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Radschnellwege durch Parks? «Verbrechen an Natur» befürchtet

18.09.2020 - Der Berliner Naturschutzbund (Nabu) hat sich vehement gegen Überlegungen ausgesprochen, breite, asphaltierte Trassen für Radfahrer durch Berliner Parks und Grünanlagen zu führen. Der Bau wäre «ein ökologisches Desaster und ein Verbrechen an der Berliner Natur», erklärte der erste Vorsitzende des Nabu Berlin, Rainer Altenkamp, am Freitag. Befürchtet wird demnach, dass die elf in Berlin geplanten Radschnellwege zu einer Zerschneidung und zum Teil erheblichen Verkleinerung von Parks sowie zu einer weiteren Versiegelung von Flächen führen könnten. Über die Erwägungen hatten zuvor mehrere Medien berichtet. Der Nabu ist der Ansicht, es müssten und könnten für das Wegesystem vorhandene Straßen genutzt werden.

  • Blick auf einen Radschnellweg. Foto: Christoph Schmidt/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Blick auf einen Radschnellweg. Foto: Christoph Schmidt/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Wie der Sprecher der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, Jan Thomsen, am Freitag auf Anfrage erklärte, befinde man sich «noch in der intensiven Diskussions- und Untersuchungsphase vor jeder Festlegung genauer Routen». In Machbarkeitsstudien sei nicht von vornherein ausgeschlossen worden, «dass Radschnellwege in einzelnen Abschnitten auch durch Grünanlagen führen können. Zugleich steht aber auch nicht fest, dass es überhaupt Streckenabschnitte in Grünanlagen geben wird.»

Bei dem Thema gebe es einen Zielkonflikt, der auch wiederholt mit Verbänden und Bürgern diskutiert worden sei, räumte Thomsen ein: Auf Radschnellwegen gelte Vorrang für Radfahrer, in Parks für Fußgänger. Ob und inwiefern es Streckenabschnitte geben könne, in denen dieser Zielkonflikt für alle Betroffenen gut zu lösen ist, werde im weiteren Verfahren geklärt. Der «Tagesspiegel» berichtete, Routen sollen «aus den Grünanlagen herausgelöst und zu Verkehrsflächen umgewandelt werden, auf denen die Regeln der Straßenverkehrsordnung gelten.

Das Berliner Mobilitätsgesetz sieht den Bau von mindestens 100 Kilometer Radschnellverbindungen vor. Damit sollen Radfahrer möglichst ohne Umwege und weitestgehend ohne Zwischenstopps vorankommen können, etwa vom Umland ins Zentrum. Radschnellwege sollen deutlich breiter sein als andere Radwege, vom Fußverkehr getrennt, gut beleuchtet und asphaltiert. «Der Baubeginn wird voraussichtlich nicht vor 2022 erfolgen», heißt es bei den Planern von Infravelo, einer Tochter der landeseigenen Grün Berlin GmbH.

Schon im Sommer 2019 hatten sich vier Umwelt- und Verkehrsverbände gemeinsam dagegen ausgesprochen, «breite Asphaltbänder auf heute grünen Promenaden anzulegen» und Spaziergänger «auszusperren».

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