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Lieberoser Heide: Feuerwehrleute kämpfen mit alten Gefahren

18.07.2019 - Die Lieberoser Heide ist Dauereinsatzgebiet für Feuerwehrleute. Seit Jahren brennt es dort immer wieder. Es gibt ein altes Problem.

  • Ein Löschfahrzeug steht mit eingeschaltetem Blaulicht an der Feuerwache. Foto: D. Bockwoldt/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Löschfahrzeug steht mit eingeschaltetem Blaulicht an der Feuerwache. Foto: D. Bockwoldt/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Lieberose (dpa/bb) - «An meinem Geburtstag haben meine Frau und die Tochter alleine die Torte gegessen, ich war im Einsatz in der Lieberoser Heide», sagt Feuerwehrmann Frank Schulz mit einer Mischung aus Resignation und Pflichtbewusstsein. Auch der Sohn ist einer seiner Feuerwehr-Kameraden. Die Familie kennt diese Situation seit Jahren. Und bislang ist es in diesem Jahr nicht anders gewesen. Im Juli brannte die Heide wieder - auf 100 Hektar Fläche.

Schulz ist seit 2004 Amtswehrführer in Lieberose/Oberspreewald. «Sobald der Name Lieberoser Heide fällt, wissen wir, dass es ein langwieriger Einsatz wird», sagt er. Sein Alarmrufempfänger liegt immer in Reichweite. «Wenn der piepst, geht es zum Gerätehaus. Anziehen, auf die Kameraden warten, Einsatzbesprechung und dann los.»

Das Einsatzsignal kommt von der Regionalleitstelle Lausitz in Cottbus. Andreas Neukirch und seine Kollegen behalten die vielen Bildschirme im Blick. Zwischen 5 und 20 Mitarbeiter schauen auf Monitore. Sie entscheiden unter anderem, welche Feuerwehren ausrücken müssen und was genau an Löschfahrzeugen gebraucht wird. «Die Lieberoser Heide ist einfach über die Jahre ein bekanntes Brandobjekt geworden», sagt der Hauptbrandmeister.

Dabei klingt der Name wie ein Ort zum Verweilen oder nach einer Einladung zum Wandern. In der Lieberoser Heide gibt es Seen und auch Waldstücke, für Anwohner ist das Gebiet seit Jahrzehnten ein beliebtes Ziel zum Pilzesuchen. Im Westen grenzt die Heide an das Biosphärenreservat Spreewald. Doch das Gebiet in der Niederlausitz, etwa 90 Kilometer südöstlich von Berlin, kämpft noch immer mit den Schatten seiner Vergangenheit.

Mit rund 27 000 Hektar war die Lieberoser Heide einer der größten Truppenübungsplätze in der DDR. Davor, ab 1942 bis 1945 nutzte eine SS-Divison den Platz, ab 1947 übernahmen die sowjetischen Streitkräfte das Gelände. Von 1947 bis 1992 wurden auf dem Truppenübungsplatz nördlich von Cottbus Munition und neue Waffentechnik getestet. Welcher Art sie war, wissen selbst Experten bis heute nicht. Der Revierförster in Lieberose, Romeo Buder, kennt das Gebiet seit mehr als 40 Jahren. Er zählt auf, wie der Übungsplatz genutzt wurde: Von Panzern in Bataillonstärke, Infanterie, Artellerie, Raketentruppen, Hubschraubern und Flugzeugen, wie er sagt. Auch Mannöver seien abgehalten worden. «Da war alles drauf, was knallen konnte», erinnert sich Buder. «Der letzte Schuss fiel 1992.»

Seitdem der Bund die Fläche 1997 an das Land Brandenburg zurückgab, kümmern sich die Eigentümer - der Landesbetrieb Forst Brandenburg, die Stiftung Naturlandschaften sowie private und kommunale Besitzer - um die Landschaft. Kein leichtes Unterfangen: Die Böden sind nährstoffarm und sandig, auf den Flächen mit Baumbestand wächst die Kiefer am besten. Bei großer Trockenheit brachen in den vergangenen Jahren immer wieder Brände aus. Deshalb wird mit Fördermitteln des Landes und der EU derzeit ein modernes Brunnensystem gebaut. Zudem soll der Wegebau verbessert werden, sagt Revierförster Buder.

Ein weiteres Problem ist nur schwer zu beheben. Der ehemalige Truppenübungsplatz, auf dem es so häufig brennt, ist noch voller munitionsbelasteter Flächen. Nach wie vor gibt es Kampfmittelrückstände, aber auch intakte Munition. «Das Schlimme ist: Wir sehen das Feuer auf uns zukommen und können nichts machen, weil wir nicht auf die Flächen raufdürfen», beschreibt Schulz die Ohnmacht der Feuerwehrleute. Er habe selbst erlebt, wie gefährlich Einsätze in der Nähe der Kampfmittel sein können. Bei Löscharbeiten sei mal Munition explodiert, erinnert er sich. «Wir haben die Eisenstücke durch die Luft fliegen sehen».

Der Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD) kümmert sich seit Jahren um die sachgerechte Entsorgung der Munition in der Lieberoser Heide. Allerdings müssen die Eigentümer dafür sorgen, dass die Flächen vorher auf Kampfmittel untersucht werden. Das kostet Geld. Revierförster Buder, der auch Bürgermeister von Byhleguhre-Byhlen, einem Ort am Rande der Lieberoser Heide ist, fordert deshalb mehr Mittel vom Land für die Beräumung munitionsbelasteter Flächen und auch für die Feuerwehr.

In den kommenden Tagen soll es nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes in der Region wieder sehr warm werden und wenig regnen. Unter solchen Bedingungen können sich nach Angaben des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Temperaturen von bis zu 50 Grad und mehr auf dem Erdreich entwickeln. Munition, die Phosphor enthält, kann sich selbst entzünden. Wieviel Munition sich in dem Heide-Gebiet noch im Boden befindet, darüber gibt es keine genauen Zahlen. Nach Angaben des zuständigen Forstamtes wurden in der Lieberoser Heide im ersten Halbjahr dieses Jahres 15 Hektar Fläche von Munition beräumt. «Ob ich das noch erleben werde, dass das Gebiet komplett von Kampfmitteln frei ist, weiß ich nicht», sagt der 54 Jahre alte Feuerwehrmann Schulz.

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