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OB will Rechenzentrum und Kirchturm architektonisch vereinen

08.07.2020 - Seit Jahrzehnten wird über den Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche und den Erhalt des benachbarten Rechenzentrums aus DDR-Zeiten erbittert gestritten. Nun macht Oberbürgermeister Schubert einen Vorschlag, der die widerstreitenden Parteien einen soll.

  • Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD). Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD). Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) will nach dem Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche diesen mit dem benachbarten Rechenzentrum aus DDR-Zeiten architektonisch zusammenführen. So könne man den Bruch mit der Geschichte der einstigen preußischen Militärkirche in der Architektur deutlich machen, sagte Schubert der Deutschen Presse-Agentur.

«Eine originalgetreue Restauration der kompletten Kirche ohne einen klaren architektonischen Bruch wäre eine Botschaft, die nicht in die Stadt passt», betonte Schubert. Einen Antrag der CDU-Fraktion, die gesamte Kirche originalgetreu wiederaufzubauen, hatte eine Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung im Juni abgelehnt. Gleichzeitig fasste sie den Beschluss, eine Lösung für die Fläche des ehemaligen Kirchenschiffs zu finden. Derzeit läuft die originalgetreue Wiederrichtung des 90 Meter hohen Kirchturms in der Innenstadt.

Gemeinsam mit der Stiftung und der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche hatte Schubert dem Architekten Daniel Libeskind einen Brief geschrieben und zu einem Austausch von Ideen zum Bau des Kirchenschiffs eingeladen. Libeskind hatte zuvor Interesse an dem Projekt bekundet. «Unser Brief an Libeskind stand unter der Überschrift «Brüche respektieren, Brücken bauen». Das war fast das wichtigere Signal als die Antwort an Herrn Libeskind selbst», betonte Schubert.

Denn erstmalig hätten sich damit die Spitzen der Stiftung, der Fördergesellschaft und der Stadt Potsdam gemeinsam und deutlich für einen Bruch am Gebäude und nicht für einen historischen Wiederaufbau ausgesprochen. Der Architekt habe unter anderem bei der Gestaltung des Militärhistorischen Museums in Dresden ein Beispiel gegeben, Brüche in der Architektur deutlich zu machen.

Der Oberbürgermeister setzt darauf, bei der Gestaltung des Kirchenschiffs Befürworter und Gegner des Wiederaufbaus der Garnisonkirche zu überzeugen. «Das kann ein Ort des produktiven Streits über Geschichte, Politik und Demokratie werden, ein Ort der Information, Bildung, der neuen Ideen und kreativen Ausdrucksformen», sagte Schubert. «Dafür brauchen wir eine neue gemeinsame Architektursprache.» Er hatte bereits im vergangenen Jahr dafür geworben, das Kirchenschiff künftig als internationale Jugendbegegnungsstätte zu nutzen.

Bis zum Jahr 2023 will sich Schubert zunächst mit allen Beteiligten über die künftige inhaltliche Arbeit in der Garnisonkirche verständigen. «Auf dieser Basis können wir nach einer Ausschreibung, bei der sicherlich viele gute Ideen präsentiert werden, einen Bau schaffen, bei dem Architektur und Inhalte miteinander korrespondieren», betonte der Oberbürgermeister. Er freue sich über das Interesse der Wüstenrot-Stiftung an der Restaurierung des Mosaiks «Der Mensch bezwingt den Kosmos» von Fritz Eisel. Es sei aber kein Vorgriff auf noch ausstehende Entscheidungen.

Derzeit wird das Rechenzentrum als Kreativzentrum genutzt. Das Gebäude stehe aber zu einem Teil auf dem Grundriss der ehemaligen Garnisonkirche und zu dicht an dem Turm, so dass es aus baurechtlichen Gründen nicht dauerhaft so erhalten bleiben könne, erklärte Schubert. «Wenn wir eine spannende architektonische Verbindung von dem Gebäude und dem Turm finden, wäre das Problem gelöst.»

Gegen den Wiederaufbau der Garnisonkirche wenden sich mehrere - darunter auch christliche - Initiativen. Die Gegner sehen in dem historischen Bau ein Symbol des Militarismus und einen Treffpunkt rechtsnationaler Bewegungen in den 1920er und 1930er Jahren. Sie erinnern auch an den «Tag von Potsdam», als am 21. März 1933 Reichspräsident Paul von Hindenburg dem neuen Reichskanzler Adolf Hitler vor der Kirche die Hand reichte. Die Stiftung betont dagegen, sie wolle in dem Neubau den Geist der Versöhnung und des Friedens pflegen.

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