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Mord vor 33 Jahren: Erst lebenslange Haft, nun Freispruch

21.01.2021 - Eine Mutter wird vor den Augen ihres kleinen Sohnes getötet. Jahrelang tappt die Polizei im Dunkeln. Bis neue Methoden bei DNA-Analysen zu einem Mann führen. Doch ein erster Schuldspruch hat keinen Bestand.

  • Auf einer Richterbank liegt ein Richterhammer. Foto: Uli Deck/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Auf einer Richterbank liegt ein Richterhammer. Foto: Uli Deck/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der gewaltsame Tod einer Berlinerin, die vor mehr als 33 Jahren vor den Augen ihres kleinen Sohnes umgebracht worden war, bleibt vorerst ungesühnt. Das Landgericht der Hauptstadt hat einen 62-jährigen Mann im neu aufgelegten Prozess freigesprochen. Die Tat sei nicht zweifelsfrei bewiesen worden, entschied das Gericht am Donnerstag. Dem Mann, der mehr als zwei Jahre in Untersuchungshaft saß, wurde Haftentschädigung zugesprochen.

Die Staatsanwaltschaft, die eine lebenslange Freiheitsstrafe verlangt hatte, kündigte bereits Rechtsmittel an. Der 62-jährige Deutsche war in einem ersten Prozess im September 2019 schuldig gesprochen worden. Die Verurteilung wegen Mordes hatte der Bundesgerichtshof (BGH) allerdings auf Revision des Angeklagten aufgehoben und den Fall zur Neuverhandlung zurückverwiesen.

Die 30-Jährige war im September 1987 in ihrer Wohnung im Stadtteil Neukölln getötet worden. Der Täter hat die junge Mutter laut Ermittlungen mit einem Pullover stranguliert und dann mit einem Messer mehrmals in ihren Hals gestochen. Der zwei Jahre und acht Monate alte Sohn habe die Tat mitansehen müssen. Als der vier Jahre ältere Bruder aus der Schule kam, fand er die getötete Mutter.

Die Polizei tappte in dem Fall lange im Dunkeln. Anfang 1991 waren die Ermittlungen eingestellt worden. Ab 2015 wurden dann am Tatort sichergestellte Spuren mit neuen Methoden überprüft. Eine an der Kleidung der Frau sichergestellte DNA-Spur führte 2018 zu dem Angeklagten. Sein genetischer Fingerabdruck war in der Zentralen Datenbank des Bundeskriminalamtes (BKA) gespeichert gewesen.

Das Gericht könne jedoch «nicht mit der für eine Verurteilung erforderlichen Sicherheit sagen: Er hat die Tat begangen», sagte der Vorsitzende Richter Peter Schuster. Die fünf Richter der Strafkammer hätten «gründlich überlegt und viel diskutiert». «Zweifel sind geblieben.» Zwar seien die gesicherten DNA-Spuren «ein sehr starkes Indiz». Doch im Mund der Getöteten seien frische Spermaspuren gefunden worden, die zum Lebensgefährten der Frau passen würden, nicht aber zum Angeklagten. Der Partner der Frau sei allerdings am Morgen zur Arbeit gegangen und habe ein klares Alibi. «Wir können einfach nicht klären, woher die Spermaspuren stammen.»

Der kleine Sohn der Getöteten hatte damals von einem «Onkel Degake» gesprochen. Was sich das Kind dabei dachte, sei damals nicht zu klären gewesen, so das Gericht. Auch aus den Angaben eines Mithäftlings des 62-Jährigen aus der U-Haft seien keine tragfähigen Schlüsse zu ziehen. Vor Gericht sei der Mann nicht mehr «aussagewillig» gewesen. Was Auslöser des Verbrechens gewesen sein könnte, sei im Prozess offen geblieben. Der Angeklagte sei freizusprechen.

Der Staatsanwalt ging in seinem Plädoyer von einem Mord aus niedrigen Beweggründen aus. Weil die Frau, die er über eine Annonce kennengelernt habe, nach einigen Treffen Geld für Sex verlangt habe, sei er verärgert und wütend gewesen. Der Fall wird voraussichtlich ein zweites Mal den Bundesgerichtshof beschäftigen.

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