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Nach Randale 13 Frauen und 7 Männer kurz festgesetzt

06.06.2020 - Etwa 50 dunkel gekleidete Personen ziehen durch Neukölln. So zeigen es jedenfalls Videos, die in sozialen Medien kursieren. Neuköllns Bürgermeister Hikel spricht von einer sinnlosen Tat - und findet noch etwas anderes perfide.

  • Ein Blaulicht der Polizei leuchtet auf. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/ZB © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Blaulicht der Polizei leuchtet auf. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/ZB © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Nach der Randale in Berlin-Neukölln in der Nacht zum Samstag hat die Polizei 20 Personen - 13 Frauen und 7 Männer - kurzzeitig festgesetzt. Ihre Identitäten wurden festgestellt, danach wurden alle wieder entlassen, wie die Polizei am Samstag mitteilte. Etwa 70 Polizisten waren im Einsatz. Die Polizei geht von einem linksextremistischen Hintergrund aus. Sie ermittelt wegen Sachbeschädigung und besonders schweren Landfriedensbruchs.

Kurz nach 22.00 Uhr am Freitagabend hätten mehrere Anrufer die Polizei alarmiert, hieß es. Etwa 50 Personen sollen teilweise vermummt und mit Fackeln in den Händen vom Richardplatz Richtung Karl-Marx-Straße gezogen sein. Dort sollen nach bisherigen Erkenntnissen Steine auf die Fenster von neun Geschäften geworfen worden sein, die teilweise vollkommen zu Bruch gingen. In der Richardstraße wurde ein Müllcontainer in Brand gesetzt.

Mehrere Hauswände wurden beschmiert. Nach Auskunft einer Polizeisprecherin wurden die Schriftzüge «GFLOYD» und «No justice, no peace» (Keine Gerechtigkeit, kein Frieden) hinterlassen. Der Afroamerikaner George Floyd war vorige Woche in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota gestorben, nachdem ein weißer Polizeibeamter sein Knie minutenlang an seinen Hals gedrückt hatte.

In der Nacht war nach Auskunft eines Polizeisprechers auch ein Zusammenhang mit dem gerichtlichen Räumungsbeschluss für das Wohnprojekt «Liebig 34» in der zurückliegenden Woche vermutet worden. Das alternative Wohnprojekt gilt als eines der letzten Symbole der linksradikalen Szene in der Hauptstadt.

Der für politische Straftaten zuständige Staatsschutz stellte laut Polizei auf einer als linksextrem eingestuften Internetseite ein veröffentlichtes Bekennerschreiben zu den Sachbeschädigungen in Neukölln fest, das als authentisch eingestuft werde. In diesem Zusammenhang bitten die Ermittler um Hinweise zu dem Geschehen. Sie fragen unter anderem, wer in der Nähe des Tatortes Personen gesehen habe, die sich gegebenenfalls umkleideten oder vermummten und wohin und mit welchen Verkehrsmitteln diese geflüchtet seien.

Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) kritisierte den Vorfall scharf. «Für diese sinnlose und zerstörerische Randale kann es kein Verständnis und keine Rechtfertigung geben», sagte Hikel. Besonders perfide finde er, dass diese Personen den Namen von George Floyd hinterlassen hätten und damit auf die Proteste Hunderttausender in den USA gegen Rassismus Bezug nähmen. Eingeschlagene Fensterscheiben von Optikern und Supermärkten in Neukölln hätten nichts mit dem wichtigen Protest gegen Rassismus zu tun. «Ganz im Gegenteil: Ein solches Verhalten ist dämlich, unsolidarisch und schadet dem tatsächlichen Protest gegen Rassismus - in Neukölln und überall», sagte Hikel.

Am Nachmittag wollten sich zum Gedenken an George Floyd zahlreiche Menschen zu einer Demonstration gegen Rassismus und Polizeigewalt auf dem Alexanderplatz treffen. Auch in anderen Städten waren dazu sogenannte stille Demos angekündigt.

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