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Scheeres: Kostenloses Mittagessen für Schüler kommt gut an

07.08.2019 - Nach negativen Nachrichten und scharfer Kritik an ihrer Arbeit will Bildungssenatorin Scheeres wieder in die Offensive kommen. Von Gipfel- und Rücktrittsforderungen gibt sie sich unbeeindruckt.

  • Sandra Scheeres (M, SPD) sitzt in einer Grundschule mit Schülern am Tisch. Foto: Jörg Carstensen © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Sandra Scheeres (M, SPD) sitzt in einer Grundschule mit Schülern am Tisch. Foto: Jörg Carstensen © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Berlin (dpa/bb) - Das neue kostenlose Schulmittagessen für bis zu 198 000 Berliner Grundschüler zeigt nach Angaben von Bildungssenatorin Sandra Scheeres Wirkung: «Das Angebot wird auf jeden Fall angenommen», sagte die SPD-Politikerin am Mittwoch beim Besuch der Martin-Niemöller-Grundschule in Hohenschönhausen. Schon kurz nach Beginn des neuen Schuljahres werde deutlich, dass mehr Kinder als bisher in den Schulen zu Mittag essen. Jeden Tag kämen neue hinzu, so dass es für eine endgültige Bilanz noch zu früh sei.

«An allen rund 370 Grundschulen wird es ein Mittagangebot geben», unterstrich Scheeres. An fast allen Schulen seien Lösungen gefunden worden, teils auch für eine Übergangszeit. Lediglich an drei oder vier Schulen gebe es «stärkere Probleme» mit der Umsetzung. Hier seien zum Beispiel größere bauliche Veränderungen nötig. Vor diesem Hintergrund seien im Doppelhaushalt 2020/2021 rund 24 Millionen Euro für ein Sonderprogramm zum Bau von Mensen eingeplant.

Der CDU-Landesvorsitzender Kai Wegner sagte beim Besuch der Grundschule an der Wuhlheide, Schulen und Bezirke könnten das kostenfreie Schulessen nur «mit allergrößten Kraftanstrengungen» umsetzen. «Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht.» In manchen Schulen seien Zelte aufgestellt worden, um Raum für das Mittagessen zu schaffen. «Diese Maßnahmen dürfen maximal kurzfristige Provisorien sein», forderte Wegner.

Ziel der neuen sozialpolitischen Maßnahme der rot-rot-grünen Koalition ist es, jedem Kind eine warme Mahlzeit am Tag zu ermöglichen. Das sei nicht in jeder Familie selbstverständlich, so Scheeres. Wichtig sei auch eine gute Qualität der Speisen. Bisher nahmen viele Kinder nicht am Mittag teil, weil ihre Eltern die Kosten von monatlich 37 Euro nicht stemmen konnten oder wollten.

In beiden Schulen, die von Politikern besucht wurden, essen die Schüler ab 11.00 Uhr in Schichten. An der Niemöller-Grundschule nehmen nach Angaben von Schulleiterin Monika Rümpel im Moment 525 von 650 Schülern am Mittag teil. Im letzten Schuljahr waren es um die 300.

Scheeres steht momentan wegen Qualitätsproblemen wie schlechten Deutsch- und Mathe-Kenntnissen etlicher Schüler und eines in zwei Jahren drohenden Mangels von mehr als 20 000 Schulplätzen stark unter Druck. Wegner forderte am Vortag ihren Rücktritt. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und andere sprechen von einer «Bildungskrise» in der Hauptstadt und forderten, auf einem «Bildungsgipfel» mit allen Beteiligten über Lösungen zu beraten.

«Ich sehe nicht, dass wir eine Bildungskrise in Berlin haben», sagte Scheeres bei dem Termin in Hohenschönhausen dazu. In den vergangenen Jahren seien in die Schulen viele zusätzliche Ressourcen geflossen. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern gelinge es mit Hilfe von Seiteneinsteigern, alle Lehrerstellen zu besetzen. Zudem habe sie ein Qualitätspaket mit fast 40 Maßnahmen auf den Weg gebracht. Und dass Schulplätze fehlten, sei nichts neues. Gerade deswegen habe Rot-Rot-Grün die milliardenschwere Schulbauoffensive gestartet.

Vor diesem Hintergrund erteilte Scheeres der Forderung nach einem «Bildungsgipfel» eine Absage. Ein solches Treffen sei «ein einmaliger Moment», ihr sei aber an einer kontinuierlichen Weiterentwicklung der Schulen und einer intensiven fachlichen Debatte gelegen. Auch deshalb habe sie eine «Qualitätskommission» mit internen und externen Fachleuten eingesetzt, darunter Schüler- und Elternvertretern.

Mit der Ankündigung der Kommission am Dienstag hatte Scheeres ihren Kritikern Wind aus den Segeln nehmen wollen. Das schon länger geplante Gremium soll die Umsetzung von Maßnahmen begleiten, die Anfang des Jahres beschlossen worden waren, etwa eine Ausweitung des Deutsch-Unterrichts und neue Ansätze beim Mathematik-Unterricht.

Die GEW zeigte sich am Mittwoch verwundert über das Agieren der Senatorin. «Am Donnerstag verkündet Sandra Scheeres einen reibungsfreien Schulstart. Über das Wochenende klafft plötzlich eine Lücke von 25 000 Schulplätzen, und zwei Tage später soll der Bildungsforscher Olaf Köller plötzlich eine Qualitätskommission leiten - diese Abfolge erstaunt uns schon sehr», sagte der GEW-Landesvorsitzende Tom Erdmann der Deutschen Presse-Agentur.

«Ohne die Verbesserungen der Arbeitsbedingungen für die Berliner Pädagogen und der Rahmenbedingungen der Schulen lässt sich auch die Qualität nicht anheben», fügte er hinzu. «Das muss der Maßstab sein, damit die GEW Berlin sich an der Arbeit einer solchen Kommission beteiligen kann.»

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