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Misshandelt und in die kalte Oder gestoßen: Prozess beginnt

21.10.2019 - Sie sollte einen eiskalten Tod finden: Aus Rache und zur Vertuschung sollen zwei Frauen eine andere im Januar in die Oder geschubst haben, nachdem sie die 34-Jährige stundenlang gequält hatten. Dass ihr Opfer überlebte, ist schieres Glück. War es versuchter Mord?

  • Die angeklagten Frauen (2.v.l. und 2.v.r) stehen zu Prozessbeginn neben ihren Verteidigern. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Die angeklagten Frauen (2.v.l. und 2.v.r) stehen zu Prozessbeginn neben ihren Verteidigern. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Frankfurt (Oder) (dpa/bb) - Die Stelle am Frankfurter Oderufer war wohl gezielt ausgesucht: eine menschenleere Ecke mit hohen Kaimauern, einem Geländer und keiner Möglichkeit, ohne Hilfe wieder aus dem Fluss zu klettern. Dort sollen eine 31-Jährige und eine 19-Jährige am 7. Januar dieses Jahres eine andere Frau in den nur 3,2 Grad kalten Fluss gestoßen haben, um sie zu töten. Zuvor hätten sie, so lautet die Anklage, zusammen mit vier weiteren Verbündeten ihr Opfer über Stunden misshandelt und bestohlen. Um diese Gewaltorgie zu vertuschen, sollte das Opfer sterben, so die Staatsanwaltschaft.

Seit Montag müssen sich die beiden Frauen wegen versuchten Mordes aus niedrigen Beweggründen vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) verantworten. Beide schwiegen zum Prozessauftakt zu den Vorwürfen der Anklage. Ihr 34-jähriges Opfer soll zum nächsten Prozesstag am 28. Oktober als Zeugin gehört werden. Die Frau tritt in dem Verfahren als Nebenklägerin auf. Am Tattag hatte sie sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) mit schweren Unterkühlungen selbst an einer Leiter aus der Oder ziehen können, nachdem sie zunächst laut und vergeblich um Hilfe rufend durch die starke Strömung etwa 110 Meter abgetrieben worden war.

Auslöser für die lebensgefährliche Attacke auf die junge Mutter soll ihre gescheiterte Beziehung zu einem Mann gewesen sein, der zu einer sechsköpfigen Gruppe um die beiden Angeklagten gehörte. Am Tattag hatte er laut Anklage den anderen gegenüber Rachegedanken geäußert. Die beiden Angeklagten sollen das Opfer unter einem Vorwand in die Wohnung des Mannes gelockt, der Frau Wohnungsschlüssel und Handy gestohlen und sie anschließend auf dem Weg zur eigenen Wohnung zu Boden geschlagen, ihr gewaltsam eine Ecstasy-Pille eingeflößt und ihr Haarsträhnen verbrannt haben. «Wenn Du nicht spurst, tun wir deinem Kind etwas an», hatten sie dabei laut Anklage gedroht.

In der Wohnung der 34-Jährigen soll das Martyrium weitergegangen sein. Aus der Gruppe heraus wurden ihr laut Anklage Pfefferspray ins Gesicht gesprüht, die Haare abrasiert, Fußtritte gegen den Kopf verabreicht und währenddessen Wertgegenstände wie Fernseher, Laptop und auch Ausweise gestohlen. Das Opfer habe sich heftig gewehrt, soll gegen die Überzahl der Angreifer jedoch keine Chance gehabt haben, sich zu befreien. In der Wohnung des Ex-Freundes sollen die Misshandlungen fortgesetzt worden sein. Dort habe ihr die 31-jährige Angeklagte nochmals eine Ecstasy-Pille verabreicht, die 19-Jährige soll gedroht haben, ihr die Wange aufzuschlitzen.

Der Hass der älteren Angeklagten habe sich auf die jüngere übertragen, sagte der Anklagevertreter zum Prozessauftakt. Beide hätten beschlossen, dass ihr Opfer sterben müsse. «Sie schubsten es am späten Abend in die Oder und hofften, es würde ertrinken«, sagte der Staatsanwalt.

Insgesamt sind bis Anfang Januar nächsten Jahres zehn Verhandlungstage angesetzt. Die anderen Mitglieder der Gruppe werden sich in weiteren Strafverfahren vor Gericht verantworten müssen.

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