Diese Seite benötigt Javascript! Bitte aktivieren Sie Javascript für eine korrekte Darstellung.

In Klinik attackiert: Arzt Fritz von Weizsäcker erstochen

20.11.2019 - Tödlicher Angriff auf den Arzt Fritz von Weizsäcker: Der Sohn des früheren Bundespräsidenten wird während eines Vortrags in einer Berliner Klinik erstochen. Am Tag danach ist der Schock groß. Es sind noch viele Fragen offen.

  • Marianne von Weizsäcker (2.v.r.), Joachim Gauck (r), sowie Fritz von Weizsäcker und Beatrice von Weizsäcker. Foto: Maurizio Gambarini/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Marianne von Weizsäcker (2.v.r.), Joachim Gauck (r), sowie Fritz von Weizsäcker und Beatrice von Weizsäcker. Foto: Maurizio Gambarini/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Berlin (dpa) - Am Tatort hängt am Tag danach noch ein Zettel: «Konferenzraum gesperrt». Vor der Berliner Schlosspark-Klinik sind Kamerateams und Polizeiautos zu sehen, ein Sicherheitsmann passt auf, dass der Betrieb weitergehen kann. Wie schockierend es gewesen sein muss, was sich am Dienstagabend hier abgespielt hat, lässt sich nur erahnen: Der Chefarzt Fritz von Weizsäcker, Sohn des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, wird während eines Vortrags mit einem Messer attackiert. Er stirbt noch vor Ort.

Der Angreifer wird festgenommen. Es ist ein 57 Jahre alter Deutscher aus Rheinland-Pfalz, vorher noch nicht polizeibekannt. Das Motiv: noch offen. Das Opfer ist ein renommierter Mediziner, aus einer der bekanntesten deutschen Familien. Selbst die Kanzlerin drückt ihr Beileid aus.

Der Umweltwissenschaftler Ernst Ulrich von Weizsäcker würdigt seinen Cousin Fritz am Morgen danach mit warmen Worten. «Ich fand ihn ganz wunderbar», sagt von Weizsäcker der Deutschen Presse-Agentur. «Ich habe ihn ungewöhnlich lieb gehabt.» Er habe keine Ahnung, was hinter dem Verbrechen stecken könnte. Fritz von Weizsäckers Schwester Beatrice schreibt bei Twitter: «Wir können es weder fassen noch glauben.» Bei Instagram postet sie ein Kreuz.

In der Krankenhaus-Kantine erzählt eine Angestellte am Tag danach, dass der Chefarzt ein sehr netter gewesen Mensch sei. Die Klinik legt ein Kondolenz-Buch aus. «Alle Mitarbeiter haben die Möglichkeit, in einem geschützten Raum ihre Betroffenheit zum Ausdruck zu bringen», heißt es in einer Stellungnahme. Die Mitarbeiter und auch die Teilnehmer der Veranstaltung bekommen demnach psychologische Unterstützung.

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) bekundet ihr Beileid, sie sei bestürzt über die Nachricht vom tödlichen Angriff. Sie verurteile Gewalt gegen Ärztinnen und Ärzte und Pflegekräfte «aufs Äußerste». Dass Menschen, die anderen helfen und Leben retten, so etwas passiere, erschüttere sie besonders. «Mein Dank und Respekt gilt den Teilnehmenden der Veranstaltung, die Zivilcourage gezeigt haben.»

Wird es nun eine Sicherheitsdiskussion geben? Von Weizsäckers Kollegin, der Berliner Charité-Professorin Britta Siegmund, geht die Tat nahe. Es sei schon der zweite Kollege, den sie auf diese Weise verliere, sagt Siegmund. Eine Sicherheitsdebatte zu führen, hält sie derzeit aber nicht für sinnvoll. «Wir wissen jetzt zu wenig, was passiert ist.» Erst einmal seien die Gedanken bei der Familie.

Im Sommer 2016 hatte ein 72 Jahre alter Patient an der Charité einen Mediziner erschossen und sich danach selbst getötet. Der 55 Jahre alte Kieferorthopäde hatte den Mann schon lange behandelt. Damals war das Motiv des Täters wohl Verzweiflung. Die Charité bekräftigte danach, dass Sicherheitskontrollen an Krankenhäusern unrealistisch seien - die Häuser müssten für Patienten, Angehörige, Mitarbeiter und Studenten offen sein.

Ein Rückblick: Ein unauffälliges Plakat lockt zum öffentlichen Vortrag in der Schlosspark-Klinik. Um «Fettleber - (K)ein Grund zur Sorge?» soll es gehen. Gut ein Dutzend Menschen finden an diesem kalten, nassen Novembertag zu dem Krankenhaus am Rande des Parks von Schloss Charlottenburg. Beim «Forum 11/2019» im Tagungsraum Haus H der Abteilung für Psychiatrie spricht Dozent Fritz von Weizsäcker.

Er ist Chefarzt an der Schlosspark-Klinik. Es geht um sein Fachgebiet, «die Fettleber, eine weitgehend unbekannte, aber zunehmende Volkskrankheit». Nach ersten Ermittlungen löst sich während des Vortrags plötzlich ein Mann aus der Reihe der Zuhörer. Der Mann stürmt auf den Dozenten zu. Ein Polizist (33), der zufällig unter den Zuschauern sitzt, versucht noch, den Mann aufzuhalten und überwältigt ihn.

Der Beamte in seiner Freizeit wird dabei selbst schwer verletzt. Er wird später in ein anderes Krankenhaus gebracht, wird operiert und ist nicht in Lebensgefahr. Mehrere der etwa 20 Menschen im Publikum helfen, den Angreifer festzuhalten. Er wird festgenommen.

Gegen 19.00 geht bei Feuerwehr und Polizei ein Notruf ein, Rettungssanitäter und ein Notarzt eilen zu Hilfe. Sie können dem schwer verletzten Spitzenmediziner nicht mehr helfen. Ein Wiederbelebungsversuch bleibt erfolglos. Fritz von Weizsäcker ist tot.

Die Ermittlungen der Polizei laufen. Wurde er in der Rolle als Arzt angegriffen, gibt es ein privates Motiv oder ist der Täter psychisch krank? Auch die Familie von Weizsäckers soll befragt werden, ob es möglicherweise Hinweise auf eine Bedrohung des Internisten gab. Gerichtsmediziner, Kriminaltechniker und Ermittler einer Mordkommission sichern am Tatort mögliche Spuren. Teile der Klinik werden dafür abgesperrt. Die meisten Fenster bleiben am Abend dunkel.

Das Opfer, der 1960 in Essen geborene Mediziner Fritz von Weizsäcker, stammte aus einer berühmten Familie. Sein Vater Richard von Weizsäcker (1920-2015) war von 1984 bis 1994 Bundespräsident, zuvor 1981 bis 1984 für die CDU Regierender Bürgermeister von Berlin (West). Seine Mutter ist die frühere deutsche First Lady Marianne von Weizsäcker (87).

Seine Eltern hatten 1953 geheiratet. Richard von Weizsäcker arbeitete damals als Jurist beim Unternehmen Mannesmann. Bis 1962 wohnte die Familie in Essen und Düsseldorf, zog dann nach Ingelheim und 1967 nach Bonn. Fritz von Weizsäcker war das jüngste der vier Kinder. Sein Bruder Andreas starb 2008, es leben noch die Schwester Beatrice (61) und der älteste Robert Klaus (64).

Schließen

Aus Sicherheitsgründen werden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet.

Um das zu verhindern, werden Sie bitte vor Ende dieses Zeitraums wieder aktiv.

Nach erfolgtem Logout können Sie sich erneut anmelden.
Aus Sicherheitsgründen wurden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet. Bitte loggen Sie sich erneut ein.

Homepage aktualisieren