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Clans und Kokainschwemme: Organisierte Kriminalität

11.12.2019 - Wenn tonnenweise Kokain nach Europa gelangt, Dutzende Luxuslimousinen verschwinden oder spektakuläre Einbrüche verübt werden, geht es um Organisierte Kriminalität. Die Ermittlungen sind auch schwierig, weil die Täter fast immer in fremden Sprachen kommunizieren.

  • Polizeipräsidentin Barbara Slowik und Innensenator Andreas Geisel (SPD) bei einer Pressekonferenz. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Polizeipräsidentin Barbara Slowik und Innensenator Andreas Geisel (SPD) bei einer Pressekonferenz. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Berlin (dpa/bb) - Organisierte Verbrecher aus Staaten der früheren Sowjetunion, Rockerbanden sowie arabischstämmige Clans sind die auffälligsten Akteure der Organisierten Kriminalität (OK) in Berlin. Die vietnamesische Mafia spielt hingegen nach Einschätzung der Polizei keine bedeutende Rolle mehr, auch die italienische Mafia ist wenig präsent. Das geht aus einem sogenannten OK-Lagebild der Kriminalpolizei hervor, das am Mittwoch zum ersten Mal veröffentlich wurde. «Die russisch-eurasische OK, das ist eine harte Nuss», sagte der Abteilungsleiter im Landeskriminalamt (LKA) für den OK-Bereich, Sebastian Laudan.

In dem Bereich gebe es sichtbare Gewalt, etwa von tschetschenischen Banden. Gleichzeitig sei die klassische russische Kriminalität «schlauer geworden» und habe gelernt, sich der «qualifizierten Wirtschaftskriminalität» zuzuwenden, sagte Laudan. Das spiele sich im Millionen- bis Milliarden-Euro-Bereich ab.

Das Berliner Landeskriminalamt (LKA) und andere Behörden führten im vergangenen Jahr 59 große Ermittlungskomplexe zum Thema Organisierte Kriminalität. Die Verbrecherbanden waren vor allem aktiv beim Autodiebstahl, Rauschgifthandel, Schmuggel- und Zolldelikten, Zwangsprostitution, Fälschungen und Schleusungen. Oft waren die Täter bundesweit oder international vernetzt. Allein bei 40 Prozent der 59 Ermittlungskomplexe ging es um Rocker, Tschetschenen oder Mitglieder arabischstämmiger Großfamilien.

462 Verdächtige wurden von der Kripo erfasst. 289 (62,5 Prozent) hatten eine ausländische Staatsangehörigkeit. Diese Verdächtigen kamen vor allem aus Bulgarien, der Türkei, Polen, Russland, der Ukraine, Litauen, Serbien und Nigeria. 173 Verdächtige waren Deutsche, viele von ihnen mit Migrationshintergrund.

Die registrierten Schäden durch Organisierte Kriminalität liegen laut dem Bericht bei insgesamt knapp 100 Millionen Euro. Der tatsächliche Schaden sei aber noch deutlich höher, sagte Innensenator Andreas Geisel (SPD). Er wies auf das sogenannte Dunkelfeld hin, also den Bereich der nicht angezeigten Taten, hin. Geisel wies darauf hin, dass das Landeskriminalamt mit seinen rund 3000 Leuten in den vergangenen beiden Jahren 211 neue Personalstellen erhalten habe und in den nächsten beiden Jahren weitere 204 Stellen dazu kämen.

Ein wichtiger Geschäftszweig der Organisierten Kriminalität sei weiterhin der Drogenhandel, sagte Laudan. «Die Rauschgiftkriminalität ist das Schmiermittel der Organisierten Kriminalität. Das war schon vor vielen Jahren so, das wird auch in der Zukunft so sein.»

Neben Cannabis spiele auch Kokain als Party- und Businessdroge eine große Rolle. «Wir erleben gerade bundesweit, europaweit kann man sagen, eine Kokainschwemme ungeahnten Ausmaßes», sagte Laudan. Es gehe um beschlagnahmte Koks-Mengen, «die man vor Jahren noch nicht hat glauben können». Dabei sei Berlin sowohl Umschlagplatz als auch Zielort von Drogenschmuggel und Drogenhandel.

Das «sehr einträgliche Geschäft» mit dem Kokain werde von diversen Banden, Gruppen und Ethnien betrieben, sagte Laudan. «Ein großer Teil des Rauschgifthandels wird mittlerweile über das Internet abgewickelt. Und nicht nur über das Darknet, sondern auch über das Internet ganz allgemein.» Das gelte auch für das Falschgeld, den Waffenhandel und den Menschenhandel.

Zu den arabischstämmigen Großfamilien sagte Geisel, dass keineswegs alle Mitglieder kriminell seien. Es gebe aber «eine hohe Anzahl von Personen, die auffällig sind.» Dazu gehörten in den Clanstrukturen Menschen, «die im Bereich Organisierte Kriminalität auffällig sind». Aber eben auch zahlreiche Andere, die nur in der zweiten Reihe aktiv seien mit kleinen Delikten. Vorgehen müsse der Rechtsstaat gegen beides.

Polizeipräsidentin Barbara Slowik ergänzte: «Clankriminalität ist nicht automatisch gleich OK.» Es gehe bei den Clans auch um «Regelverstöße» und «Dominanzverhalten» wie Hochzeitskorsos und demonstratives falsches Parken. «Nicht jede Razzia gegen Clans richtet sich auch gegen die Organisierte Kriminalität.»

Im kommenden Frühjahr will die Polizei zu den arabischstämmigen Clans eine eigene Analyse vorstellen. Dabei soll es um lokale Brennpunkte, Kriminalitätsbereiche und die Razzien und Einsätze der Polizei gehen.

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