Diese Seite benötigt Javascript! Bitte aktivieren Sie Javascript für eine korrekte Darstellung.

Mehr Infizierte erwartet: Berlin beschafft Ausrüstung

09.03.2020 - Knapp 50 Menschen in Berlin sind nachweislich mit dem neuen Coronavirus infiziert - laut der Senatorin sind nur wenige im Krankenhaus. Trotzdem spricht sie von einer ernsten Lage.

  • Dilek Kalayci (SPD), Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung. Foto: Annette Riedl/dpa/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Dilek Kalayci (SPD), Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung. Foto: Annette Riedl/dpa/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Berlin bereitet sich auf eine deutliche Zunahme der Zahl der Coronavirus-Infizierten vor. Man starte die zentrale Beschaffung von Schutzausrüstung, sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci am Montag im Gesundheitsausschuss des Abgeordnetenhauses. Da diese Waren europaweit Mangelware seien, müsse geprüft werden, was auf dem Markt verfügbar sei. Zudem seien die Krankenhäuser dabei, mehr Kapazitäten für die Beatmung schwer erkrankter Patienten zu schaffen, so die SPD-Politikerin. «Wir brauchen mehr Beatmungsmöglichkeiten.» Derzeit gebe es gut 1000 solcher Betten.

Über Ausmaß und Tempo der weiteren Virus-Ausbreitung könne zum heutigen Zeitpunkt niemand eine Aussage treffen, sagte Kalayci. Die Lage sei hoch dynamisch. Insgesamt sei die Zahl der nachweislich Infizierten in der Hauptstadt inzwischen auf 48 gestiegen, davon werde bisher eine geringe Zahl im Krankenhaus versorgt. Die Zahl schwer erkrankter Patienten werde aber vermutlich steigen. Generell schätze man die Lage als ernst ein. Die neue Lungenerkrankung Covid-19 bringe aber auch viele Unwägbarkeiten mit sich.

Nach der Empfehlung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern abzusagen, sprach sich Kalayci für ein bundesweit einheitliches Vorgehen aus. Es wäre nicht gut, wenn solche Veranstaltungen in einem Bundesland stattfänden, in einem anderen aber nicht. In Berlin solle zunächst weiter unverändert jeder Veranstalter - unabhängig von der Teilnehmerzahl - eine Risikobewertung für seine Veranstaltung vornehmen. Es liefern aber auch noch interne Abstimmungen.

Kritik an Spahn kam von Innensenator Andreas Geisel (SPD). «Einfach sowas in den Raum zu stellen, ist schwierig.» Spahn habe seine persönliche Meinung über seine privaten Internetkanäle bekanntgegeben, die Verantwortung überlasse er hingegen anderen, sagte Geisel. «Aber es gibt keine einheitliche Linie der Bundesregierung. Das hat er sorgfältig vermieden.»

Kalayci betonte unterdessen, man solle das öffentliche und soziale Leben etwas zurücknehmen. Ihre persönliche Empfehlung sei, dass Kranke zum Schutz anderer Menschen zu Hause bleiben sollten. Ältere und chronisch kranke Menschen müssten über den Besuch von Großveranstaltungen nachdenken.

Bisher sind viele infizierte Menschen Zuhause isoliert. Davon betroffen sind auch zwei Polizisten, die sich bei einem Besuch in dem Berliner Club «Trompete» angesteckt hätten, sagte Polizeipräsidentin Barbara Slowik. Der erste der beiden Fälle war bereits am Samstag bekannt geworden. Mehr als 60 weitere Polizisten seien als Kontaktpersonen ihrer beiden Kollegen nun zu Hause in Quarantäne. Insgesamt steckten sich nach Einschätzung der Behörden 16 der 48 positiv getesteten Menschen in der «Trompete» in Mitte an. Die Fälle wurden nach einem positiven Test bei einem Mann aufgespürt, der am 29. Februar Gast in dem Club gewesen war.

Man wolle wie bundesweit die Strategie der Eindämmung weiter verfolgen, sagte Kalayci: positive Fälle schnell identifizieren, Kontaktpersonen ausfindig machen und diese isolieren, um Infektionsketten zu unterbrechen. Berlin sei jedoch früh in eine zweite Phase gegangen und habe schutzbedürftige Gruppen in den Blick genommen. So wurde chronisch Kranken und älteren Menschen eine Impfung gegen Pneumokokken und Keuchhusten empfohlen. Sie hoffe, dass dies von Hausärzten flächendeckend umgesetzt werde, so Kalayci. Schutz vor den Lungenerkrankungen werde entscheidend sein für die Sterblichkeit durch das neue Virus, für das noch kein Impfstoff verfügbar ist.

Für die Anschaffung von Schutzmaterialien sei der Bedarf ermittelt worden, schilderte Kalayci, ohne Zahlen zu nennen. Krankenhäuser hätten noch Bestände, die von je ein paar Wochen bis zu Monaten reichten. Aus dem Bestand stelle man bereits Ausrüstung bereit, etwa für den öffentlichen Gesundheitsdienst. Für die Ausstattung niedergelassener Ärzte hingegen sei der Senat nicht zuständig, betonte die SPD-Politikerin.

Von der anzuschaffenden Schutzausrüstung sollen in Berlin laut Kalayci vorrangig der fahrende Service von Kassenärztlicher Vereinigung (KV) und Feuerwehr für nicht mobile Patienten sowie die Untersuchungsstellen für Verdachtsfälle profitieren. Der Krisenstab der Bundesregierung hatte in der Vorwoche angekündigt, dass das Gesundheitsministerium Schutzausrüstung wie Atemmasken und Spezialanzüge zentral für Praxen und Kliniken beschaffen will.

Sechs Kliniken in der Stadt hätten inzwischen Untersuchungsstellen eingerichtet, sagte die Senatorin. Nach Angaben der Kliniken waren am Montag zunächst fünf der speziellen Ambulanzen für Verdachtsfälle in Betrieb. Die Charité hatte ein Testzentrum schon am vergangenen Dienstag geöffnet, damit sich Verdachtsfälle - außerhalb der Notaufnahmen - testen lassen können. Ein Ausbau dieser Zentren sei vermutlich nötig, so Kalayci. «Die Fallzahlen werden so steigen, dass wir diese Infrastruktur auch brauchen werden.»

Der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Florian Kluckert, sprach sich für zusätzliche Drive-In-Schalter zum Testen auch in Berlins aus - ein Modell, das vor allem in Südkorea und auch in manchen deutschen Städten schon genutzt wird. Möglicherweise Infizierte müssen ihr Auto dabei nicht verlassen.

Mit Blick auf die Testmöglichkeiten der Labore sieht Kalayci Berlin gut aufgestellt. Man gehe von einer Kapazität von 1500 Tests pro Tag aus, dies könne noch ausgebaut werden.

Schließen

Aus Sicherheitsgründen werden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet.

Um das zu verhindern, werden Sie bitte vor Ende dieses Zeitraums wieder aktiv.

Nach erfolgtem Logout können Sie sich erneut anmelden.
Aus Sicherheitsgründen wurden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet. Bitte loggen Sie sich erneut ein.

Homepage aktualisieren