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Nabu zu Stopp von Insektizid: Beschluss von Bedeutung

19.05.2019 - Der umstrittene Einsatz eines Insektizids gegen einen Kiefern-Schädling wurde in Brandenburg von Naturschützern gerichtlich gestoppt. Der Naturschutzbund fordert als Alternative einen Waldumbau.

  • Brandenburgs Umwelt- und Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) spricht. Foto: Bernd Settnik/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Brandenburgs Umwelt- und Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) spricht. Foto: Bernd Settnik/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Potsdam (dpa/bb) - Nach dem Einsatzstopp des Insektizids «Karate Forst flüssig» in Brandenburg hat der Naturschutzbund (Nabu) eine Neuausrichtung der Forstwirtschaft gefordert. Vorrang müssten natürliche Formen des Pflanzenschutzes haben, sagte der Landesvorsitzende Friedhelm Schmitz-Jersch am Samstag. Dazu zähle ein Umbau des Walds hin zu Mischwäldern. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) hatte am Freitag das Versprühen des Insektizids gegen den Schädling «Nonne» in Brandenburg stoppt.

«Dem Beschluss kommt aus Sicht des Nabu [...] grundsätzliche Bedeutung zu», erklärte Schmitz-Jersch. Künftig werde das Versprühen von Insektiziden nur unter erheblich engeren Bedingungen und bei Sicherstellung des Artenschutzes möglich sein.

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hatte gegen das Versprühen des Insektizids mit Hubschraubern im Landkreis Potsdam-Mittelmark geklagt. Während das Verwaltungsgericht Potsdam den Einsatz für zulässig erklärte, stoppte das OVG am Freitag das Versprühen des Gifts. Nun muss sich das Verwaltungsgericht erneut damit befassen. Die Naturschützer befürchten durch das Insektizid eine schwerwiegende Schädigung des gesamten Öko-Systems.

Ministeriumssprecher Jens-Uwe Schade betonte, der Einsatz sei notwendig, um die Wälder vor dem Schädling zu retten. «Von den rund 7700 Hektar befallenen Kiefernwäldern wurden bislang rund zwei Drittel behandelt», sagte Schade am Samstag auf Anfrage. Für das restliche Drittel gebe es nur noch ein Zeitfenster von zwei Wochen. «Dann ist der Einsatz nicht mehr sinnvoll», sagte der Sprecher.

Schade betonte, bei dem Einsatz des Insektizids gehe es nicht um eine politische Entscheidung. «Die Empfehlung wurde vom Landeskompetenzzentrum Forst in Eberswalde auf der Grundlage von wissenschaftlichen Erkenntnissen ausgesprochen.»

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Benjamin Raschke nannte die Entscheidung des OVG am Samstag eine «schallende Ohrfeige» für Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD). Das Gericht hatte in seinem Beschluss am Freitag moniert, dass «die Genehmigungsbehörde die erforderlichen naturschutzrechtlichen, insbesondere artenschutzrechtlichen Prüfungen nicht durchgeführt» habe.

Um insbesondere Wildbienen zu schützen, forderte Raschke zudem ein Programm zum Ausstieg aus dem Einsatz von Pestiziden in Brandenburg. Der Grünen-Politiker verwies dabei auf einen Bericht der Aurelia-Stiftung, die sich für den Schutz der Bienen einsetzt. Danach seien im Landkreis Barnim 600 Kilogramm Honig mit Glyphosat verunreinigt worden, weil auf einem zu einem Imker angrenzenden Feld ein Unkrautvernichtungsmittel ausgebracht worden sei.

Der Imker hatte seinen Honig am Freitag aus Protest vor dem Berliner Landwirtschaftsministerium aufgebaut. Der Brandenburger Bauernbund reagierte am Sonntag mit Verwunderung auf die Aktion. «Das ist ein ärgerlicher Einzelfall, in 99 Prozent der Fälle funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Bauern und Imkern gut», meinte Bauernbund-Vorstand Thomas Kiesel. Grundsätzlich sei es die Aufgabe des Imkers, sich mit den im Flugradius seiner Bienen arbeitenden Landwirten abzusprechen. «Weil beide Seiten voneinander profitieren, läuft das im Regelfall reibungslos.»

In Brandenburg laufen derzeit zwei verschiedene Volksinitiativen zum Schutz der Insekten. Die Initiative «Artenvielfalt retten - Zukunft sichern» von Umwelt- und Naturschutzverbänden strebt ein Verbot für den Einsatz von Pestiziden in bestimmten Schutzgebieten an. Dagegen setzt die Initiative «Mehr als nur ein Summen - Insekten schützen, Kulturlandschaft bewahren!» des Landesbauernverbands auf eine Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln statt auf ein Verbot.

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