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Goldmünzen-Diebstahl: Mehrjährige Haft gefordert

20.01.2020 - Es war ein spektakulärer Coup. Über Nacht wurde aus dem Berliner Bode-Museum ein kolossales und millionenteures Goldstück entwendet. Nach einjährigem Prozess gegen vier Männer ist ein Urteil in Sicht.

  • Die 100 Kilogramm schwere Goldmünze «Big Maple Leaf» steht im Bode-Museum in Berlin. Foto: Marcel Mettelsiefen/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Die 100 Kilogramm schwere Goldmünze «Big Maple Leaf» steht im Bode-Museum in Berlin. Foto: Marcel Mettelsiefen/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Berlin (dpa/bb) - Knapp drei Jahre nach dem spektakulären Diebstahl einer 100 Kilogramm schweren Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum hat die Staatsanwaltschaft langjährige Gefängnisstrafen gefordert. Der Vertreter der Anklage plädierte am Montag auf sieben Jahre Haft gegen zwei der angeklagten Männer. Für die beiden weiteren Angeklagten verlangte er Strafen von sechs beziehungsweise fünf Jahren. «Sie sind sehr professionell, gezielt und gut informiert vorgegangen», so der Staatsanwalt in seinem Plädoyer vor dem Landgericht in der Hauptstadt.

Die kanadische Münze «Big Maple Leaf» mit einem damaligen Goldwert von knapp 3,75 Millionen Euro war in der Nacht zum 27. März 2017 gestohlen worden. Ermittler vermuten, dass sie zerteilt und verkauft wurde. Die deutschen Angeklagten im Alter von 21 bis 25 Jahren - drei von ihnen gehören zu einer arabischstämmigen Berliner Großfamilie - schweigen zu den Vorwürfen. Die Verteidiger sollen am 27. Januar mit ihren Plädoyers beginnen. Ein Urteil wird nach derzeitigen Planungen für den 20. Februar erwartet.

Die drei Verwandten stiegen laut Anklage über ein Fenster eines Umkleideraumes für Mitarbeiter in das Museum ein. Es war das einzige Fenster, das wegen eines Defekts nicht an das Alarmsystem angeschlossen war. Das Trio soll dann eine Vitrine zertrümmert und das Goldstück mit Rollbrett und Schubkarre zu einem Fluchtauto geschafft haben. Ein 21-jähriger, mitangeklagter Wachmann soll wichtige Tipps gegeben haben. Die Anklage lautet auf gemeinschaftlichen Diebstahl in einem besonders schweren Fall.

Die Ermittler hätten eine Reihe von Spuren zusammengetragen, sagte Staatsanwalt Thomas Schulz-Spirohn. «Alles zusammen lässt keinen Zweifel an der Täterschaft der Angeklagten zu.» Es ergebe sich ein Bild aus Mosaiksteinchen. So habe die Polizei an Kleidungsstücken, die Angeklagten zuzuordnen seien, Partikel gefunden, bei denen es sich um höchstreines und damit außergewöhnliches Gold handele. «Dieser Reinheitsgehalt ist identisch mit dem der verschwundenen Münze.» Sie hat einen Goldanteil von 99,999 Prozent.

Der damalige Wachmann, der mit einem der angeklagten Mitglieder der Großfamilie befreundet sei, habe in den Wochen vor dem Coup als Mitarbeiter einer privaten Sicherheitsfirma seine Tätigkeit im Museum aufgenommen, so der Staatsanwalt weiter. Der 21-Jährige habe die Einbrecher mit Informationen versorgt. «Ohne Insiderwissen wäre der Diebstahl nicht möglich gewesen.»

Einer der drei Verwandten sei im Ermittlungsverfahren auch durch seine damalige Freundin belastet worden, sagte Schulz-Spirohn. Bei der Polizei habe die Frau zu Protokoll gegeben, dass der Mann ihr gegenüber mit dem Diebstahl der Münze geprahlt habe. Er habe sich zwei Luxus-Uhren gekauft, habe ihr Geschenke gemacht und damit angegeben, so jung schon Millionär zu sein. Im Prozess habe die Frau dann ihre Aussage widerrufen und erklärt, sie habe ihren ehemaligen Freund aus Wut und Rache falsch belastet.

Für jeweils sieben Jahre sollen nach dem Willen des Anklägers einer der Brüder sowie deren 23-jähriger Cousin ins Gefängnis. Auf diese zur Tatzeit Heranwachsenden sei nicht das mildere Jugendstrafrecht anzuwenden. So seien bei dem 23-Jährigen bereits «alle Möglichkeiten, sozialpädagogisch auf ihn einzuwirken, erfolglos geblieben.» Erst kürzlich sei er in einem Auto unterwegs gewesen, dessen Kofferraum «randvoll mit Einbruchswerkzeug» gewesen sei.

Der Staatsanwalt beantragte in seinem Plädoyer am inzwischen 36. Prozesstag zudem die Einziehung des Wertes der Beute in Höhe von 3,75 Millionen Euro. Die Angeklagten seien als Gesamtschuldner anzusehen.

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