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Staatstheater verwandelt Fontanes «Effi Briest» in eine Oper

18.10.2019 - «Effi Briest» als Oper? Wie muss man sich das vorstellen? Das Staatstheater Cottbus bringt das bekannte Werk nun als Libretto auf die Bühne - mit neuer Dramatik in mehr als vierzig Szenen.

  • Liudmila Lokaichuk als Effi Briest und Martin Shalita als Crampas stehen auf der Bühne. Foto: Marlies Kross/Staatstheater Cottbus/ZB © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Liudmila Lokaichuk als Effi Briest und Martin Shalita als Crampas stehen auf der Bühne. Foto: Marlies Kross/Staatstheater Cottbus/ZB © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Cottbus (dpa/bb) - «Es ist ein weites Feld.» Der Dichter Theodor Fontane hat in seinem Roman «Effi Briest» dem Vater diesen Satz in den Mund gelegt. Er steht unter anderem für gesellschaftliche Kontroversen zu Fontanes Zeiten, die der Schriftsteller in seinen Werken verarbeitet hat. «Wir versuchen, dieses Feld zu beackern», nimmt Bernhard Lenort, leitender Musikdramaturg am Staatstheater Cottbus diesen Satz heute auf. Zum Fontane-Jahr bringt das Theater den großen Gesellschaftsroman erstmals als Oper auf die Bühne (Uraufführung am 19.10.).

Wie aber kann ein solcher Roman, der sich ohne große äußere Dramatik wenig handlungsreich liest, in eine Oper verwandelt werden? Komponist Siegfried Matthus hält sich eng an den Rahmen der Geschichte um die siebzehnjährige Effi, die bei ihren Eltern lebt und viel zu jung mit einem viel zu alten Mann verheiratet wird.

Der preußische Baron Geert von Innstetten und seine junge Frau ziehen an die Ostsee. Effi langweilt sich und beginnt eine kurze Liebesaffäre mit Major von Crampas. Jahre später fliegt das Ganze auf. Innstetten fordert den Liebhaber Effis zum Duell auf und tötet ihn. Er verstößt Effi, sie darf die Kinder nicht mehr sehen, auch die Eltern wenden sich von ihr ab. Am Ende bleiben die Eltern nach Effis Tod mit der Frage zurück: Haben wir etwas falsch gemacht?

Komponist Matthus macht sich Fontanes Realismus zunutze. Der Dichter hat die Welt so dargestellt, wie sie war. «Effi Briest» gilt als ein Höhe- und Wendepunkt des poetischen Realismus der deutschen Literatur. Fontane schafft keine Geschichten, die ablenken. Er verdichtet die Wirklichkeit und bestückt sie mit Symbolen: Der Sumpf bedeutet Versinken, das Wasser die Freiheit. Matthus greift diese Bilder auf und vertont sie.

«Siegfried Matthus ist ein Klangfarbenfanatiker», sagt Chefdirigent Alexander Merzyn über den Komponisten. Er bringe in den Roman eine andere Dramatik hinein - mal melancholisch und zart, mal abgeklärt und kräftig. So drücke etwa eine einzelne Solobratsche die Einsamkeit von Effi aus. Flirrende Holzbläser, die frisch und unbedarft klingen, unterstreichen Effis Kindlichkeit, erzählt Merzyn. In über vierzig Szenen und Zwischenspielen verpackt Matthus die Melange jener Welt Ende des 19. Jahrhunderts, die Fontane so gut kannte und beschrieb.

Seinen Figuren lässt Matthus dabei viel Raum. Die Effi ist mit Liudmila Lokaichuk bestens besetzt. Sie hat die naive Kindlichkeit und die spätere Zerbrechlichkeit. «Man kann genau sehen und hören: Was bewegt Effi und was empfindet sie in dieser ausweglosen Situation», beschreibt die Sängerin selbst ihre Rolle. Das werde durch die Musik sehr unterstrichen.

Innstetten wird als langweiliger Biedermann und Beamter dargestellt - das hört man auch deutlich im Gesangspart von Andreas Jäpel. Und sogar die Liebesszene zwischen Major von Crampas und Effi findet in der Oper ihren Platz, in Fontanes Roman wird sie der Fantasie des Lesers überlassen. Es sei auch deshalb eine große Verantwortung diese Rolle zu singen, sagt Martin Shalita, der den Major gibt.

Fontane schrieb den Roman, als er 70 Jahre alt war, Matthus hat die Oper mit Mitte 80 komponiert. Nicht nur dabei liegen Roman und Oper nah beieinander.

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