie wir unseren Tresen reinigen sollen und wie wir nach der längeren Schließung mit dem Wasser umgehen», lobte Golde. Der Wiedereröffnung sieht er deshalb zuversichtlich entgegen. «Klar wird es eine anstrengende Aufgabe, aber nach drei Tagen hat man Routine und kann das Ganze händeln.»

Die Gastronomen setzen auch auf das gegenseitige Verständnis. Aus Rücksicht auf andere sollte beispielsweise die Maske vom Gast beim Gang auf die Toilette getragen werden, sagte Dehoga-Geschäftsführer Lücke.

Die Bestellbücher sind seinen Angaben zufolge in vielen Einrichtungen voll. Viele Stammgäste wollten auf diese Weise ein Zeichen setzen. Durch vorgeschriebene Abstandsregelungen könnten auch nicht alle Plätze besetzt werden. Möglicherweise arbeite nicht nur das Personal in Schichten, auch die Tische würden so besetzt.

Die bisherigen Verluste in den Gaststätten bezifferte Lücke auf etwa 20 bis 25 Prozent des Jahresumsatzes. Viele Kollegen hätten sich bereits entschlossen, dass eigentlich aus der Not geborene To-Go-Geschäft zunächst weiter laufen zu lassen. «Eine Lehre aus der Corona-Zeit ist auch, sich stärker auf regionale Lebensmittel zu konzentrieren», sagte er.

Die Verbraucherzentrale Brandenburg empfiehlt den Gaststättenbesuchern ab Freitag neben den Hygienemaßnahmen vor allem Geduld. Es werde zu Wartezeiten kommen. Außerdem sollten sich Verbraucher darauf einstellen, gegebenenfalls Kontaktdaten wie Name und Telefonnummer in der Gaststätte zu hinterlassen. Wie heftig der Ansturm auf die Restaurants und Cafés ausfallen werde, vermochten die Verbraucherschützer nicht vorherzusagen. Aber der «Nachholbedarf» sei sicherlich groß, hieß es.

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