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Nawalny: Politische Uneinigkeit, gesundheitliche Besserung

20.09.2020 - Der vergiftete russische Oppositionelle Alexej Nawalny erholt sich offenbar langsam von der Attacke. Unterdessen wird in Deutschland weiter gestritten, welche Konsequenzen aus dem Fall gezogen werden sollen.

  • Das Charité Bettenhochhaus ist zu sehen. Foto: Christoph Soeder/dpa/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Das Charité Bettenhochhaus ist zu sehen. Foto: Christoph Soeder/dpa/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Im Fall des vergifteten Kremelkritikers Alexej Nawalny zeichnet sich kein Ende des Streits über das weitere Vorgehen ab. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) griff die Bundesregierung für ihren Kurs in der Russland-Politik an. Es dürfe nicht darum gehen, die Eskalation mit Russland immer weiter zu drehen. Kretschmer kritisierte am Wochenende insbesondere Außenminister Heiko Maas (SPD): Dass Maas «so durchdreht, ist kein gutes Zeichnen für dieses Land». Maas hatte von Indizien gesprochen, dass der Kreml hinter dem Giftanschlag auf den russischen Oppositionspolitiker Alexej Nawalny stehen könnte.

Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen hält ein Rechtshilfeersuchen Russlands im Fall Nawalny für problematisch, weil der Kremlkritiker so von russischen Ermittlern befragt werden könnte. Dies sei ihm nicht zuzumuten, sagte er der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung».

Unterdessen hat sich Nawalnys Gesundheitszustand weiter gebessert. Nach mehrwöchigem Koma veröffentlichte er am Samstag ein Bild von sich auf Instagram, das ihn stehend auf einer Treppe in der Berliner Universitätsklinik Charité zeigt. Der 44-Jährige dankte in der am Samstag bei Instagram veröffentlichten Nachricht den «brillanten Ärzten» der Klinik. «Sie haben mich von einem «technisch lebendigen Menschen» zu jemandem gemacht, der alle Chancen hat, wieder eine Hohe Lebensform der Modernen Gesellschaft zu werden», schrieb er. Er werde zu jemandem, der wieder rasch Instagram nutze und «ohne nachzudenken versteht, wo ein Like hingehört».

«Jetzt bin ich ein Kerl, bei dem die Beine zittern, wenn er die Treppen läuft», schrieb er passend zu dem Bild auf den Stufen. Er hält sich mit blauen Handschuhen am Geländer fest. Noch vor kurzem aber habe er nicht einmal Menschen erkannt und nicht begriffen, wie das Reden geht. «Das hat mich zur Verzweiflung getrieben, weil ich ja im Grunde schon verstanden habe, was der Doktor will, aber ich wusste nicht, woher ich die Worte nehmen soll.» Er habe einfach geschwiegen, weil er seine Verzweiflung nicht habe ausdrücken können.

Nawalny wird seit dem 22. August in der Charité behandelt. Wochenlang lag er in einem künstlichen Koma. Nach Angaben von Speziallaboren wurde er mit einem international verbotenen Nervenkampfstoff der Nowitschok-Gruppe vergiftet. Russland bestreitet Vorwürfe, etwas mit dem Fall zu tun zu haben.

Nawalnys Stabschef warf in der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» namentlich Kremlchef Wladimir Putin eine Beteiligung an der Vergiftung des Oppositionellen vor. «Nowitschok kriegt man nicht im Laden. Es ist eine verbotene Waffe, nur das Militär kann sie herstellen. Jemand muss also angeordnet haben, es an die Täter auszuhändigen. Da gibt es Befehlsketten, und jede Person in dieser Kette musste sicher sein, dass die Weitergabe von ganz oben autorisiert ist», sagte Leonid Wolkow der Zeitung. Auf die Frage, was mit «von ganz oben» gemeint sei, antwortete er: «... von Putin.»

Nawalny geht nach eigener Darstellung noch von einem längeren Weg bis zu seiner Genesung aus. Es gebe noch viele Probleme zu lösen. Das Telefon fühle sich in der Hand an wie ein Stein. «Und sich selbst Wasser einschenken ist eine richtige Attraktion.» Der Post erhielt innerhalb weniger Minuten mehr als 200 000 Likes - bis Sonntagnachmittag waren es fast 800 000.

Der Kreml wies zuletzt auch Darstellungen von Nawalnys Team zurück, der Gegner des russischen Präsidenten Wladimir Putin sei vermutlich in einem Hotel in Tomsk in Sibirien vergiftet worden. Das Team hatte dort nach eigenen Angaben eine Wasserflasche sichergestellt, bei der ein Labor in Deutschland Nowitschok-Spuren gefunden habe.

Nach seiner Abreise aus Tomsk war er am 20. August auf einem Flug nach Moskau zusammengebrochen. Das Flugzeug war dann in Omsk gelandet, wo Nawalny bis zu seinem Rettungsflug nach Deutschland behandelt worden war.

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