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Seniorenwohnanlage komplett geräumt: 28 Corona-Infektionen

28.04.2020 - Statt in ihrer Wohnanlage leben etwa 100 Berliner Senioren nun in Krankenhäusern. Wegen Corona-Infektionen wurde eine komplette Anlage im Bezirk Lichtenberg evakuiert. Der Chef des Pflegedienstes hat eine Vermutung, wie es zu dem Ausbruch kommen konnte.

  • Elektronenmikroskopische Aufnahme zeigt das SARS-CoV-2-Virus. Foto: Uncredited/NIAID-RML/via Ap/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Elektronenmikroskopische Aufnahme zeigt das SARS-CoV-2-Virus. Foto: Uncredited/NIAID-RML/via Ap/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Eine Berliner Seniorenwohnanlage im Bezirk Lichtenberg ist wegen 28 bekannter Corona-Infektionen unter den Patienten in der Nacht zu Dienstag komplett geräumt worden. Laut Senatsverwaltung für Gesundheit wurden auch die weiteren 75 Bewohner aus dem Haus gebracht. Die Senioren kamen laut dem zuständigen Pflegedienst in neun Krankenhäusern unter. «Weitere Einrichtungen des Betreibers sollen auf Covid-19 getestet werden», kündigte Verwaltungssprecher Moritz Quiske an.

Außerdem sollen Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln, wie es zu dem Ausbruch der Krankheit kommen konnte. Vor einigen Wochen gab es bereits einen größeren Ausbruch in einem Neuköllner Pflegeheim. Dort sind noch immer nicht alle Betroffenen genesen.

Andreas Chickowsky, Leiter des zuständigen ambulanten Pflegedienstes in Lichtenberg, vermutet, der Ausbruch sei darauf zurückzuführen, dass sich nicht alle Bewohner an die Empfehlung gehalten haben, in der Anlage zu bleiben. «Viele haben sich an die Maßnahmen gehalten, einige nicht», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Bei einigen habe die Einsicht gefehlt. Der älteste Bewohner ist 101, der jüngste 50 Jahre alt.

Chickowsky rechnet damit, dass die Patienten erst in 10 bis 14 Tagen zurückkehren können. Am Dienstag wollten er und sein Team klären, welche Bewohner in welchen Krankenhäusern untergekommen sind, um die Angehörigen genauer informieren zu können. Außerdem hoffe er, dass die Räume in der Anlage gründlich desinfiziert werden.

An Schutzmaterial habe es nicht gemangelt, sagte Chickowsky. Es sei aber zum Teil auf abenteuerlichen Wegen organisiert worden. So habe ein Kollege beispielsweise Desinfektionsmittel in geschlossenen Nagelstudios im Don-Xuan-Center in Lichtenberg aufgekauft. An die Bewohner der Anlage seien Masken ausgeteilt worden.

In Berliner Seniorenheimen haben sich bislang 186 Bewohner und 98 Mitarbeiter nachweislich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. 38 Bewohner seien an einer Erkrankung gestorben, sagte Verwaltungssprecher Quiske. Ihm zufolge sind insgesamt 48 Einrichtungen betroffen. Bereits seit einigen Tagen verhandelt die Verwaltung laut Quiske mit den zuständigen Verbänden über großflächige Tests in Senioren-Einrichtungen auf freiwilliger Basis.

Seit Beginn der Corona-Pandemie hat es bundesweit etliche Covid-19-Ausbrüche in Pflegeheimen gegeben. Dabei steckten sich zahlreiche Bewohner und Pfleger an, viele Menschen sind gestorben. In dem Heim im Neuköllner Ortsteil Britz sind seit dem Ausbruch Anfang April sind noch immer nicht alle betroffenen Bewohner und Mitarbeiter wieder gesund.

Insgesamt hätten sich 26 Bewohner infiziert und 9 seien mit einer Infektion gestorben, sagte die Geschäftsführerin des Diakoniewerks Simeon, Marion Timm. Es lasse sich aber nicht genau sagen, ob die Covid-19-Erkrankung auch die alleinige Todesursache war. Außerdem hätten sich 14 Mitarbeiter infiziert; eine sei wieder genesen.

Im aktuellen Fall handelt es sich aber nicht um ein Pflegeheim, sondern um eine Wohnanlage. «Im Gegensatz zu Pflegeheimen gelten diese Appartements als Privatwohnungen. Jedoch leben auch hier auf engstem Raum oft pflegebedürftige Menschen zusammen», erläuterte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch.

In der Corona-Krise habe der Ausbruch einer Infektionskette im Betreuten Wohnen die gleichen Folgen wie in einem Pflegeheim. Auch hier kümmerten sich dieselben Altenpflegekräfte um viele Bewohner. «Gesetzlich ist es jedoch nicht möglich, ein Betretungsverbot auszusprechen oder die Heimaufsicht einzuschalten», so Brysch.

Praktisch erlebten die Bewohner den gleichen Mangel an Infektionsschutz wie jeder Pflegebedürftige, der zu Hause lebe, jedoch mit der erhöhten Gefahr, Wand an Wand in einer Hochrisiko-Gruppe zu leben. In der Lichtenberger Wohnanlage gibt es neben den Wohnungen auch Gemeinschaftsräume, in denen die Bewohner zusammenkommen können.

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