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Mehr Arbeitslose: Kurzarbeit verhindert Schlimmeres

30.04.2020 - Der Aufschwung am Arbeitsmarkt ist vorbei. Dass die Arbeitslosenzahlen im April nicht noch stärker gestiegen sind, liegt aus Sicht vieler am Instrument der Kurzarbeit. Doch für viele reicht der Schutz nicht aus.

  • Eine rote Ampel leuchtet vor einem Schild, das auf die Agentur für Arbeit hinweist. Foto: Sina Schuldt/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eine rote Ampel leuchtet vor einem Schild, das auf die Agentur für Arbeit hinweist. Foto: Sina Schuldt/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Deutlicher Anstieg der Arbeitslosenzahlen und Kurzarbeitsanmeldungen auf Rekordniveau: Die Corona-Krise hat der jahrelang guten Konjunktur auf dem Arbeitsmarkt auch in Berlin und Brandenburg ein abruptes Ende bereitet. Dabei habe die Möglichkeit der Kurzarbeit wohl Schlimmeres verhindert, sind sich viele Stimmen einig. «Der Blick auf die Zahl der Menschen in Kurzarbeit lässt erahnen, um wie viel dramatischer die ohnehin schon dramatische Lage wäre, gäbe es nicht das wichtige Instrument der Kurzarbeit», teilte etwa Beatrice Kramm, Präsidentin der Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) am Donnerstag mit.

Zugleich warnte sie, die Zahlen dürften nicht über den Ernst der Situation hinwegtäuschen. «Berlin ist aufgrund seiner Wirtschaftsstruktur besonders betroffen.»

Zuvor hatte die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit mitgeteilt, dass in der Hauptstadt im April 182 618 Menschen arbeitslos gemeldet waren. Das waren 18,4 Prozent mehr als im März und sogar 22,7 Prozent mehr als im April des Vorjahres. In Brandenburg fiel der Anstieg deutlich niedriger aus. Hier gingen die Zahlen verglichen mit März um 10 Prozent nach oben und lagen im April bei 83 140 Arbeitslosen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat bedeutete das einen Anstieg von 8,4 Prozent.

In beiden Bundesländern hatten Unternehmen aufgrund der Corona-Krise seit März für mehr als eine halbe Million Menschen Kurzarbeit angemeldet. «Über das gesamte Ausmaß der realisierten Kurzarbeit werden wir erst in der nächsten Zeit Kenntnisse gewinnen», betonte am Donnerstag die Berliner Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, Elke Breitenbach (Linke). Wie viele Beschäftigte von Kurzarbeit am Ende betroffen sein werden, werde sich erst zeigen, wenn die Betriebe die Anträge über die tatsächliche Kurzarbeit eingereicht haben, hieß es zuvor von der Regionaldirektion für Berlin-Brandenburg. Die Unternehmen hätten dafür bis zu drei Monate Zeit.

«Mehr denn je kommt es jetzt darauf an, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer perspektivisch in Arbeit zu halten und den Fachkräftebedarf der Unternehmen auch über die Krisenzeit hinaus zu sichern», teilte Breitenbach weiter mit. «Das schließt zwingend den Schutz bestehender Ausbildungsverhältnisse und die Arbeitsmarktintegration Geflüchteter mit ein.»

Die Pläne der Bundesregierung zur Aufstockung des Kurzarbeitergeldes ließen indes viele Geringverdienende außen vor. «Coronabedingte Notlagen vor allem von Beschäftigten mit kleinen Einkommen müssen besser abgefedert werden», forderte Breitenbach. Die Krise zeige, welche Berufsbereiche für das Funktionieren der Gesellschaft besonders wichtig sind. Die Wertschätzung dieser Arbeit müsse sich auch in der entsprechenden Entlohnung darstellen.

«Die neuen Arbeitsmarktzahlen machen deutlich, wie unverzichtbar die politischen Hilfen für Betriebe und Beschäftigte sind», teilte auch die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Sabine Bangert mit. «Zahlreiche Berliner Unternehmen haben Kurzarbeit beantragt und zeigen damit eine starke Bereitschaft, ihre Arbeitskräfte zu halten.» Zur Wahrheit gehöre aber auch, dass die Krise Menschen in prekärer Beschäftigung «mit voller Wucht» treffe: «Der Dienstleistungsbereich, das Hotel- und Gaststättengewerbe, aber auch der Kulturbereich sind hier die Achillesferse des Berliner Arbeitsmarkts.»

In Brandenburg, wo der Anstieg der Arbeitslosenzahlen deutlich weniger stark ausfiel, verlören die Betriebe die Fachkräftesicherung nicht aus dem Blick, teilte Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) am Donnerstag mit. «Wir alle tragen Verantwortung dafür, unserer Jugend eine berufliche und damit auch eine Lebensperspektive in Brandenburg aufzuzeigen.» Viele Betriebe hätten Lösungen gefunden, Auszubildende in der Zeit der Schließung der Berufsschulen eng zu begleiten und gemeinsam mit ihnen zielgerichtet auf den Ausbildungsabschluss hinzuarbeiten.

Brandenburgs Linksfraktionschef Sebastian Walter forderte eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes aus Landesmitteln auf mindestens 90 Prozent des Nettoentgeltes rückwirkend zum 1. März.

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