Diese Seite benötigt Javascript! Bitte aktivieren Sie Javascript für eine korrekte Darstellung.

Polizei nach SUV-Unfall: Genauer Ablauf weiterhin unklar

10.09.2019 - Was geschah in den Sekunden vor dem Unfall am Freitag in Berlin? Es gibt Zeugenaussagen und ein Video, aber noch keine Gewissheit.

  • Ein zerstörtes Auto steht in einem Gebüsch in Berlin-Mitte. Foto: Britta Pedersen/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein zerstörtes Auto steht in einem Gebüsch in Berlin-Mitte. Foto: Britta Pedersen/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Berlin (dpa/bb) - Vier Tage nach dem schweren Autounfall mit vier toten Menschen in Berlin-Mitte setzt die Polizei alles daran, den genauen Ablauf und die Schuldfrage zu klären. «Der genaue Unfallhergang ist weiterhin unklar», teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag mit. Die Polizei schaltete ein Portal im Internet frei, über das Fotos, Videos und Hinweise online geschickt werden können (https://be.hinweisportal.de).

Am Freitagabend fuhr ein Porsche Macan auf der Gegenfahrbahn an wartenden Autos vorbei und kam dann von der Straße ab. Der SUV rammte eine Ampel, überfuhr die vier Menschen auf dem Gehweg und durchbrach einen Bauzaun. Unter den Opfern befand sich ein dreijähriger Junge. Nach dem Unfall gab es einen Hinweis eines Zeugen, dass der 42-jährige Fahrer am Steuer einen epileptischen Anfall erlitten haben soll - und dass er an dem Tag entsprechende Medikamente eingenommen hat.

Ob das tatsächlich so war, ist weiter unklar. Die Polizei wollte die Krankenakte des Mannes beschlagnahmen. Die für Auskünfte zuständige Pressestelle der Generalstaatsanwaltschaft war am Dienstag nicht zu erreichen. In der Regel dürfen Epileptiker nicht Auto fahren. Ausnahmen gibt es unter Umständen, wenn sie mindestens ein Jahr ohne Anfall waren.

Bisher ist ein Video bekannt, dass das Unfallauto zeigen soll. Zu sehen ist, wie der Wagen auf der Gegenfahrbahn fährt, vorbei an den auf der rechten Spur wartenden Autos. Anschließend fährt er geradeaus auf den Gehweg an der Kreuzung zu, wo Menschen stehen.

Auch am Dienstag legten Menschen Blumen an der Unfallstelle an der Kreuzung Invalidenstraße und Ackerstraße nieder. Inzwischen regelt eine behelfsmäßige Ampel den Verkehr. Die umgefahrenen Poller wurden weitgehend ersetzt.

Die St. Elisabeth-Kirche, die direkt am Unfallort liegt, soll von Donnerstag bis Sonntag (10.00 bis 19.00 Uhr) wieder zum stillen Gedenken öffnen. Am Freitag ist um 19.00 Uhr eine Andacht für die Unfallopfer geplant. Die Kirche war schon am Wochenende ein Rückzugsort für trauernde Menschen.

Im Internet wird viel über den Unfall diskutiert. Unter anderem kursiert das Gerücht, der Fahrer des Unfallwagens sei Marokkaner. «Terroranschlag?», fragte ein Mann. Nach Auskunft der Polizei ist der Fahrer Deutscher. Er sei auch nicht marokkanischer Herkunft, sondern habe einen typischen deutschen Vornamen.

Der Unfall entfachte eine Debatte über Sportgeländewagen in Innenstädten. Grünen-Politiker, die Deutsche Umwelthilfe und alternative Verkehrs- und Fußgänger-Verbände forderten Einschränkungen für die Geländewagen. Nach Einschätzung von Experten aus der Unfallforschung und der Polizei gab es aber keine Hinweise dafür, dass der Unfall mit einem anderen Auto anders verlaufen wäre. Viele Limousinen sind genauso schwer und schnell wie das Unfallauto.

Eine Werbeanzeige für einen Mercedes-Sportgeländewagen wurde inzwischen von Daimler gestoppt, wie ein Sprecher bestätigte. Mit dem Slogan «Sie jagen gern Abenteuer in der Großstadt?», hatte der Autokonzern geworben. Der frühere Tech-Blogger Sascha Pallenberg, der inzwischen für Daimler arbeitet, schrieb auf Twitter, der Slogan sei bereits vor Monaten entworfen worden. «Es war zu keiner Zeit unsere Absicht damit Gefühle zu verletzen. Angesichts des tragischen Unfalls in Berlin haben wir uns entschlossen, diesen nicht weiter zu nutzen.»

Die Polizei in Berlin will von Mittwoch bis Freitag verstärkt gegen Verkehrssünder vorgehen. Dazu soll es in der ganzen Stadt Kontrollen geben. Im Fokus stehen besonders falsches Abbiegen, zu schnelles Fahren, das Ignorieren von roten Ampeln, Telefonieren am Steuer, falsches Parken und auch Verstöße von Radfahrern und E-Scooter-Fahrern. Die Aktion sei aber schon länger vor dem Unfall geplant worden, sagte eine Sprecherin.

Schließen

Aus Sicherheitsgründen werden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet.

Um das zu verhindern, werden Sie bitte vor Ende dieses Zeitraums wieder aktiv.

Nach erfolgtem Logout können Sie sich erneut anmelden.
Aus Sicherheitsgründen wurden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet. Bitte loggen Sie sich erneut ein.

Homepage aktualisieren